{"id":1064,"date":"2008-07-01T09:09:12","date_gmt":"2008-07-01T08:09:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1064"},"modified":"2008-07-01T09:19:58","modified_gmt":"2008-07-01T08:19:58","slug":"mufflon-das-prinzip-fan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1064","title":{"rendered":"\/\/ mufflon: das prinzip fan"},"content":{"rendered":"<p> Es gibt einen Schlag Mensch, der mir wirklich Sorgen bereitet, ja mir geradezu Angst einfl\u00f6\u00dft. Blindlings schaltet er gesunden Menschenverstand und W\u00fcrde aus, um sich ganz seinen Idolen hinzugeben; sich in ihrem Ruhm zu suhlen; ihnen nachzureisen und zu \u2013eifern; ihren Stil zu kopieren; sch\u00f6ne, leere, l\u00e4mmchenwei\u00dfe W\u00e4nde mit ihren Konterfeien zu beh\u00e4ngen&#8230; Gemeint ist nat\u00fcrlich der Fan. Dabei ist es erst einmal egal, wen er sich als Objekt der Begierde aussucht. Bill Kaulitz, Pamela Anderson, Keanu Reaves oder Lukas Podolski. Das Prinzip bleibt das gleiche. Eine gesunde Bewunderung f\u00fcr die Leistungen und das Talent anderer sei ja jedem herzlichst geg\u00f6nnt. Vor allem, wenn man es selbst zu nichts gebracht hat. Wenn diese Bewunderung allerdings dazu f\u00fchrt, dass sich der normal denkende Mensch suchend nach einem Bet\u00e4ubungsgewehr umsieht, um der ganzen Farce ein Ende zu bereiten, wird es \u00e4rgerlich.<!--more--><\/p>\n<p>So weit so gut. Momentan befindet sich der normal denkende Mensch wieder einmal in der gl\u00fccklichen Situation, eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl dieser possierlichen Wesen in freier Wildbahn beobachten zu k\u00f6nnen. Alle Jahre wieder erm\u00f6glichen es uns Events wie jetzt die Fu\u00dfball-Europameisterschaft, ganz nah und ohne Tarnzelt an den Fan (wir sprechen im Folgenden nur noch vom Fu\u00dfballfan) heranzukommen. Denn unter solchen Idealbedingungen f\u00fchlt er sich sicher und kann ohne Scheu gef\u00fcttert und gestreichelt werden. Der leichteste Weg sich heranzupirschen ist, sich eine Fahne ans Auto zu heften und wild in der Gegend herumzuhupen. Das lockt Artgenossen an. Allerdings sei zur Vorsicht geraten. Es kann durchaus passieren, dass  einige, vornehmlich m\u00e4nnliche Exemplare, versuchen werden, in \u00e4u\u00dferst engen Kontakt mit dem Beobachter zu treten. In solch einem Fall ist ein k\u00fchler Kopf gefordert. So etwas kennt der Fan nicht; das verwirrt ihn.<\/p>\n<p>Denn das sch\u00f6nste am Fan ist ja, dass sich sein Verhalten oft nicht vorhersagen oder gar logisch begr\u00fcnden l\u00e4sst. Otto Normalverbraucher hat eine Hose an, der Fan eine Fahne. Otto Normalverbraucher sieht sich ein Spiel an, der Fan f\u00e4hrt w\u00e4hrenddessen hupend durch die Innenstadt (v\u00f6llig egal ob die eigenen Jungs hinten liegen oder nicht). Otto Normalverbraucher akzeptiert die gute, oder wahrscheinlicher, die schlechte Leistung der Mannschaft als gottgegeben, der Fan hingegen wei\u00df s\u00e4mtliche Interna, k\u00f6nnte alles mindestens doppelt so gut wie jeder einzelne auf dem Feld (Zitat: Und daf\u00fcr kriegt der Millionen im Jahr) und ist zurecht beleidigt, wenn sein Fachwissen nicht in geb\u00fchrendem Ma\u00dfe gew\u00fcrdigt wird. Herrlich. Aber wie kann man sich auch anma\u00dfen, die Gedankeng\u00e4nge des Fans zu durchschauen? Er befindet sich ja in einer solchen Zeit in einer Phase der kontinuierlichen Reiz\u00fcberflutung. Wochenlanges Betrunkensein geh\u00f6rt genauso zum guten Ton wie das Tragen der schillerndsten Kriegsbemalungen. Auch zur Kommunikation braucht es nicht viel. Ein stattlich herausger\u00fclpstes \u201eAuf geht\u2019s, Deutschland schie\u00dft ein Tor\u201c ist da schon v\u00f6llig ausreichend. Grammatikalisch zwar \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdig, in seiner Durchschlagskraft im angrenzenden Public-Viewing-Block jedoch beispielhaft.<\/p>\n<p>Doch soll diese Festschrift nat\u00fcrlich nicht zu einer reinen Lobeshymne auf das Fantum reduziert werden. Nein, der Fan kann dem unvorsichtigen Tierfreund durchaus gef\u00e4hrlich werden. Wie ein angeschossenes Raubtier ist er zu allem f\u00e4hig. Ruhig in sich zur\u00fcckgezogen oder lauthals um sich schwankend; alles ist m\u00f6glich. An einer roten Ampel stehen bleiben kann da schon als Selbstmordversuch gewertet werden. Dinge wie einfach durch die Gegend laufen sind ohne Begleitschutz oder einschl\u00e4gige Erfahrung im Umgang mir dem Fan ebenfalls nicht empfehlenswert. Es sei also gewarnt. Nat\u00fcrlich sieht das alles putzig aus. Doch sollte man sich nicht zu unvorsichtigen Handlungen hinrei\u00dfen lassen. Am besten ist es, man grinst bierselig, redet kurz abf\u00e4llig \u00fcber G\u00fcnter Netzers Frisur oder Jens Lehmanns schlechte Leistung der letzten Monate und schleicht sich mit einem zackigen \u201eSchland\u201c davon.<\/p>\n<p>Hoffen wir also auf ein schnelles und erfolgreiches Ende dieses Freudenfestes und freuen uns auf die Bundesliga. Dort ist der Fan wieder sicher im Gehege Wohnzimmer oder der n\u00e4chsten Premiere Sportsbar eingesperrt und kann den Mitmenschen nicht mehr gef\u00e4hrlich werden. Bis dahin hei\u00dft es. Niemals unbewaffnet aus dem Haus gehen und sich geschickt tarnen. Wenigstens eine kleine Fahne sei jedem ans Herz gelegt. Denn man wei\u00df ja nie.<br \/>\nEs lebe der Fan.<\/p>\n<p>\/\/ text: sebastian struch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt einen Schlag Mensch, der mir wirklich Sorgen bereitet, ja mir geradezu Angst einfl\u00f6\u00dft. 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