{"id":10256,"date":"2012-09-14T14:44:07","date_gmt":"2012-09-14T13:44:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=10256"},"modified":"2012-09-14T14:44:32","modified_gmt":"2012-09-14T13:44:32","slug":"aufgelesen-vol-53-man-soll-ja-nicht-prahlen-aber-mein-ursprunglicher-plan-war-perfekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=10256","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 53 &#8211; &#8222;man soll ja nicht prahlen, aber mein urspr\u00fcnglicher plan war perfekt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">mit B\u00fcchern von John Jeremiah Sullivan, Dietmar Dath, Bert Rebhandl, Dominik Graf und Lily Brett.<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10257\" title=\"pulphead\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/pulphead.jpg\" alt=\"pulphead\" width=\"198\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/pulphead.jpg 300w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/pulphead-192x300.jpg 192w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/>\/\/ <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">John Jeremiah Sullivan<\/strong> aus North Carolina hat in den vergangenen Jahren nicht nur f\u00fcr zahllose Magazine wie das \u201eNew York Times Magazine\u201c oder die \u201eGQ\u201c in die Tasten gegriffen, er hat auch zweimal den renommierten \u201eNational Magazine Award\u201c abgestaubt. Mit \u201ePulphead\u201c erscheint nun sein zweiter Roman nach 2008 und der ist gespickt mit zahllosen Seitenhieben auf den Zeitgeist der vergangenen Jahre. In seinen Geschichten widmet er sich nicht nur der tragischen Figur des Michael Jackson, er wandelt im Rahmen seiner Essays auch auf den Spuren des renommierten Schriftstellers und Journalisten Hunter S. Thompson.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\">In \u201ePulphead\u201c widmet er sich sehr intensiv seinem jeweiligen Objekt der Begierde und hat auf diese Weise die M\u00f6glichkeit, die einzelnen Facetten der jeweiligen Figur intensiv herauszuarbeiten.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Wer bittesch\u00f6n schreibt denn heutzutage noch ein Essay \u00fcber eine Figur wie Axl Rose, werden sie sich als Leser zu Recht fragen. Und sie haben recht\u2026<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Das macht wirklich kein Mensch mehr und doch ist es genau dieser Blick \u00fcber den Tellerrand, der dieses Werk so faszinierend macht. Ein Werk, welches -ganz nebenbei bemerkt- aus mehreren Beitr\u00e4gen besteht, die in den vergangenen Jahren in diversen Publikationen schon einmal ver\u00f6ffentlicht worden sind. Trotzdem funktioniert \u201ePulphead\u201c als Gesamtkunstwerk. Was wiederum daran liegt, dass sich Sullivans unverwechselbarer Stil wie ein roter Faden durch die einzelnen Beitr\u00e4ge zieht, welche sich unter anderem mit Bunny Wailer (dem einzigen \u00dcberlebenden von Bob Marley ehemaliger Band The Wailers) oder dem Besuch eines christlichen Rock-Festivals auseinander setzen. Wer auf raffiniert-getextete \u201ePulp\u201c-Literatur mit Kultpotenzial steht, sollte mal reinschnuppern. Es lohnt sich \u2013 und zwar nicht nur f\u00fcr Guns\u00b4n\u00b4Roses-Fans.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-10258\" title=\"booklet3\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/booklet3.jpg\" alt=\"booklet3\" width=\"223\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/booklet3.jpg 316w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/booklet3-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/>\/\/ Und nachdem uns der \u201ediaphanes\u201c-Verlag bereits vor Kurzem mit gelungenen Booklets zu allseits beliebten TV-Serien wie \u201eSopranos\u201c oder \u201eThe Wire\u201c versorgte, steht nun auch die zweite Staffel der \u201eBooklet\u201c-Reihe in den Regalen. Darin widmet sich der renommierte Schriftsteller <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Dietmar Dath<\/strong> dem TV-Ereignis \u201eLost\u201c, das zwar vom inhaltlichen Anspruch her nicht ann\u00e4hrend an die die vorab genannten Serien heranreicht, aber als Ph\u00e4nomen durchaus diskussionsw\u00fcrdig ist.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Gerade im Rahmen der ersten Staffel gelingt es der Reihe ein irrsinnig hohes Spannungs-Level zu kreieren, das bis zum Ende nicht abebbt. \u201eLost\u201c lebt dabei immer von der unsichtbaren Gefahr, die von den Machern Schritt f\u00fcr Schritt sichtbar gemacht wird (nehmen wir hier zum Beispiel mal \u201eThe Others\u201c, deren Beweggr\u00fcnde sich f\u00fcr die Gestrandeten (und auch den Zuschauer) erst nach und nach erschlie\u00dfen, was einen nat\u00fcrlich nur umso neugieriger macht). Die Macher deklinieren dieses Schema bis zum Ende der Serie mehr oder weniger zielf\u00fchrend durch und halten die Zuschauer so bei der Stange. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10259\" title=\"booklet2\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/booklet2.jpg\" alt=\"booklet2\" width=\"192\" height=\"296\" \/>Wahrscheinlich fragt Dath auch deshalb \u201e Was geht hier eigentlich vor?\u201c Er m\u00f6chte auf das System hinweisen, dass sich hinter all den Andeutungen versteckt. Er durchleuchtet die Geschehnisse und entzaubert dadurch (wie auch die Macher selbst) die einzelnen Figuren, indem er sie einer immer differenzierteren Analyse unterzieht. Der freie Journalist <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Bert Rebhandl<\/strong> hat da in seiner Abhandlung zum Thema \u201eSeinfeld\u201c schon weniger Geheimnisse zu l\u00fcften. Die Comedy-Reihe, die von 1989 bis 1998 auch hierzulande ziemlich erfolgreich gelaufen ist, hat keinerlei Verschw\u00f6rungstheorien im Gep\u00e4ck. Stattdessen wird das Dasein von Protagonist Jerry Seinfeld und seinen Kumpels George, Elaine und Kramer in allen erdenklichen Einzelheiten durchdekliniert. Dabei deckt er unter anderem auf, was lange Zeit den Reiz einer witzigen Sitcom ausgemacht hat. Es ist die stetige Nicht-Entwicklung der einzelnen Figuren, die einen an \u201eSeinfeld\u201c so fasziniert. Die handelnden Personen kommen einem auf diese Weise schon nach kurzer Zeit wie alte Bekannte vor, die immer nach dem gleichen, verl\u00e4sslichen Muster handeln. <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Dominik Graf <\/strong>wiederum, der mit \u201eIm Angesicht des Verbrechens\u201c die wahrscheinlich komplexeste und mutigste (deutsche) TV-Serie der vergangenen Jahre gedreht hat, nimmt sich in seinem Buch der amerikanischen Polizisten-Reihe \u201eHomicide\u201c an. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-10260\" title=\"booklet1\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/booklet1.jpg\" alt=\"booklet1\" width=\"193\" height=\"298\" \/>Selbige diente nicht nur als Inspirationsquelle f\u00fcr die preisgekr\u00f6nten amerikanischen Krimi-Serie<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>\u201eThe Wire\u201c, die (wie oben bereits erw\u00e4hnt) ebenfalls mit einem Booklet von \u201ediaphanes\u201c geadelt wurde, \u201eHomicide\u201c hat auch die Art und Weise des Erz\u00e4hlens im Fernsehen nachhaltig beeinflusst. In der Serie stehen nicht mehr l\u00e4nger die Kriminalf\u00e4lle, sondern die agierenden Personen im Mittelpunkt des Geschehens. Die Reihe versucht im h\u00f6chsten Ma\u00dfe realistisch zu sein, was ihr auch \u00fcberaus gut gelingt. Das liegt unter anderem daran, dass Buchautor David Simon an der TV-Serie mitgewirkt hat, dessen gleichnamiges Buch \u201eHomicide\u201c auf seinen Erfahrungen im Polizisten-Milieu beruht. Im Gegensatz zu vielen fr\u00fcheren Serien ist bei \u201eHomicide\u201c deshalb schon beim Casting darauf geachtet worden, dass die Schauspieler ihre Figuren auch glaubw\u00fcrdig verk\u00f6rpern k\u00f6nnen. So wurde in der Darsteller-Riege auf h\u00fcbsche Poster-Boys verzichtet (selbiges ist inzwischen vor allem bei j\u00fcngeren amerikanischen TV-Reihen immer \u00f6fter der Fall &#8211; nehmen wir beispielhaft diverse TV-Reihen des amerikanischen Pay-TV-Sender HBO, wie zum Beispiel \u201eThe Sopranos\u201c, \u201eThe Wire\u201c und \u201eOz\u201c oder eingeschr\u00e4nkt auch \u201eCarnivale\u201c, \u201eDeadwood\u201c und \u201eBig Love\u201c). Wer mehr wissen m\u00f6chte, sollte unbedingt mal in die 2. Staffel der \u201ediaphanes\u201c-Reihe reinschnuppern. Diese Booklets sind ein gefundenes Fressen f\u00fcr jeden TV-Serien-Fan. Und wir freuen uns jetzt schon auf Weiteres, was da noch kommen mag.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10261\" title=\"lily-brett\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/lily-brett.jpg\" alt=\"lily-brett\" width=\"220\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/lily-brett.jpg 300w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/lily-brett-180x300.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/>\/\/ Wer auf Pop in Literaturform steht, der sollte sich mal an das aktuelle Werk von der New Yorker Autorin <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Lily Brett<\/strong> heranwagen. Die f\u00fchrt uns in ihrem Roman \u201eLola Bensky\u201c in die 60er zur\u00fcck und knallt ihren Lesern eine gleichnamige Protagonistin vor den Latz, die sich ihren Lebensunterhalt als Reporterin zu sichern versucht. Lola Bensky ist gerade einmal 19 Jahre jung und trifft im Rahmen ihrer T\u00e4tigkeit nicht nur auf Rockstar-Gr\u00f6\u00dfen wie Mick Jagger und Jimi Hendrix \u2013 sie geht auch ziemlich unkonventionell an die ganze Geschichte heran. Anstatt sich n\u00e4mlich in die Liste der Autoren einzureihen, die immer wieder neue Klatsch- und Tratsch-Geschichten \u00fcber diverse Ber\u00fchmtheiten aus dem \u00c4rmel sch\u00fctteln, experimentiert sie lieber ein bisschen herum und verleiht ihren Reportagen auf diese Weise eine eigene Note. Einzig und allein ihre Eltern sollen auf keinen Fall etwas von ihrem Job als rasende Reporterin erfahren, weil sie sonst nie wieder ein Auge zudr\u00fccken k\u00f6nnten, w\u00e4hrend die Tochter gerade mit drogens\u00fcchtigen Rock-Stars durch die Diskotheken der Stadt zieht. Wenn es nach Lolas Eltern gehen w\u00fcrde, h\u00e4tte die junge Dame lieber Anw\u00e4ltin werden sollen\u2026 wobei diese Diskrepanz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit immer wieder f\u00fcr ein breites Grinsen auf dem Gesicht des Lesers sorgt.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Ansonsten gelingt der Autorin mit \u201eLola Bensky\u201c eine leicht verdauliche, mit zahlreichen Pop-Referenzen durchsetzte Geschichte, die einfach nur gl\u00fccklich macht. Kann man mehr verlangen? Wir denken nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit B\u00fcchern von John Jeremiah Sullivan, Dietmar Dath, Bert Rebhandl, Dominik Graf und Lily Brett. \/\/ John Jeremiah Sullivan aus North Carolina hat in den vergangenen Jahren nicht nur f\u00fcr zahllose Magazine wie das \u201eNew York Times Magazine\u201c oder die \u201eGQ\u201c in die Tasten gegriffen, er hat auch zweimal den renommierten \u201eNational Magazine Award\u201c abgestaubt. 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