{"id":1065,"date":"2008-07-01T09:09:21","date_gmt":"2008-07-01T08:09:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1065"},"modified":"2008-07-01T09:19:40","modified_gmt":"2008-07-01T08:19:40","slug":"sie-standen-nebeneinander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1065","title":{"rendered":"\/\/ sie standen nebeneinander"},"content":{"rendered":"<p>Es war kalt, feucht und dunkel, gef\u00fchlte 8\u00b0 C. Lediglich eine d\u00fcnne Pappwand trennte ihre beiden K\u00f6rper. Starr und schutzlos warteten sie auf ihr ungewisses Schicksal. Ihre Umgebung war nur vage zu erahnen. Gro\u00dfe quadratische T\u00fcrme mit seltsamen Aufschriften, glasf\u00f6rmige Gebilde und konische Geb\u00e4ude.<br \/>\nMelancholisch dachte er an die sonnigen Zeiten seines Lebens zur\u00fcck. Das wohlig warme Nest seiner Kindheit, welches er zu schnell verlassen musste. Er wagte einen Blick zur Seite. Teilten sie die gleichen Gedanken? Sie verzog keine Miene, blickte nur starr ins Leere, ins Nichts, das unumg\u00e4ngliche Ende im Antlitz.<br \/>\nEr wollte ihr so gerne sagen: \u201eEs gibt Hoffnung, wir werden es schaffen, wir werden eine gemeinsame Zukunft leben. Ja, leben.\u201d Ihr wei\u00dfer Teint war einmalig sch\u00f6n. Eine winzige Feder schm\u00fcckte ihren kleinen Kopf. Ein Relikt aus gl\u00fccklichen Zeiten.<br \/>\nSeine Fantasien schweiften. \u201eWie es wohl sein wird, wenn sich unsere K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten vereinen? Sie lustvoll ineinander flie\u00dfen? Sich zu einem einzigen vereinen?\u201d<!--more--><br \/>\nNoch immer fokussierte er sie von der Seite. Sein Blick wanderte an ihrem Nacken entlang. Eine T\u00e4towierung blitzte auf. Trotz der Dunkelheit erkannte er einen seltsamen Zahlencode. \u201eSie ist so anders als alle anderen!\u201d<br \/>\nEin pl\u00f6tzliches R\u00fctteln katapultierte ihn in die trostlose Gegenwart zur\u00fcck.<br \/>\nBlitzartig durchflutete Tageslicht den Raum. Eine Hand deutete auf ihn, bewegte sich zielstrebig auf ihn zu.<br \/>\n\u201eOh nein, er wird mich mitnehmen. Wir werden f\u00fcr immer getrennt sein!\u201d<br \/>\nEr wollte schreien, doch es gelang ihm nicht. Ein vermeintlich letzter Blick auf sie.  \u201eLeb\u00b4 wohl, meine Sch\u00f6ne!\u201d<br \/>\nEr sp\u00fcrte das Ende. Die Art seines Todes war nur mehr eine Frage des Geschmacks.<br \/>\nEr war in Teufelsk\u00fcche. Eine unertr\u00e4gliche W\u00e4rme machte sich breit. Kein Ausweg, kein Entkommen.<br \/>\nAus einem Radioger\u00e4t klang ihm dumpf eine ihm bekannte Melodie entgegen. Schmerzlich gelangten die Schallwellen zu ihm.<br \/>\n\u201eEin belegtes Brot mit Schinken, ein belegtes Brot mit Ei, das macht zwei belegte Brote, eins mit Schinken, ein mit&#8230;\u201d<br \/>\nEin Schlag in die Rippen brachte ihn zur Bewusstlosigkeit. Die schon toten Hosen besangen weiter voller Schadenfreude seine so fatal passende Todeshymne.<br \/>\nKein eisgek\u00fchlter Bommerlunder. Stattdessen spritzendes Fett. Wei\u00dfer Schleim entronn seinem K\u00f6rper. Die Innereien seines K\u00f6rpers brodelten, schwitzten, er mutierte und \u2026 kam wieder zu sich. Und neben ihm &#8211; voller Wunder &#8211;  war sie. Verschwommen und mit glasigen Augen sah er die wohl wundersch\u00f6nste Metamorphose der Sch\u00f6pfung Gottes auf Erden. Sein K\u00f6rper spiegelte sich in dem ihrigen. Sie umschlang ihn sanft. Sie liebkoste ihn.<br \/>\n\u201eDu bist mein und ich bin dein\u201d<br \/>\nSo lagen sie nebeneinander. Gl\u00fccklich und schmackhaft. Zwei sich liebende Spiegeleier. Und wenn sie nicht verdaut sind, dann brutzeln sie noch immer.<br \/>\n\/\/ von lisa stanzl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war kalt, feucht und dunkel, gef\u00fchlte 8\u00b0 C. Lediglich eine d\u00fcnne Pappwand trennte ihre beiden K\u00f6rper. Starr und schutzlos warteten sie auf ihr ungewisses Schicksal. Ihre Umgebung war nur vage zu erahnen. 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