{"id":1871,"date":"2008-11-06T15:02:17","date_gmt":"2008-11-06T14:02:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1871"},"modified":"2009-01-09T14:24:39","modified_gmt":"2009-01-09T13:24:39","slug":"ein-quantum-trost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1871","title":{"rendered":"\/\/ der neue bond ist da!"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/bond1.jpg\" alt=\"bond\" \/><\/p>\n<p>Der neuste Bond \u00fcberdehnt die St\u00e4rken seines Vorg\u00e4ngersAm Ende sind sie alle verstummt, die Kritiker des ersten blonden Bond Daniel Craig. \u201eCasino Royale\u201c, der erfolgreiche Reboot des langlebigsten Action-Franchises aller Zeiten, machte einfach zu viel richtig als das man noch meckern durfte: Er war ruhig, wenn er ruhig sein sollte und schnell wenn es passte. Er bot beides: psychologische Charakterspiele und spektakul\u00e4rste, echte und k\u00f6rperliche Action. Und Daniel Craig sah zwar aus wie ein Gorilla im Smoking, verlieh Bond aber eine neue rotzige Erdigkeit und so etwas wie eine Seele, die zum Zeitgeist passte und damit auch einfach mal was Neues war.In der Folge begegnet man immer wieder dem gleiche Gedankengang, der immer wieder ins Leere l\u00e4uft: Die Zuschauer mochten es, lasst uns mehr davon machen. K\u00fcmmert euch nicht um Besser, wir brauchen nur Mehr. Mehr Psychologie und Gerede, mehr ultraschnelle harte Actionszenen und mehr Charakterentwicklung und Figurenkontinuit\u00e4t. Flugs wurde wieder Hollywoods Drehbuchdoktor Nummer 1, Paul Haggis (\u201eMillion Dollar Baby\u201c), an Bord geholt und ein f\u00fcr seine psychologische Weisheit bekannter Regisseur angeheuert: Marc Forster (\u201eMonster\u2018s Ball\u201c, \u201eWenn Tr\u00e4ume fliegen lernen\u201c).<!--more--> Das Drehbuch des Films baut direkt auf \u201eCasino Royale\u201c auf, schlie\u00dft quasi nahtlos an die letzte Szene in Italien an. Die Vortitelsequenz ist eine schnelle Autoverfolgungsjagd in den Alpen, denn Bond hat ja bekannterweise Mr. White gefangen genommen. Der jedoch hat seine Agenten \u00fcberall. Er entkommt und Bond muss ihn fortan jagen, schlie\u00dflich will er Vergeltung f\u00fcr Vesper. Eine Spur f\u00fchrt ihn nach Haiti, wo er auch die feurige Camille (Olga Kurylenko) und \u00fcber Umwege den \u00d6ko-Million\u00e4r Dominic Greene (Mathieu Amalric) kennen lernt. Greene macht Gesch\u00e4fte mit einem bolivianischen General, den er mit Hilfe des CIA zur Macht putschen will. Im Gegenzug verlangt er nur ein scheinbar belangloses St\u00fcck W\u00fcste. Bevor es nat\u00fcrlich in eben dieser W\u00fcste zu einem explosiven Showdown kommen kann, muss Bond noch nach Bregenz, in die Toskana und nach La Paz reisen, seine eigenen Rachegel\u00fcste unterdr\u00fccken, sich mit M zoffen und aufdecken, dass Greene \u2013 gemeinsam mit White \u2013 Teil einer weltumspannenden, gef\u00e4hrlichen Organisation namens Quantum ist \u2013  daher auch der merkw\u00fcrdige Titel.Bond Nummer 22 ist modernes Actionkino, so viel steht fest.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/bond3.jpg\" alt=\"bond3\" \/><\/p>\n<p>Es macht alles genau so, wie es im Buche steht, hat aber vergessen, warum es dort urspr\u00fcnglich mal aufgeschrieben wurde. Statt plumper Gut-B\u00f6se-Konstellationen gibt es hier ein Netz aus Intrigen, in denen hinter jeder Ecke eine Falle lauern k\u00f6nnte, und das sich sehr eng an die wahren Sorgen der momentanten Zeit, in diesem Falle \u00f6kologische Ressourcen, anlehnt. Dumm nur, wenn der Film in Konsequenz seine Figuren wie Schachfiguren auf einem Brett hin und her schiebt, auf dem sie nur eine Aufgabe erf\u00fcllen und dann sterben d\u00fcrfen. Statt dumpfer Krachbumm-Action bietet der neueste Bond flotte, viszerale Stra\u00dfenschlachten, teilweise eins zu eins aus \u201eDas Bourne-Ultimatum\u201c \u00fcbernommen, und k\u00fcnstlerisch-\u00e4sthetisch aufgel\u00f6ste Extremsituationen, die allerdings so wahnwitzig schnell und un\u00fcbersichtlich geschnitten sind, das man als Zuschauer gar nicht mehr wei\u00df, wer sich eigentlich wo befindet und was er dort gerade tut. Intelligente Einf\u00e4lle (wie die Verfolgungsjagd zu Fu\u00df in \u201eCasino Royale\u201c) sucht man dar\u00fcber hinaus vergebens: Es sind seine Actionszenen, in denen \u201eEin Quantum Trost\u201c am wenigsten funktioniert. Und so k\u00f6nnen ihn auch seine oft genug brillant aufgezogenen Dialogszenen, guten Schauspieler, pyschologischen Raffinessen und Ankn\u00fcpfungen an den Vorg\u00e4nger (ohne dessen Kenntnis der Film eigentlich nicht zu verstehen ist) nicht aus dem Sumpf ziehen. Zu sehr wirkt er wie ein \u00fcberspannter Bogen, der einem beim Abschie\u00dfen nach hinten losgeht. Zu sehr hat er au\u00dfer acht gelassen, was au\u00dferdem noch wichtig ist bei einem Bondfilm: ein bisschen \u00fcbermenschlicher Wagemut n\u00e4mlich. Denn manchmal ist ein Quantum Trost einfach nicht genug.\/\/ von alex gajic\/\/ 5 von 10 Zuckerli<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der neuste Bond \u00fcberdehnt die St\u00e4rken seines Vorg\u00e4ngersAm Ende sind sie alle verstummt, die Kritiker des ersten blonden Bond Daniel Craig. \u201eCasino Royale\u201c, der erfolgreiche Reboot des langlebigsten Action-Franchises aller Zeiten, machte einfach zu viel richtig als das man noch meckern durfte: Er war ruhig, wenn er ruhig sein sollte und schnell wenn es passte. 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