{"id":11350,"date":"2013-03-13T17:41:08","date_gmt":"2013-03-13T16:41:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=11350"},"modified":"2013-03-13T17:42:11","modified_gmt":"2013-03-13T16:42:11","slug":"aufgelesen-vol-77-unter-beruffspitzern-wird-heftig-diskutiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=11350","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 77 &#8211; &#8222;die banalit\u00e4t der architektur&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">mit B\u00fcchern von Anne Waak &amp; Max Dax, Colin MacInnes, Jenny Lawson, Pablo Tusset und David Rees.<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11351 alignright\" title=\"spex\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/spex.jpg\" alt=\"spex\" width=\"199\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/spex.jpg 288w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/spex-205x300.jpg 205w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/>\/\/ Es freut uns immer wieder, wenn renommierte Zeitschriften ihre besten Beitr\u00e4ge in Form eines schicken Buches ver\u00f6ffentlichen. Nach etwas mehr als drei Jahrzehnten hat sich nun auch die Musik-Zeitschrift \u201eSpex\u201c dazu entschieden, einen Rundumschlag ihres bisherigen Schaffens zwischen zwei stabile Pappdeckel zu pressen. In \u201eSpex \u2013 Das Buch\u201c finden sich \u201e33 1\/3 Jahre Pop\u201c \u2013 bestehend aus 73 Texten, die es am Ende in den schlicht gestalteten W\u00e4lzer geschafft haben und allesamt zwischen 1980 und 2012 erschienen sind.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><span style=\"mso-bidi-font-style: italic;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p>Die beiden Herausgeber <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Anne Waak<\/strong> und <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Max Dax<\/strong> haben keinerlei Kosten und M\u00fchen gescheut und im Rahmen ihrer Recherche zahllose (zeitlose) Texte von Jens Balzer bis Diedrich Diederichsen,<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Uwe Viehmann, Hans Nieswandt, Sandra und Kerstin Grether, Tobias Rapp, Dietmar Dath und Jutta Koether von ihrer Staubschicht zu befreien und noch einmal im neuen Licht erscheinen zu lassen.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>In jedem Jahr bekommt man passend dazu die jeweiligen Albumcharts pr\u00e4sentiert, genauso wie eine einzigartige Magazin-Galerie, welche alle bis dato ver\u00f6ffentlichen<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Covermotive in sich vereint. Wenn du jetzt auch neugierig darauf bist, was Peter B\u00f6mmels 1980 zum Thema Joy Division zu sagen hatte oder dich differenziert mit den Themen \u201eNorthern Soul\u201c oder \u201eIndie\u201c-Musik auseinander setzen m\u00f6chtest, bis du bei der \u201eSpex\u201c an der richtigen Adresse. Zahlreiche Specials zu den Beastie Boys, My Bloody Valentine, Oasis, Blumfeld oder Arcade Fire gibt\u2019s nat\u00fcrlich inklusive. Also zuschlagen bitte. Es lohnt sich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-11352\" title=\"absolute-beginners\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/absolute-beginners.jpg\" alt=\"absolute-beginners\" width=\"238\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/absolute-beginners.jpg 348w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/absolute-beginners-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 238px) 100vw, 238px\" \/>\/\/ Wer eine Zeitreise ins London der 50er Jahre absolvieren m\u00f6chte, der sollte mal in den Klassiker \u201eAbsolute Beginners\u201c von <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Colin MacInnes<\/strong> hinein schauen. Mit dem zweiten Teil seiner \u201eLondon\u201c-Trilogie (die B\u00e4nde \u201eCity Of Spades\u201c und Mr. Love And Justice\u201c sind hierzulande leider nur als Import zu bekommen) hat der Londoner den ultimativen Roman zur Mod-Kultur ver\u00f6ffentlicht und der liegt nun endlich als Neu-\u00dcbersetzung im \u201eMetrolit\u201c-Verlag vor.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>In dem Buch dreht sich alles um einen namenlosen Protagonisten, der im London der 50er aufw\u00e4chst. Er verbringt seine Abende in den Jazz-Kneipen von Soho bis Notting Hill und z\u00e4hlt zu den so genannten \u201eYoungsters\u201c. Passend dazu rauschen die Hauptperson und seine Kumpels mit Motorrollern durch die Stadt und legen sich mit den rivalisierenden Teds an. Dar\u00fcber hinaus spielt in \u201eAbsolute Beginners\u201c aber vor allem die Musik eine gro\u00dfe Rolle. Die Figuren achten pingelig darauf sich vom gesellschaftlichen Mainstream abzugrenzen und das sowohl in musikalischer, als auch in stilistischer Hinsicht auszudr\u00fccken. Im Laufe des Romans kommt es dann allerdings zu rassistischen Unruhen (den so genannten \u201eNoting Hill Riots\u201c), die zu einer ganzen Reihe von Festnahmen f\u00fchren. Dem Autor gelingt es in diesem Zusammenhang nicht nur sehr gut, ein glaubw\u00fcrdiges Bild der damaligen Generation zu zeichnen, sondern das Ganze auch in zeitgeschichtlicher Hinsicht zu thematisieren. Wer sich also etwas intensiver mit der Geschichte der \u201eMod\u201c-Kultur auseinander setzen m\u00f6chte, kommt an diesem Standard-Werk nicht vorbei.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-11353\" title=\"jenny-lawson\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/jenny-lawson.jpg\" alt=\"jenny-lawson\" width=\"236\" height=\"359\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/jenny-lawson.jpg 348w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/jenny-lawson-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/>\/\/ Wenn schon <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Jenny Lawson<\/strong>s Friseur empfiehlt, dass wir mal in das Werk der Schriftstellerin reinschauen sollen, dann wollen wir das nat\u00fcrlich gerne tun. Der werte Herr mit der Schere h\u00f6rt schlie\u00dflich auf den Namen Jesus und deshalb wohnt seiner Aussage \u201eGrandios abgefuckt und anbetungsw\u00fcrdig verrucht\u201c schon der Geschichte wegen etwas leicht Prophetisches inne. Im Grunde genommen macht sich die Autorin in \u201eDas ist nicht wahr, oder?\u201c daran, die Grenzen zwischen dem Privatleben und der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung vollkommen zu verwischen. Sie spricht einfach mal aus, was sie denkt und eckt dabei in vielerlei Hinsicht ganz ordentlich an. Parallel dazu ist die Autorin allerdings auch ein sehr liebenswerter Mensch, was wiederum dazu f\u00fchrt, dass man sich als Leser selbst immer wieder dabei ertappt, die Spiegelschrift seines eigenen Daseins in der einen oder anderen Situation wieder zu entdecken. Viel wichtiger aber ist: man schmei\u00dft sich bisweilen immer wieder Weg vor Lachen, wenn die Autorin aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen plaudert und uns ihre verdrehten Geschichten pr\u00e4sentiert. So erz\u00e4hlt sie von Einkauftouren ihres Mannes, bei denen der sich mal eben Bundesstaat-technisch verf\u00e4hrt, weil er die falsche Abzweigung genommen hat oder von Stanley, dem sprechenden Eichh\u00f6rnchen.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Jenny Lawson versteht es dabei sehr gut, der eigenen Selbst-Entbl\u00f6\u00dfung mit einer Portion ironischen Charme zu kontrastieren, was jede noch so verr\u00fcckte Episode zu einer \u00e4u\u00dferst humorvollen Angelegenheit macht.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-11354\" title=\"tusset\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/tusset.jpg\" alt=\"tusset\" width=\"206\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/tusset.jpg 257w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/tusset-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/>\/\/ In fiktionalen Gefilden wildert der aktuelle Roman des spanischen Autors <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Pablo Tusset<\/strong>. In \u201eOxford 7\u201c erz\u00e4hlt er uns von einer futuristischen Gesellschaft, die sich mit dem altbekannten Problem der totalen \u00dcberwachung auseinander setzt. Die drei Protagonisten Mam\u00b4zelle BB und Marcuse haben keine Lust mehr auf der extraterrestrischen Universit\u00e4t \u201eOxford 7\u201c zu studieren und treten die Flucht in Richtung Erde an. Dadurch m\u00f6chten sie auch den stetigen Kontrollen entkommen, denen sie sich von Seiten zahlreicher Gro\u00dfunternehmen ausgeliefert sehen. Zusammen mit dem Haudegen Rick machen sie sich schlie\u00dflich mit einem Shuttle auf in Richtung alte Heimat und haben nur ein Ziel vor Augen: sie wollen nach Barcelona und dadurch den F\u00e4ngen der Marken-dominierten Gesellschaft entkommen. Ob ihnen das ambitionierte Unterfangen gelingt? Und was Franz von Assisi mit der ganzen Geschichte zu tun hat? Am besten du findest es selbst heraus. Pablo Tusset gelingt mit seinem Roman ein herrlich-absurdes Werk \u00fcber die Folgen eines totalit\u00e4ren Systems. Und so darf man seinen Roman auch als Mahnung f\u00fcr unsere heutige Gesellschaft verstehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-11355\" title=\"rees\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/rees-217x300.jpg\" alt=\"rees\" width=\"217\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/rees-217x300.jpg 217w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/rees-741x1024.jpg 741w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/rees.jpg 1086w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/>\/\/ Sich 220 Seiten lang mit dem Spitzen eines Bleistifts auseinander zu setzen, klingt erst einmal nach einer \u00e4u\u00dferst \u00f6den Angelegenheit. Der Schriftsteller <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">David Rees<\/strong> aber versteht es sehr gekonnt, sich in dieses wagemutige Unterfangen zu st\u00fcrzen. So sieht man sich als Leser nicht nur mit den zahllosen M\u00f6glichkeiten des Spitzens konfrontiert, welche vom Taschenmesser \u00fcber den Kurbelspitzer bis hin zur pers\u00f6nlichen Willenskraft reichen, der Autor bringt einen auch mit seinen wahnwitzigen Erl\u00e4uterungen immer wieder ins Schmunzeln. Mit zahlreichen Fotostrecken wird dar\u00fcber hinaus daf\u00fcr gesorgt, dass in der Praxis auch jeder noch so absurde Versuch fachgerecht von einem Bleistift-Laien umgesetzt werden kann. Am Ende des Buches ist man als Leser einfach nur paff. Wie macht der Kerl das nur? So ein verr\u00fccktes Thema auf solch epische Weise vor einem auszubreiten, ohne dass dabei auch nur eine Sekunde lang Langeweile aufzukommen droht. Wir empfehlen euch deshalb: \u201espitzt\u201c am besten selbst mal rein. Es lohnt sich. Und damit Schluss f\u00fcr heute. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit B\u00fcchern von Anne Waak &amp; Max Dax, Colin MacInnes, Jenny Lawson, Pablo Tusset und David Rees. \/\/ Es freut uns immer wieder, wenn renommierte Zeitschriften ihre besten Beitr\u00e4ge in Form eines schicken Buches ver\u00f6ffentlichen. 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