{"id":11216,"date":"2013-02-18T14:07:28","date_gmt":"2013-02-18T13:07:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=11216"},"modified":"2013-02-22T15:43:39","modified_gmt":"2013-02-22T14:43:39","slug":"aufgelesen-vol-71-ich-muss-den-wald-verlassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=11216","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 71 &#8211; &#8222;ich muss den wald verlassen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">mit B\u00fcchern von Jonas Engelmann, Annika Scheffel, J\u00f6rg-Uwe Albig, Wolfgang Doebeling und Raquel J. Palacio. <\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-11217\" title=\"testcard\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/testcard.jpg\" alt=\"testcard\" width=\"199\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/testcard.jpg 250w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/testcard-201x300.jpg 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/>\/\/ Wer auf anspruchsvolle Kulturmagazine in ansprechender Verkleidung steht, der kommt an dem Pop-Magazin \u201e<strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Testcard<\/strong>\u201c bereits seit mehreren Jahren nicht mehr vorbei. Das halbj\u00e4hrlich-ver\u00f6ffentlichte \u201eHeft\u201c erscheint nicht nur in Buchform, es ist auch mit einer ganzen Menge interessanter Artikel<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>gespickt. Die 22te Ausgabe setzt sich in diesem Zusammenhang differenziert mit dem Thema \u201eFleisch\u201c auseinander (zur Erl\u00e4uterung: jede Ausgabe widmet sich einem \u00fcbergeordneten Themengebiet, in der Vergangenheit waren das unter anderem die Bereiche \u201eGender\u201c, \u201eBlack Music\u201c, \u201eHumor\u201c oder \u201eSex\u201c). In der neuen Ausgabe kommen wir auf diese Weise nicht nur in den Genuss von Beitr\u00e4gen zu den Themen \u201eHaben Vegetarier_innen besseren Sex?\u201c oder Lady Gagas aufsehenerregendes Fleisch-Kost\u00fcm, das sie bei den \u201eMTV Video Music Awards 2010\u201c anhatte.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><span style=\"mso-bidi-font-style: italic;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p>Die Ausgabe setzt sich auch intensiv mit den Themen Kannibalismus, \u201eProjektionen in Fleisch\u201c (siehe zum Beispiel das grenz\u00fcberschreitende Horror-Movie \u201eHostel\u201c) oder mit Tierschlachtungen im Wien des 19. Jahrhunderts auseinander. Kein Thema scheint zu abwegig f\u00fcr diese Ausgabe, welche gleich zu Beginn ein echtes Schmankerl f\u00fcr jeden Pop-Musik-Fan aus dem \u00c4rmel sch\u00fcttelt. Da setzen sich Jonas Engelmann und Jelena Klei\u00dfler n\u00e4mlich in ihrem Beitrag \u201eEl Mundo Carne\u201c mit der \u201e(Pop-)Kulturgeschichte des Fleisches\u201c auseinander und pr\u00e4sentieren uns nicht nur eine imposante Cover-Galerie, sondern konfrontieren uns auch mit den wichtigsten fleischlichen Aspekten des Schaffens von Propagandhi bis Bret Easton Ellis. Ihr solltet also unbedingt mal reinschauen in dieses Werk. Die \u201eTestcard\u201c sticht n\u00e4mlich auch diesmal aus dem breiten Kosmos an Pop-Magazinen heraus, weil sie sich nicht nur in stilistischer, sondern auch in inhaltlicher Hinsicht \u00fcber die gegenw\u00e4rtigen Trends hinwegsetzt und sich stattdessen einem zeitlosen<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Themengebiet ann\u00e4hert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-11218\" title=\"annika-scheffel\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/annika-scheffel.jpg\" alt=\"annika-scheffel\" width=\"180\" height=\"299\" \/>\/\/ Die aufstrebende Nachwuchsautorin <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Annika Scheffel<\/strong> wiederum ver\u00f6ffentlicht mit \u201eBevor alles verschwindet\u201c einen der eindrucksvollsten Romane des noch so jungen Jahres. In ihrem Buch entwurzelt sie einige Dorfbewohner, indem sie deren Heimatort einfach verschwinden l\u00e4sst. Sie m\u00f6chte dadurch aufzeigen wie Menschen damit umgehen, wenn sie pl\u00f6tzlich aus ihrer urspr\u00fcnglichen Umgebung herausgerissen werden. Sie wehrt sich mit ihren Zeilen aber auch gegen eine Gesellschaft, die immer schnelllebiger agiert und dem Fortschritt alles unterordnet. Dabei pendelt ihr Roman zwischen tiefer Trauer und innerer Unruhe, die nur darauf wartet in einem emotionalen Sturm zu m\u00fcnden. Werden sich die Bewohner gegen den drohenden Niedergang wehren? Annika Scheffel gelingt es sehr gekonnt den Unmut und die Hilflosigkeit der Bewohner einzufangen, w\u00e4hrend eine Gruppe von Gesellschaftern ihren Ort vermisst. Das Dorf liegt n\u00e4mlich unterhalb eines Sees und in Zukunft soll hier ein gro\u00dfes Erholungsgebiet aus dem Boden schie\u00dfen. Dabei treffen wir auf die \u00fcblichen Figuren in einem typischen Dorf: den B\u00fcrgermeister, den Postboten, den B\u00e4cker. Nun sollen sie alle entsch\u00e4digt werden. Aber wie entsch\u00e4digt man jemanden f\u00fcr die eigene Existenz? Annika Scheffel gelingt mit \u201eBevor alles verschwindet\u201c ein wunderbar poetisches, wie auch skurriles Werk, das man unbedingt gelesen haben sollte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-11219\" title=\"0992_01_SU_Albig_Ueberdog.indd\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/jorg-uwe-albig.jpg\" alt=\"0992_01_SU_Albig_Ueberdog.indd\" width=\"180\" height=\"271\" \/>\/\/ Der Bremer Autor <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">J\u00f6rg-Uwe Albig<\/strong> erz\u00e4hlt uns in seinem neuen Roman eine ziemlich absurde Geschichte \u00fcber die Welt der High Society, die einen von Seite zu Seite mehr in ihren Bann zieht. Stella, die Protagonistin seines Romans, verl\u00e4sst n\u00e4mlich den roten Teppich des Showgesch\u00e4fts, als sie eines Tages \u00fcber eine Gruppe Obdachloser stolpert, welche sich im Hochglanzviertel verirrt haben. Ihnen folgt die Protagonistin fortan in eine ihr bis dahin v\u00f6llig fremde Welt und entdeckt dadurch auch eine Seite an sich, welche ihr bis dato v\u00f6llig fremd gewesen ist. Der Autor h\u00e4lt mit seinem Werk auch der heutigen Gesellschaft einen Spiegel vor, indem er die Grenzen zwischen oben und unten verwischt. \u201eUeberdog\u201c ist ein faszinierendes Buch \u00fcber unsere Gesellschaft, das sich in poetischen S\u00e4tzen an unserem Alltag abarbeitet: \u201eAn einem sonnigen Tag voller Wind sa\u00df ich in einem Caf\u00e9 am Schulterblatt\u201c hei\u00dft es zu Beginn des dritten Kapitels. Und weiter: \u201eIch schloss die Augen. Der Wind wehte Bilder \u00fcber das Meer wie Hochdruckgebiete, Bilder von Rasenfl\u00e4chen, Pilzk\u00f6pfen und \u00fcberm\u00fctigen Frauen in kurzen Hosen. Der Wind k\u00fchlt meine Herzseite, die Sonne heizte meine Milz\u201c. J\u00f6rg-Uwe Albig gelingt es in seinem Roman fast beil\u00e4ufige Momente mit Spannung aufzuladen und so m\u00f6chte man seinen Roman auch nicht wieder zur Seite legen, bis die letzten Zeilen des Buchs einen wieder in das wirklich Leben (oder das, was wir daf\u00fcr halten) zur\u00fcck schubsen. <span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-11220\" title=\"doebling\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/doebling.jpg\" alt=\"doebling\" width=\"204\" height=\"330\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/doebling.jpg 526w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/doebling-185x300.jpg 185w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/>\/\/ Der langj\u00e4hrige \u201eRolling Stone\u201c und \u201eTip\u201c-Autor <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Wolfgang Doebeling<\/strong> pr\u00e4sentiert uns in der Zwischenzeit einen bunten Mix seiner besten Interviews mit den Gr\u00f6\u00dfen im Showgesch\u00e4ft. In seinem Werk \u201ePleased To Meet You\u201c kommen unter anderem so renommierte K\u00fcnstler wie David Bowie, Mick Jagger oder Paul McCartney zu Wort. Das Sch\u00f6ne an seinen Interviews aber ist, dass der Autor nicht nur das klassische Frage-Antwort-Spiel durchdekliniert, sondern wirkliche Gespr\u00e4che mit seinem jeweiligen Gegen\u00fcber f\u00fchrt. Da er auf \u00fcber tausend gef\u00fchrte Interviews zur\u00fcckgreifen kann, bekommen wir hier also die Creme-de-la-Creme seines Schaffens pr\u00e4sentiert und erfahren auf diese Weise einige spannende Anekdoten aus dem Leben der einzelnen Musiker. In seinem Buch konzentriert er sich dabei vorwiegend auf die britische Musik der 50er und 60er Jahre, deren Musik auch heute noch aufgrund zahlreicher Re-Releases im hellen Licht erstrahlt. So kommen neben den drei vorab genannten auch der wunderbare Elvis Costello, Ray Davies von den Kinks und Keith Richards zu Wort. Wer sich also gerne mal auf eine literarische Zeitreise begeben m\u00f6chte und auf Gespr\u00e4che abseits des \u00fcblichen Business-Bla-Blas steht, sollte unbedingt mal reinschauen. Es lohnt sich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-11221\" title=\"palacio\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/palacio.jpeg\" alt=\"palacio\" width=\"174\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/palacio.jpeg 274w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/palacio-195x300.jpg 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/>\/\/ In dem Roman \u201eWunder\u201c von <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Raquel J. Palacio<\/strong> dreht sich derweil alles um einen zehnj\u00e4hrigen Jungen namens August, der mit seiner Familie in New York lebt. Nachdem er als Kind mehrmals im Gesicht operiert wurde, wird der junge Mann erst in der f\u00fcnften Klasse eingeschult und sieht sich nach seiner Ankunft in der Schule auf einmal mit den komischen Blicken seiner Klassenkameraden konfrontiert. Sie behandeln August fortan wie einen Auss\u00e4tzigen, weil sie verunsichert sind von seinem \u00c4u\u00dferen, dabei m\u00f6chte der junge Mensch doch eigentlich nur eins: ein ganz normales Leben f\u00fchren. Der Autorin gelingt es in diesem Zusammenhang die Geschichte von August mit derma\u00dfen viel Wortwitz und Hingabe zu erz\u00e4hlen, dass man schon nach wenigen Seiten gefesselt ist von ihrem Werk, das im wahrsten Sinne des Wortes ein kleines literarisches \u201eWunder\u201c darstellt. In diesem Zusammenhang werden nicht nur so wichtige Themen wie Toleranz und Integration angesprochen, man bekommt auch eine spannende Geschichte \u00fcber das Heranwachsen eines jungen Menschen pr\u00e4sentiert, welche vor klugen S\u00e4tzen nur so strotzt. Es lohnt sich also mal reinzuschnuppern in dieses Werk. Und wir verabschieden uns erst mal f\u00fcr heute. Lasst es euch gutgehen. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde.<\/p>\n<p><em>\/\/ verfasst von Alexander Nickel-Hopfengart<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit B\u00fcchern von Jonas Engelmann, Annika Scheffel, J\u00f6rg-Uwe Albig, Wolfgang Doebeling und Raquel J. Palacio. \/\/ Wer auf anspruchsvolle Kulturmagazine in ansprechender Verkleidung steht, der kommt an dem Pop-Magazin \u201eTestcard\u201c bereits seit mehreren Jahren nicht mehr vorbei. Das halbj\u00e4hrlich-ver\u00f6ffentlichte \u201eHeft\u201c erscheint nicht nur in Buchform, es ist auch mit einer ganzen Menge interessanter Artikel gespickt. 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