{"id":10055,"date":"2012-08-24T12:13:31","date_gmt":"2012-08-24T11:13:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=10055"},"modified":"2012-08-24T12:14:01","modified_gmt":"2012-08-24T11:14:01","slug":"aufgelesen-vol-49-meine-reise-beginnt-mit-einem-sturz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=10055","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 49 &#8211; &#8222;meine reise beginnt mit einem sturz&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">mit B\u00fcchern von J.J. Voskuil, Marie Pohl, J.D. Salinger, Frank Bill und Johnny Ramone. <\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10056\" title=\"voskuil\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/voskuil.jpg\" alt=\"voskuil\" width=\"201\" height=\"336\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/voskuil.jpg 300w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/voskuil-180x300.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/>\/\/ Ein echtes \u201eMammut\u201c-Werk erscheint in diesen Tagen unter dem Namen \u201eDas B\u00fcro\u201c. Der niederl\u00e4ndische Schriftsteller <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">J.J. Voskuil<\/strong>, welcher 2008 (am \u201eTag der Arbeit\u201c) aus dem Leben geschieden ist,<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>macht sich daran, die Mechanismen unseres Arbeitsalltags zu hinterfragen. Im Rahmen des Buches folgen wir Maarten Koning, welcher gerade eine Stelle als wissenschaftlicher Beamter antritt. Er fristet ein weitestgehend tristes Dasein inmitten zahlloser Besprechungen, unn\u00fctzer Sitzungen und ausufernder Kongresse. Schon nach kurzer Zeit scheint der staatliche Angestellte in einem Hamsterrad gefangen, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\">Das \u201eGrau\u201c unserer Zeit wird f\u00fcr ihn zum Dauerzustand. Seine gesamte Existenz scheint von den R\u00e4dern der B\u00fcrokratie zermahlen zu werden und es schleicht sich dieses Gef\u00fchl von Hoffnungslosigkeit ein, das nur noch von einigen absurden Momenten gekontert wird. Nachdem das Buch in den Niederlanden erschienen ist, kam es zu einer regelrechten \u201eB\u00fcromanie\u201c unter den Lesern. Der Autor versteht es sehr gut, die absurden Momente des Arbeitsalltags auf Papier zu transferieren, ohne dass es irgendwie bem\u00fcht anmuten w\u00fcrde. So wird man Zeuge von grotesken Szenen und verr\u00fcckten Dialogen, die ein gekonntes Abbild des t\u00e4glichen Lebens liefern. Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie sinnlos das Handeln der einzelnen Akteure ist. Es ist diese Sinnlosigkeit, die sich durch das gesamte Buch zieht und einen als Leser zunehmend fasziniert, obwohl sie einen eigentlich verr\u00fcckt machen m\u00fcsste. Denn wozu der ganze Schei\u00df, wenn er am Ende sowieso nichts bleibt, was von Bedeutung ist. Eine gute Frage eigentlich, der man sich im Rahmen eines Selbstfindungsseminars durchaus mal widmen k\u00f6nnte. Was \u201eDirektor Beerta\u201c (so der Titel des ersten Bandes) aber wirklich interessant macht, ist der Humor. Das Buch strapaziert (\u00e4hnlich wie die TV-Reihe \u201eThe Office\u201c) die Lachmuskeln des Lesers und d\u00fcrfte somit die ideale Sommerlekt\u00fcre f\u00fcr all jene sein, die sich in den Sommerferien schon wieder nach den lieben, alten Kollegen zur\u00fcck sehnen.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-10057\" title=\"mariepohl\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/mariepohl.jpg\" alt=\"mariepohl\" width=\"248\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/mariepohl.jpg 300w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/mariepohl-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/>\/\/ <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Marie Pohl<\/strong> ist eine Schriftstellerin, die gerne ihren Gef\u00fchlen folgt. Die f\u00fchrten sie vor geraumer Zeit nach Kuba, wo sie aus Zufall Zeuge eines Rituals einer so genannten Santer\u00eda-Priesterin wird. Fortan stellt sich die Journalistin die Frage, ob sie wirklich einem Geist ins Gesicht blickte oder nur einem Hirngespinst aufgesessen ist. Der Gedanke nagt an ihr \u2013 so sehr, dass sie sich schlie\u00dflich dazu entschlie\u00dft, eine \u201eGeisterreise\u201c zu unternehmen. So reist die Z\u00fcricher Autorin fortan um die halbe Welt, um sich mit der Welt des Unerkl\u00e4rlichen auseinander zu setzen. Ihr Weg f\u00fchrt sie zu einem Fetischpriester nach Ghana und einem Hexer in Bali. Auf weiteren Stationen ihrer Reise trifft sie Geisterj\u00e4ger in New York und einen Zauberer aus Deutschland. Dabei ist sie immer auf der Suche nach dem Unbekannten in unserer zunehmend technisierten Gesellschaft.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Ob sie am Ende tats\u00e4chlich einem Geist ins Gesicht blickt und was sie sonst noch so alles auf ihrer bewegenden Reise erlebt? Marie Pohl hat all das in einem spannenden Buch festgehalten und erz\u00e4hlt Geschichten, so unglaublich, dass man sich f\u00fchlt wie damals am Lagerfeuer, wo immer wieder gruselige Geschichte zum Besten gegeben wurden, die einen die kommenden N\u00e4chte lang wach gehalten haben. Wer auf \u00dcbernat\u00fcrliches steht, sollte unbedingt mal reinlesen. Es lohnt sich sehr ein Ticket f\u00fcr diese \u201eGeisterreise\u201c zu erstehen.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10058\" title=\"salinger1\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/salinger1.jpg\" alt=\"salinger1\" width=\"232\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/salinger1.jpg 306w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/salinger1-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/>\/\/ Eine weitere Neu-\u00dcbersetzung einer renommierten Kurzgeschichten-Sammlung aus dem Hause <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">J.D. Salinger<\/strong> kommt in diesen Tagen in den Handel. \u201eHebt an den Dachbalken, Zimmerleute und Seymour eine Einf\u00fchrung\u201c versammelt nicht nur die beiden oben genannten Geschichten des Schriftstellers, sondern z\u00e4hlt auch zu den bestverkauften Werken des Jahres 1963. Die beiden Kurzgeschichten erz\u00e4hlen aus dem Leben der sogenannten \u201eGlass-Familie\u201c. Berichtet wird aus der Sicht von Buddy, der als eine Art Alter Ego von Salinger fungiert. Die Kritik tadelte die beiden Werke im Rahmen der Erstver\u00f6ffentlichung, weil der Autor nach Meinung vieler Pressevertreter allzu ausschweifend an die ganze Sache heranging. Salinger tat in diesem Zusammenhang alles daf\u00fcr, um deren Zweifel an seinen k\u00fcnstlerischen Qualit\u00e4ten noch weiter zu befeuern, indem er sich zunehmend auf Nebens\u00e4chlichkeiten beschr\u00e4nkte und die Geschichten auf diese Weise nicht so richtig in Tritt kommen l\u00e4sst. Diesbez\u00fcglich kann man nat\u00fcrlich anmerken, dass das Leben selbst so ist: unberechenbar, keinen konkreten Handlungsstr\u00e4ngen folgend, sondern lediglich eine Ansammlung von Momenten, die wir stilgerecht in eine Erz\u00e4hlung zu transformieren versuchen. Salinger verweigert sich dem in diesen zwei Episoden weitestgehend und genau das macht sie so interessant, weil hier mit g\u00e4ngigen Erz\u00e4hl-Mechanismen gebrochen wird. \u201eHebt an den Dachbalken, Zimmerleute und Seymour eine Einf\u00fchrung\u201c enth\u00e4lt zwei mutige Werke eines au\u00dferordentlichen Schriftstellers.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-10059\" title=\"frank-bill\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/frank-bill.jpg\" alt=\"frank-bill\" width=\"213\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/frank-bill.jpg 298w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/frank-bill-186x300.jpg 186w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/>\/\/ Der Autor <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Frank Bill<\/strong> aus Southern Indiana legt in diesen Tagen seinen Deb\u00fctroman vor. \u201eCold Hard Love\u201c spielt nicht nur in seiner Heimat, es zeichnet auch ein ziemlich d\u00fcsteres Bild der Situation vor Ort. Das gro\u00dfe Versprechen von der grenzenlosen Freiheit wird hier ad absurdum gef\u00fchrt. In der Welt von Frank Bill dreht sich alles um Prostitution und Mordversuche. Selbige wiederum sollen vor allem dazu dienen, diesem Sumpf des Verbrechens zu entfliehen, sorgen aber letztlich nur daf\u00fcr, dass sich die Protagonisten fortw\u00e4hrend immer tiefer in die Schei\u00dfe reiten. In \u201eCold Hard Love\u201c wird eine Welt beschrieben, die aus den Fugen ger\u00e4t (oder schon lange geraten ist). Man kann sich genauso wenig auf die sch\u00fctzende Hand der Familie verlassen, noch hilft es die gesellschaftlichen Benimmregeln einzuhalten, um sich auf der Karriereleiter nach oben zu arbeiten. In Frank Bills Kurzgeschichten gibt es nichts, was einem Halt bieten w\u00fcrde. Und doch gelingt es dem Autor zwischen all den Geschichten \u00fcber Waffenschmuggler und Crystal Meth immer ein L\u00e4cheln auf den Lippen zu behalten. Da kann man eigentlich nur hoffen, dass sich irgendwann jemand wie Quentin Tarantino oder <span style=\"mso-bidi-font-style: italic;\">Robert<\/span> Rodriguez dieser Erz\u00e4hlungen annimmt, um sie treffsicher auf die Leinwand projiziert.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10060\" title=\"johnny-ramone\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/johnny-ramone.jpg\" alt=\"johnny-ramone\" width=\"187\" height=\"250\" \/>\/\/ Zum Abschluss m\u00f6chten wir euch heute noch auf eine gelungene Biografie \u00fcber <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Johnny Ramone<\/strong> hinweisen, die in diesen Tagen beim \u201eTropen Sachbuch\u201c-Verlag erschienen ist. \u201eCommando\u201c setzt sich in diesem Zusammenhang nicht nur mit dem kontroversesten Musiker aus dem Hause Ramones auseinander, es macht auch verdammt viel Spa\u00df, sich durch die Seiten zu w\u00fchlen. Das liegt vor allem daran, dass \u201eDie Autobiographie von Johnny Ramone\u201c nicht mit Illustrationen und Fotos geizt, sondern auch daran, dass sich der Musiker h\u00f6chstpers\u00f6nlich daran macht, das eigene Schaffen kritisch zu hinterfragen. Dar\u00fcber hinaus erf\u00e4hrt man Wissenswertes \u00fcber schlagkr\u00e4ftige Auseinandersetzungen mit Malcolm McLaren oder Band-Mate Joey Ramone, der es mal wieder mit der P\u00fcnktlichkeit nicht allzu genau nahm. Die Geschichte von Johnny ist aber auch deshalb so interessant, weil er auf den ersten Blick so \u00fcberhaupt nicht dem Bild eines klassischen Punkrockers entspricht. Jedenfalls muss man wohl mit der Lupe suchen, um weitere Punkrock-Legenden zu finden, die sich als F\u00fcrsprecher von Ronald Reagan zu erkennen geben. Herausgegeben wurde der schicke Band \u00fcbrigens<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>von John Cafiaro in Zusammenarbeit mit Steve Miller und niemand Geringerem als Henry Rollins. Na, wenn das mal kein zus\u00e4tzlicher Kaufanreiz ist. Also schm\u00f6kert mal rein. Bis zum n\u00e4chsten Mal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit B\u00fcchern von J.J. Voskuil, Marie Pohl, J.D. Salinger, Frank Bill und Johnny Ramone. \/\/ Ein echtes \u201eMammut\u201c-Werk erscheint in diesen Tagen unter dem Namen \u201eDas B\u00fcro\u201c. Der niederl\u00e4ndische Schriftsteller J.J. Voskuil, welcher 2008 (am \u201eTag der Arbeit\u201c) aus dem Leben geschieden ist, macht sich daran, die Mechanismen unseres Arbeitsalltags zu hinterfragen. 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