{"id":12248,"date":"2013-09-20T17:07:08","date_gmt":"2013-09-20T16:07:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=12248"},"modified":"2013-09-20T17:09:49","modified_gmt":"2013-09-20T16:09:49","slug":"aufgelesen-vol-93-wertungen-sind-ihrer-natur-nach-nie-analytisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=12248","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. 93 &#8211; &#8222;wertungen sind ihrer natur nach nie analytisch&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">mit B\u00fcchern von Nicola Karlsson, Sven Regener, Ernst Haffner, Oscar Coop-Phane und Enno Stahl. <\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-12249\" title=\"tessa\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/tessa.jpg\" alt=\"tessa\" width=\"199\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/tessa.jpg 255w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/tessa-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/>\/\/ Wer sich f\u00fcr glaubw\u00fcrdige Generationen-Portraits interessiert, der kommt an dem aktuellen Werk von <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Nicola Karlsson<\/strong> nicht vorbei. \u201eTessa\u201c ist ein literarisches Deb\u00fct, das einem noch Tage sp\u00e4ter im Kopf herumschwirrt. Das Buch erz\u00e4hlt von einer auf sich selbst fixierten Gesellschaft, die es als \u00e4u\u00dferst wichtig erachtet, was all die Gleichaltrigen da drau\u00dfen eigentlich f\u00fcr eine Meinung \u00fcber sie hat. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau namens Tessa, die St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck die Kontrolle \u00fcber ihr eigenes Leben verliert.<\/p>\n<p class=\"MsoNoSpacing\"><span style=\"mso-bidi-font-style: italic;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p>Erst sind es nur ein paar Beruhigungstabletten in Kombination mit dem einen oder andere Glas Alkohol. Dann aber schlittert sie immer tiefer in den Abgrund und merkt schlie\u00dflich, dass sie schon mitten drin steckt in dieser Sache, die gemeinhin als Depression bezeichnet wird. Der Autorin gelingt es in diesem Zusammenhang eine polarisierende Protagonistin zu erschaffen, die an ihrer eigenen Unsicherheit zu zerbrechen droht. Zudem strotzt ihr Roman nur so vor poetischen S\u00e4tzen, die einen in einen Sog der Emotionen rei\u00dfen. Ihr solltet euch dieses packende Deb\u00fct also auf keinen Fall entgehen lassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12250\" title=\"regener\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/regener.jpg\" alt=\"regener\" width=\"189\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/regener.jpg 256w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/regener-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/>\/\/ Jaja, so ist das eben manchmal im Leben. Unverhofft kommt oft. Und weil man sich dessen eigentlich schon immer bewusst gewesen ist, findet man sich auch schon nach wenigen Seiten in dem aktuellen Werk von Bestseller-Autor <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Sven Regener<\/strong> wieder, der mit \u201eMagical Mystery oder: Die R\u00fcckkehr des Karl Schmidt\u201c einen neuen, \u00e4u\u00dferst lesenswerten Roman aus dem \u00c4rmel sch\u00fcttelt.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Die Geschichte selbst dreht sich um eben jenen, im Titel bereits erw\u00e4hnten Protagonisten, der am Tag der Mauer\u00f6ffnung Opfer eines Nervenzusammenbruchs wird. Ein paar Jahre sp\u00e4ter entdecken ihn ein paar alte Kumpels in einer Drogen-Einrichtung in Hamburg und kommen auf die fixe Idee, ihn als Partner mit ins Boot zu holen. Sie wollen n\u00e4mlich eine gro\u00df angelegte Techno-Tour durch Deutschland starten und brauchen jemand, der alle Sinne beieinander hat, w\u00e4hrend die fette Party \u00fcber die B\u00fchne geht. Wer also w\u00fcrde sich da besser eigenen, als ein Ex-Junkie, der keinerlei Interesse daran hat, einen R\u00fcckfall zu erleiden. Karl jedenfalls l\u00e4sst sich drauf ein und m\u00f6chte endlich ins echte Leben zur\u00fcckfinden. Ob ihm das gelingt oder ihn der ganze Mist von fr\u00fcher doch noch einmal einholt? Sven Regener gelingt es mit seinem Werk eine verquere Geschichte derma\u00dfen liebevoll zu erz\u00e4hlen, das man schon nach wenigen Seiten nicht mehr aufh\u00f6ren mag zu lesen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-12257\" title=\"haffner1\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/haffner1.jpg\" alt=\"haffner1\" width=\"197\" height=\"303\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/haffner1.jpg 348w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/haffner1-195x300.jpg 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/>\/\/ Bereits im Jahre 1932 ist der Roman \u201eBlutbr\u00fcder\u201c erstmals erschienen und wird nun \u2013 dem \u201eMetrolit\u201c-Verlag sei Dank \u2013 noch einmal in einer neuen Auflage ver\u00f6ffentlicht. Das Werk von <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Ernst Haffner<\/strong> dreht sich um eine Gruppe von obdachlosen Jugendlichen, die sich Anfang der 30er Jahre daran versuchen, in den Stra\u00dfen Berlins nicht unter die R\u00e4der zu kommen. Die so genannten \u201eBlutsbr\u00fcder\u201c pennen nicht nur in maroden Quartieren, sondern pendeln auch zwischen Kneipen und Bahnhofshallen hin und her. Dar\u00fcber hinaus scheint ihnen nur die Wahl zwischen Gef\u00e4ngnis und F\u00fcrsorgeanstalt offen zu stehen, aber unterkriegen lassen sie sich davon trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil. Trotzig bahnen sie sich ihren Weg durch die Stra\u00dfenschluchten der Stadt und finden sich in einem kriminellen Umfeld wieder, das kein Pardon kennt. Dem Autor gelingt es in diesem Zusammenhang ein \u00e4u\u00dferst authentisches Bild<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>seiner Zeit zu zeichnen und so freut man sich am Ende nur umso mehr, diesen literarischen Schatz nach all den Jahren wieder in den H\u00e4nden halten zu d\u00fcrfen. Wenn du also auch wissen m\u00f6chtest, wie das damals so war, schnapp dir diesen \u201eBerliner Cliquenroman\u201c. Es lohnt sich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12252\" title=\"oscar\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/oscar.jpg\" alt=\"oscar\" width=\"256\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/oscar.jpg 256w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/oscar-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/>\/\/ Ebenfalls in Berlin spielt die Geschichte des Autors <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Oscar Coop-Phane<\/strong>, der von Fr\u00e9d\u00e9ric Beigbeder schon als die literarische Entdeckung des Jahres gefeiert wird. In \u201eBonjour Berlin\u201c konzentriert er sich voll und ganz auf den Moment der Ekstase. Er inszeniert die B\u00fchne Berlin als Sehnsuchtsort, den man unbedingt erreichen m\u00f6chte und ist man erst mal dort angekommen, auch nicht so schnell wieder verlassen m\u00f6chte. Der Autor selbst spricht in diesem Zusammenhang aus Erfahrung. Er stammt n\u00e4mlich selbst nicht aus Berlin, sondern aus Paris. Dort aber nervt ihn die K\u00e4lte und die Gesch\u00e4ftigkeit und so entscheidet er sich in Berlin ein neues Leben zu beginnen. Als Neuer taucht er ein in die Clubs, die Kulturszene und das Leben zwischen Drogenexzess und Weltschmerz. Heraus kommt ein Werk, das einen unmittelbar auf eine Reise mitnimmt und daf\u00fcr sorgt, dass man schon nach wenigen Seiten selbst einen Abstecher in Richtung Hauptstadt absolvieren m\u00f6chte. Wenn du also auf popkulturelle Literatur am Puls der Zeit stehst, solltest du dir dieses Werk auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen. Wir jedenfalls haben seit Airens \u201eStrobo\u201c und Ju Innerhofers \u201eDie Bar\u201c nichts Berauschenderes mehr gelesen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-12253\" title=\"enno\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/enno-206x300.jpg\" alt=\"enno\" width=\"206\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/enno-206x300.jpg 206w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/enno-705x1024.jpg 705w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/enno.jpg 1033w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/>\/\/ Der Duisburger Autor <strong style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Enno Stahl<\/strong>, seines Zeichens studierter Germanistiker und Philosoph, wagt sich in seinem Werk \u201eDiskurspogo\u201c zu guter Letzt an die diffizile Fragestellung heran, warum realistische Literatur eigentlich oft ein wenig wirklichkeitsfern ist. Im Rahmen dreier aufschlussreicher Kapitel widmet er sich der deutschen Literatur unserer Zeit und nimmt dabei unter anderem die Werke von Christian Kracht und Juli Zeh unter die Lupe. In diesem Zusammenhang konfrontiert er einen als Leser nicht nur mit provokanten, durchaus diskutablen Thesen, er fordert auch mehr Engagement von den Autoren, sich mit gegenw\u00e4rtigen, gesellschaftlichen Themen auseinander zu setzen. So ist sein Werk, welches mit dem Untertitel \u201e\u00dcber Literatur und Gesellschaft\u201c versehen ist, \u00e4u\u00dferst spannend zu lesen und regt im Anschluss zum Nachdenken \u00fcber fragw\u00fcrdige Kategorien, wie \u201ePopkultur\u201c oder die Zusammenh\u00e4nge zwischen \u201eLiteratur und Terror\u201c an.<span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span>Wenn du also auf Literatur stehst, die sich intensiv mit sich selbst auseinander setzt, kommst du an diesem Werk nicht vorbei. Und damit Schluss f\u00fcr heute. Bis zur n\u00e4chsten Leserunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit B\u00fcchern von Nicola Karlsson, Sven Regener, Ernst Haffner, Oscar Coop-Phane und Enno Stahl. \/\/ Wer sich f\u00fcr glaubw\u00fcrdige Generationen-Portraits interessiert, der kommt an dem aktuellen Werk von Nicola Karlsson nicht vorbei. \u201eTessa\u201c ist ein literarisches Deb\u00fct, das einem noch Tage sp\u00e4ter im Kopf herumschwirrt. 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