{"id":1038,"date":"2008-06-26T09:21:37","date_gmt":"2008-06-26T08:21:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1038"},"modified":"2008-06-30T09:19:45","modified_gmt":"2008-06-30T08:19:45","slug":"zuckerbeat-volume-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1038","title":{"rendered":"\/\/ zuckerbeat volume 18"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man einer Band jegliche Qualit\u00e4t in Sachen innovative Songstrukturen absprechen m\u00f6chte, <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/sloan.jpg\" alt=\"sloan.jpg\" class=\"right\" \/>nennt man ihre Musik gemeinhin Power Pop. Das klingt dann in etwa so wie Abba, nur ohne Melodien, daf\u00fcr aber mit noch mehr Gitarren. Im schlimmsten Fall kommt dabei dann so was raus, wie die letzte Platte von Weezer. Eine uninspirierte Aneinanderreihung von Melodien und Sing-A-Longs ohne Inhalt. Kurz gesagt: Ganz gro\u00dfer Mist, da f\u00e4llt einem glatt die Gabel vom Stapler. Und es ist ein kleines Wunder, dass man <strong>Sloan<\/strong> trotzdem nicht gleich die Toilette runter sp\u00fclen m\u00f6chte. Die spielen n\u00e4mlich so eine Art Untermalung f\u00fcr Cabriofahrer mit dicken Soundsystem, aber ohne Geschmack. Nur setzen sich ihre Melodien auf \u201eParallel Play\u201c (6) sonderbarer Weise tief im Hirn fest, ohne den schalen Geruch zu atmen, den Jet mit ihrem uns\u00e4glichen \u201eAre You Gonna Be My Girl?\u201c-Nonsens verbreiteten. Da l\u00e4sst man ihnen am Ende sogar die Dauerschleife an Hand-Claps durchgehen und fragt sich, wie lange es wohl dauert, bis das Formatradio anbei\u00dft.<!--more--><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/barbara-carlotti.jpg\" alt=\"barbara-carlotti.jpg\" class=\"right\" \/> Sp\u00e4testens dann n\u00e4mlich k\u00f6nnten einem die ganzen Mitgr\u00f6hler der Marke \u201eBurn For It\u201c und Konsorten schon wieder zum Hals raush\u00e4ngen, wie Knutschflecken. Bis dahin allerdings lassen wir uns gern ein bisschen verzaubern von diesem Sammelsurium an Wohlf\u00fchlhymnen, die scheinbar \u00fcber jegliche Abnutzungserscheinungen erhaben sind. Und widmen uns hinterher den charmanten Chansons von Frau <strong>Barbara Carlotti<\/strong>. Die \u00fcberf\u00e4llt einen auf ihrem neuen Werk \u201eL\u00b4Id\u00e9al\u201c (6) komischerweise mit \u00fcberraschend gut gelaunten Pop-Tralalas. H\u00e4tte sie dabei allerdings hin und wieder auf die Bremse getreten und ihrem Weltschmerz freien Lauf gelassen, h\u00e4tte die Scheibe sogar in den Spitzenr\u00e4ngen Platz gefunden. So wirkt die Musik manchmal seltsam atemlos. Getrieben. Ruhelos. Dabei h\u00e4tten viele Songs als Skizzen ihrer selbst sogar besser funktioniert. \u201eBete Farouche\u201c <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/leila.jpg\" alt=\"leila.jpg\" class=\"right\" \/>zum Beispiel verschafft dem H\u00f6rer einen Eindruck davon, wozu die K\u00fcnstlerin im Stande ist, wenn sie vorwiegend auf sich allein gestellt ist. Zu oft verwischt die Produktion die Intensit\u00e4t ihrer St\u00fccke. Kann selbige aber \u2013 und das ist die gute Nachricht \u2013 am Ende dann doch nicht kaputt machen. Etwas d\u00fcsterer geht es da schon bei <strong>Leila<\/strong> zu. Die K\u00fcnstlerin aus Persien versucht sich auf ihrem Werk \u201eBlood Looms And Blooms\u201c (5) an d\u00fcster vertrackten Elektro-Tracks im Grenzgebiet zwischen Tricky und Aphex Twin. Das ganze wirkt dabei allerdings oftmals so ambitioniert, dass der H\u00f6rgenuss schnell anstrengend wird. Zweifelsohne wohnt einem Song, wie \u201eLittle Acorns\u201c ein gewisser Charme inne. Nur laufen daneben so viele Tracks ins Leere, dass man sich fragt, ob es nicht besser gewesen w\u00e4re, den Ideenfluss hin und wieder mal in Zaun zu halten. Umso sch\u00f6ner hingegen wirken in diesem Sounduniversum die Ausfl\u00fcge in poppige Gefilde. \u201eDaisies, Cats &amp; Spacemen\u201c klingt wie ein von Shirley Bassey intoniertes Monstrum f\u00fcr einen Bond Film. Und so bleibt am <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/wolf-parade.jpg\" alt=\"wolf-parade.jpg\" class=\"right\" \/>Ende die Hoffnung, dass die K\u00fcnstlerin in Zukunft genau hier ankn\u00fcpft. Sich ihrer St\u00e4rken besinnt und einfach mal soundtechnisch etwas tiefer stapelt. Dann geht da noch einiges. Derweil wagen wir mal einen Abstecher zu <strong>Wolf Parade<\/strong>. Die entwerfen herrlich abseitigen Inide-Pop mit ziemlich viel Trara. \u201eAt Mount Zoomer\u201c (7) klingt, als w\u00e4ren The Arcade Fire auf ihrem zweiten Album nicht die Ideen ausgegangen. Entr\u00fcckte Songs treffen auf Melodien voller Sch\u00f6nheit. Und diese Stimme. Die kann Herzen brechen\u2026 mindestens. Diese Platte suhlt sich aber nicht etwa im eigenen Weltschmerz. Sie schl\u00e4ngelt sich hindurch. Erst stolpert man, nur um dann vom Boden aus wieder gen Himmel zu blicken. Ein Werk, wie geschaffen, um den vertr\u00e4umten Weltenwandler aus der Umlaufbahn der eigenen Melancholie zu sto\u00dfen. Da hilft am Ende eigentlich nur Weitertanzen. <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/digitalism.jpg\" alt=\"digitalism.jpg\" class=\"right\" \/>Vielleicht ja mit den Herren von <strong>Digitalism<\/strong>? Die haben n\u00e4mlich den hei\u00dfesten Schei\u00df des Sommers geb\u00fcndelt und in einem schicken Mix namens \u201eKitsun\u00e9 Tabloid\u201c (6) verwurstet, wie Metzgermeister. Schon nach zwei Tracks verwandelt dieser Sound die Welt um dich herum in eine mit Neon-Sticks behangene Tanzfl\u00e4che. Manches, von den Kills bis hin zu Hercules &amp; The Love Affair sorgt dabei zwar zwischendurch f\u00fcr den ein oder anderen Verstolperer in Sachen Flow. Aber darum geht\u2019s hier ja nicht. Dieser Sound will dich auf die Partymeile lotsen, wie Fluggesellschaften. Und dann hebst du ab. Schwebst mit den B\u00b452s im \u201eFunplex\u201c und reckst zu Hot Chip deine F\u00e4uste in die H\u00f6he. Runterkommen kannst du anschlie\u00dfend mit den Jungs von <strong>My Morning Jacket<\/strong>. Die waren ja eigentlich schon als Altrocker verschrien, bis sie mit ihrem letzten (nebenbei grandiosem) Werk zu den \u201en\u00e4chsten Radiohead\u201c hoch geredet wurden. Umso sch\u00f6ner, dass sich die Band von all dem ziemlich unbeeindruckt zeigt. Denn \u201eEvil Urges\u201c (7) zeigt mal wieder eine Combo, die viel<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/my-morning-jacket.jpg\" alt=\"my-morning-jacket.jpg\" class=\"right\" \/> Mut zum Experimentieren mitbringt. Bei machen Songs hat man sogar ein wenig das Gef\u00fchl, die Band w\u00fcsste selbst nicht so genau, wo das alles enden soll. Eben das aber macht ihre Musik so spannend. Unter der Oberfl\u00e4che der vertrackten Songs schimmern n\u00e4mlich schillernde Ohrw\u00fcrmer, wie sie Prince nicht besser hinbekommen h\u00e4tte. \u201eReines Gold\u201c w\u00fcrden sie wohl in diversen Ausgrabungsst\u00e4tten br\u00fcllen und mit staubigen H\u00e4nden hinauf zur Sonne blicken, um sich v\u00f6llig im Glanz ihrer Umgebung zu suhlen. Selten hat man eine Band geh\u00f6rt, die auf ihrem f\u00fcnften Album so hemmungslos herum experimentierte. \u201eEvil Urges\u201c klingt wie der Funke, der aus der Lagerfeuerstelle h\u00fcpft und der Dunkelheit um dich herum trotzt. Das wiederum tun die allseits beliebten <strong>Fratellis<\/strong> auf ihrem Zweitling \u201eHere We Stand\u201c (7) ebenfalls. Die Mitgr\u00f6hlch\u00f6re des Vorg\u00e4ngers wurden kurzerhand \u00fcber Bord geworfen. Als Anker fungieren diesmal Gute Laune-Kracher der Marke \u201eMistress Mabel\u201c, \u201eA Heady Tale\u201c <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/fratellis.jpg\" alt=\"fratellis.jpg\" class=\"right\" \/>und \u201eMy Friend John\u201c. Nur hat man dabei eben auch hin und wieder einen Gang zur\u00fcck geschalten, die Punkrockausfl\u00fcge in poppigere Gefilde gelenkt und dazu die nervige \u201eWir lassen mal ein paar leicht bekleidete M\u00e4dels dazu tanzen\u201c-Attit\u00fcde \u00fcber Bord geworfen. Jeder, der die Band schon mal live bei einem Festival gesehen hat, wei\u00df wozu sie im Stande sind. Da verwandeln sich ganze Schlammfelder pl\u00f6tzlich in Seelandschaften. Da werden Bauchplatscher hingelegt und Ringelreih-T\u00e4nze aufgef\u00fchrt. Und nat\u00fcrlich immer wieder ganz laut gesungen. \u201eLook Out Sunshine. Here\u00b4s The Punchline.\u201c So simple ist das manchmal. Und ebenso wundersch\u00f6n. Bis zum n\u00e4chsten Zuckerbeat.<\/p>\n<p>\/\/ <em>von Alexander Nickel-Hopfengart<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man einer Band jegliche Qualit\u00e4t in Sachen innovative Songstrukturen absprechen m\u00f6chte, nennt man ihre Musik gemeinhin Power Pop. Das klingt dann in etwa so wie Abba, nur ohne Melodien, daf\u00fcr aber mit noch mehr Gitarren. Im schlimmsten Fall kommt dabei dann so was raus, wie die letzte Platte von Weezer. 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