{"id":11123,"date":"2013-02-03T19:16:31","date_gmt":"2013-02-03T18:16:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=11123"},"modified":"2013-02-03T19:17:45","modified_gmt":"2013-02-03T18:17:45","slug":"aufgelesen-vol-68-setz-dich-da-hinten-hin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=11123","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 68 &#8211; &#8222;setz dich da hinten hin&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">mit B\u00fcchern von Kevin Smith, Jonathan Lethem, David Simon, Inger-Maria Mahlke und Douglas Coupland. <\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-11124\" title=\"E_Smith_neu.indd\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/kevin-smith.jpg\" alt=\"E_Smith_neu.indd\" width=\"200\" height=\"303\" \/>\/\/ <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Kevin Smith<\/strong> hat sich in den vergangenen Jahren vom Underground-Filmemacher zum Hollywood-Starregisseur gemausert. Begonnen hat f\u00fcr den US-Amerikaner alles im Jahre 1994. Da kommt n\u00e4mlich sein zweiter Streifen \u201eClerks\u201c in die Kinos und entwickelt sich zum absoluten Kult-Movie. Die Geschichte des Low-Budget-Streifens dreht sich um einen gelangweilten Quick Stop-Besitzer, der sich jeden Tag mit seinem Kumpel von der Videothek nebenan trifft und irgendwie die Zeit totzuschlagen versucht. Die Gespr\u00e4che, die sich daraus ergeben, geh\u00f6ren zu den verr\u00fccktesten<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>der Filmgeschichte, noch dazu wurde der Streifen komplett in schwarz\/wei\u00df gedreht, was einen netten A-Ha-Effekt bei den Zuschauern erzeugt und sicher als fetter Stinkefinger in Richtung Bombast gewertet werden darf.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><span style=\"mso-bidi-font-style: italic;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\">Anschlie\u00dfend dreht Smith weitere New Jersey Filme: \u201eMallrats\u201c, \u201eChasing Amy\u201c, Jay und Silent Bob schlagen zur\u00fcck\u201c<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>und vor allem \u201eDogma\u201c geh\u00f6ren in jede gute Filmbibliothek und waren damals das Sprungbrett f\u00fcr zahlreiche Stars von Matt Damon bis Ben Affleck. Nun erscheint endlich die entsprechende Biografie zum bewegten Leben des Regisseurs, Comic-Autors und Schauspielers. In \u201eTough Sh*t\u201c erz\u00e4hlt er von seinen Erlebnissen im Showgesch\u00e4ft und wie er zu dem wurde, der er ist. Er berichtet von netten Erlebnissen mit Quentin Tarantino und weniger erfreulichen mit Bruce Willis. Er plaudert au\u00dferdem \u00fcber seine Beweggr\u00fcnde zum Filmemachen und \u00fcber seine Liebe zu dem was er tut (und nat\u00fcrlich auch zu seiner Frau). Vielleicht liegt es auch an seinem nimmerm\u00fcden Enthusiasmus, dass unter seinen Streifen zwar einige kommerzielle Flops, aber in qualitativer Hinsicht nur wenige echte Fehlschl\u00e4ge zu finden sind. Wenn du jetzt neugierig geworden bist und dich ebenfalls fragst: \u201eWie hat der Fettsack das blo\u00df geschafft?\u201c Dann schnupper mal rein in dieses Werk. Es macht einfach nur verdammt viel Spa\u00df.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-11125\" title=\"jonathan-lethem\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/jonathan-lethem.jpg\" alt=\"jonathan-lethem\" width=\"220\" height=\"330\" \/>\/\/ Nachdem die New York Times sein Werk \u201eDie Festung der Einsamkeit\u201c vor zehn Jahren zum \u201eBuch des Jahres\u201c gek\u00fcrt hat, war <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Jonathan Lethem<\/strong> auch hierzulande pl\u00f6tzlich in aller Munde. In seinem Werk \u201eBekenntnisse eines Tiefstaplers \u2013 Memoiren in Fragmenten\u201c (im Original: \u201eThe Ecstasy of Influence\u201c) dreht sich alles um den Einfluss des Autors auf die gegenw\u00e4rtige Kulturszene und umgekehrt.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Lethem spricht von den Wechselwirkungen im Literatur-Gesch\u00e4ft und outet sich immer wieder selbst als innbr\u00fcnstiger Fan von zahlreichen Literaten und Filmen, die ihn selbst und sein Arbeit beeinflusst haben. So erz\u00e4hlt er nicht nur von renommierten Personen wie Bob Dylan oder James Brown, er setzt sich auch mit zahlreichen Underground-Ph\u00e4nomenen auseinander und f\u00fchrt einem dabei immer wieder im \u00fcbertragenen Sinn vor Augen, was es bedeutet, sich seiner Leidenschaft voll und ganz zu verschreiben. Es gibt also viel zu entdecken in diesem Buch. Dabei widersteht der Autor allerdings immer wieder der Versuchung, sich als Kritiker in Szene zu setzen, sondern beschr\u00e4nkt sich stattdessen auf die Dinge, die ihm wirklich am Herzen liegen. So vergeht die Zeit mit diesem Werk nicht nur wie im Flug, sie legt auch offen, wo Lethem die Inspiration f\u00fcr seine Romane hernimmt. Es lohnt sich also mal reinzuschnuppern in diese etwas andere Art von Memoiren.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-11126\" title=\"david-simon\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/david-simon.jpg\" alt=\"david-simon\" width=\"195\" height=\"309\" \/>\/\/ Die Polizeiserie \u201eThe Wire\u201c wird von zahlreichen renommierten Kritikern zu den besten Serien aller Zeiten gez\u00e4hlt. In den f\u00fcnf Staffeln wird das Leben auf Baltimores Stra\u00dfen umrissen, wobei es durchaus bemerkenswert ist, dass jede Staffel sich diesbez\u00fcglich einer anderen Hierarchie-Ebene des Gang- und Polizeilebens widmet. So bekommt man als Zuschauer ein detailliertes und \u00e4u\u00dfert differenziertes Bild davon vermittelt, wie in dieser Stadt das Polizeileben organisiert ist und welche Rolle das organisierte Verbrechen und die Politik dabei einnehmen. Nun erscheint bei \u201eHeyne Hardcore\u201c eines der beiden B\u00fccher, die daf\u00fcr herhalten mussten, Baltimores Geschichte auf die Leinwand zu transferieren. \u201eHomicide \u2013 Ein Jahr auf m\u00f6rderischen Stra\u00dfen\u201c umrei\u00dft das Leben in einer Stadt, in welcher pro Jahr \u00fcber 200 Morde begangen werden. Autor <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">David Simon<\/strong> gelingt es in diesem Zusammenhang nicht nur den Slang der Stra\u00dfe aufs Papier zu bringen, sondern auch die sozialpolitischen Aspekte in den Vordergrund zu r\u00fccken. Bemerkenswert daran ist vor allem die augenscheinliche Hoffnungslosigkeit, die sich bei allen Protagonisten einzuschleichen scheint. In einer Welt, in welcher die Moral schon lange kein Bezugspunkt mehr ist, verschwimmen auf diese Weise die Grenzen zwischen Gut und B\u00f6se. <strong><span style=\"font-family: &quot;Calibri&quot;,&quot;sans-serif&quot;; mso-ascii-theme-font: minor-latin; mso-hansi-theme-font: minor-latin; mso-bidi-font-family: &quot;Times New Roman&quot;; mso-bidi-theme-font: minor-bidi; font-weight: normal; mso-bidi-font-weight: bold;\">David Simon<\/span><\/strong>, von Beruf wegen Journalist und ehemaliger Polizeireporter der \u201eBaltimore Sun\u201c, h\u00e4tte es sich in diesem Zusammenhang durchaus leicht machen k\u00f6nnen: der Autor widersteht aber der Versuchung zweidimensionale Charaktere zu kreieren. Stattdessen werden die N\u00f6te und Zw\u00e4nge der Protagonisten glaubw\u00fcrdig \u00fcberliefert, was auch daran liegen d\u00fcrfte, dass Simon zu Recherchezwecken ein Jahr lang ganz eng mit den \u00f6ffentlichen Beh\u00f6rden zusammenarbeitete. Am Ende l\u00e4sst er sich trotzdem nicht dazu verleiten, den Blickwinkel der Ermittler zu \u00fcbernehmen. Er spielt sich nicht als Richter auf, sondern m\u00f6chte die unterschiedlichen Facetten und Zusammenh\u00e4nge des \u201eTatorts Baltimore\u201c aufzeigen. Mit \u201eHomicide\u201c gelingt David Simon die glaubw\u00fcrdige Darstellung eines fragw\u00fcrdigen Systems, welches jeglichen Funken Hoffnung im Keim zu ersticken scheint.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-11127\" title=\"inger-maria\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/inger-maria.jpg\" alt=\"inger-maria\" width=\"170\" height=\"280\" \/>\/\/ Die Hamburger Autorin <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Inger-Maria Mahlke<\/strong> war nicht nur Preistr\u00e4gerin beim 17. \u201eOpen Mike\u201c vor vier Jahren, sondern hat auch schon den einen oder anderen Literatur-Preis f\u00fcr ihr 2010er Deb\u00fct \u201eSilberfischchen\u201c eingeheimst. Nun steht das neue Werk der Wahl-Berlinerin in den Regalen und dreht sich um eine Generation in der Abw\u00e4rtsspirale. Claas Jansen zum Beispiel, welcher sich seit Jahren in einem Kaufrausch befindet und dieser Sucht nur geringf\u00fcgig Herr wird, sieht sich pl\u00f6tzlich dazu gezwungen, im eigenen Mietshaus Unterschlupf zu finden. Seine Geschichte ist aber nur eine von vielen, welche die Autorin hier stellvertretend f\u00fcr eine ganze Generation in den Mittelpunkt r\u00fcckt. Ihr Buch berichtet im weiteren Verlauf auch von Hochstaplern und Drogendealern. Dabei gelingt es der Schriftstellerin immer wieder, das Lebensgef\u00fchl einer ganzen Generation nach dem gro\u00dfen Aufschwung treffsicher in Szene zu setzen \u2013 ihr Werk regt einen aber auch zum Nachdenken an. Wie konnte es nur soweit kommen, dass sich immer mehr Menschen in solch prek\u00e4ren Situationen wiederfinden? Sind das wirklich alles Einzelschicksale oder befinden wir uns bereits in einem tiefgreifenden Umbruch hinsichtlich unseres gesellschaftlichen Systems? Inger-Maria Wahlke widmet sich dieser Frage mit einem L\u00e4cheln auf den Lippen und es macht \u00fcber die volle Distanz von knapp 300 Seiten verdammt viel Spa\u00df, den einzelnen Charakteren beim Scheitern und Wiederauferstehen beizuwohnen.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Wer also auf Geschichten aus dem Leben steht, sollte unbedingt mal reinschnuppern. Es lohnt sich.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-11128\" title=\"douglkas-coupland\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/douglkas-coupland.jpg\" alt=\"douglkas-coupland\" width=\"215\" height=\"342\" \/>\/\/ Das neueste Baby von <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Douglas Coupland<\/strong> h\u00f6rt auf den Namen \u201eJPod\u201c und ist aber eigentlich schon mehr als f\u00fcnf Jahre alt. Die Geschichte dreht sich um sechs Angestellte einer Computerspiel-Entwicklungsfirma, die es satt haben, dass ihnen ihr Arbeitgeber vorgeben m\u00f6chte, was f\u00fcr Gimmicks sie in ihre Spiele einbauen sollen. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen sich die werten Kollegen aber auch noch mit illegalen Einwanderern in den heimischen vier W\u00e4nden, fremdgehenden V\u00e4tern und ein Haschisch-Plantagen herumschlagen. Mal abgesehen von der abgefahrenen Geschichte, die exakt den Nerv einer ruhelosen Generation trifft, ist dem \u201eHeyne\u201c-Verlag auch eine grafische Meisterleistung gegl\u00fcckt. Das ganze Buch ist ein gefundenes Fressen f\u00fcr Typographen. Die chaotischen Aspekte der Geschichte spiegeln sich famos in dem sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden Schriftbild wieder. Das belebt nicht nur die Phantasie, das schafft auch v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten, wenn pl\u00f6tzlich bestimmte Schlagworte in bester Pop Art-Manier auf den Leser einprasseln. So manche Kalorientabelle zu Tortilla-Snacks h\u00e4tte man in diesem Zusammenhang vielleicht auch au\u00dfen vor lassen k\u00f6nnen und dennoch beeindruckt es einen immer wieder, wie Douglas Coupland mit g\u00e4ngigen Schemata bricht, ohne dass sein Roman dadurch irgendwie auseinander zu fleddern beginnen w\u00fcrde. Alles in allem ist \u201eJPod\u201c ein beeindruckendes Buch \u00fcber die rasante Flut an Informationen, welche tagt\u00e4glich \u00fcber uns Menschen herein bricht. Und damit verabschieden wir uns f\u00fcr heute. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit B\u00fcchern von Kevin Smith, Jonathan Lethem, David Simon, Inger-Maria Mahlke und Douglas Coupland. \/\/ Kevin Smith hat sich in den vergangenen Jahren vom Underground-Filmemacher zum Hollywood-Starregisseur gemausert. Begonnen hat f\u00fcr den US-Amerikaner alles im Jahre 1994. 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