{"id":19034,"date":"2017-03-30T18:32:48","date_gmt":"2017-03-30T17:32:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=19034"},"modified":"2017-03-30T19:09:23","modified_gmt":"2017-03-30T18:09:23","slug":"aufgelesen-vol-173-fursorge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=19034","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (1)73 &#8211; &#8222;f\u00fcrsorge&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNoSpacing\"><em>mit neuen B\u00fcchern von Marlon James, Julya Rabinowich, Markus Binder, Anke Stelling und Tim Mohr. <\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-19035\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/marlon-james.jpg\" alt=\"marlon-james\" width=\"199\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/marlon-james.jpg 407w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/marlon-james-196x300.jpg 196w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/>\/\/ \u00dcber Bob Marley wurden schon zahllose Werke ver\u00f6ffentlicht, aber kaum eines erreicht die Qualit\u00e4t des nun erscheinenden, fast 900-seitigen Mammut-Buchs &#8222;Eine kurze Geschichte von sieben Morden&#8220;. <strong>Marlon James<\/strong>, der als Sohn zweier Polizeibeamter im Jahre 1970 das Licht der Welt erblickte, richtet seinen Blick darin auf das Jamaika des Jahres 1976. Damals drangen sieben bewaffnete M\u00e4nner in das Haus der Reggae-Legende ein und begannen zu feuern. Marleys Manager wirft sich noch dem Kugelhagel entgegen, um seinen Klienten zu sch\u00fctzen und auch Marleys Frau erleidet schwere Verletzungen. Ausgehend von diesem Attentat macht sich der Werbetexter und Grafikdesigner daran noch einmal die Hintergr\u00fcnde aufzudecken und dabei ein konkretes Stimmungsbild der damaligen Zeit zu entwerfen. <!--more-->Selten hat ein Autor die Verh\u00e4ltnisse in Jamaika in den 70er und 80er Jahren so bildgewaltig, detailliert und nachvollziehbar ins Literarische \u00fcberf\u00fchrt und so sind wir auch nicht allzu verwundert, dass James f\u00fcr seinen Roman mit dem \u201eMan Booker Price 2015\u201c ausgezeichnet wurde. Worauf also wartet ihr noch. Schnappt euch dieses epische Werk. Es lohnt sich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-19036\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/julya-rabinowich.jpg\" alt=\"Rabinowich_25306_MR1.indd\" width=\"160\" height=\"245\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/julya-rabinowich.jpg 278w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/julya-rabinowich-196x300.jpg 196w\" sizes=\"auto, (max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/>\/\/ Hochaktuell ist auch der tolle neue Roman von <strong>Julya Rabinowich<\/strong>. In \u201eDazwischen Ich\u201c erz\u00e4hlt sie die Geschichte von Madina, die als Fl\u00fcchtling nach Deutschland kommt. Ihre neue Heimat verspricht ihr auf den ersten Blick vor allem Sicherheit. Alles f\u00fchlt sich nach einem neuen Lebensabschnitt an, doch ihre Familie tut sich zunehmend schwer, in Deutschland Anschluss zu finden. Der Vater von Madina zieht sich dabei zunehmend zur\u00fcck und ihre Mutter h\u00fcllt sich in Schweigen. Also liegt es an Madina, die Initiative zu ergreifen und die Dinge zu regeln, die es zu regeln gibt. Sie wird dabei immer mehr zu einer Art Vermittlerin zwischen den Welten. Dass das nicht besonders einfach ist f\u00fcr eine junge Frau im Teenager-Alter, erkl\u00e4rt sich von selbst und doch findet Madina schnell Anschluss und auch in Laura eine beste Freundin, die f\u00fcr sie zum Rettungsanker in einer f\u00fcr sie noch neuen Welt wird. Wer sich gerne in poetischer Sprache verliert, der ist bei dem Roman von Julya Rabinowich an der richtigen Adresse. Sie leuchtet auf spannende Weise das Innenleben ihrer Protagonistin aus und wirft einen Blick auf den Alltag all jener, die vor Terror und Gewalt fl\u00fcchten mussten und dabei ihre Heimat hinter sich lassen mussten. <span style=\"mso-spacerun: yes;\"> <\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-19037\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/markus-binder-211x300.jpg\" alt=\"markus-binder\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/markus-binder-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/markus-binder-723x1024.jpg 723w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/markus-binder.jpg 1068w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/>\/\/ Im \u201eVerbrecher\u201c-Verlag erscheint derweil ein wirklich lesenswertes Werk von <strong>Markus Binder<\/strong>, der vielen von euch vielleicht aufgrund seiner Involvierung bei dem \u00f6sterreichischen Duo Attwenger ein Begriff sein sollte. Mit ihnen hat er nicht nur zahlreiche spannende Volksmusik-Alben ver\u00f6ffentlicht, die jegliche Stilgrenzen \u00fcberschreiten, er hat sich im Jahre 2005 bereits erstmals als Autor versucht und damals das Werk \u201eTestsiegerstra\u00dfe\u201c aus dem \u00c4rmel gesch\u00fcttelt. Nun also steht der Nachfolger namens \u201eTeilzeitrevue\u201c in den Regalen und das Buch wendet sich einem Paar und dessen Beobachtungen zu. 36 Stunden folgen wir ihnen, wie sie sich auf einem Langstreckenflug befinden, die Klubs der City unsicher machen und anschlie\u00dfend mit dem Zug von Stadt zu Stadt d\u00fcsen. Es ist ein ruheloser Text, der nur so strotzt vor spannenden Dialogen und Zitaten. Die Geschichte schreitet dabei nicht klassisch voran, sondern erscheint bisweilen bruchst\u00fcckhaft. Man k\u00f6nnte sagen: chaotisch und ist damit ein exaktes Abbild der Welt, in welcher wir alle leben. Wenn du also mal wieder auf Entdeckungsreise gehen m\u00f6chtest, dann hol dir das Werk.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-19038\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/anke-stelling-208x300.jpg\" alt=\"anke-stelling\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/anke-stelling-208x300.jpg 208w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/anke-stelling.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/>\/\/ Grenzen \u00fcberschritten werden derweil im neuen Roman von <strong>Anke Stelling<\/strong>, die bereits im Jahre 2015 mit ihrem Roman \u201eBodentiefe Fenster\u201c auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand. Nun steht mit \u201eF\u00fcrsorge\u201c ein Buch in den Startl\u00f6chern, das die Leser spalten d\u00fcrfte. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die T\u00e4nzerin Nadja, die nach einer Karriere auf der B\u00fchne nun als Dozentin in einer Ballettschule anheuert. Irgendwie existiert die Protagonistin dabei allerdings zwischen den Welten und findet nicht so recht Zugang zu den Menschen um sich herum. Eines Tages beschlie\u00dft sie ihre Mutter zu besuchen, die auf ihren sechzehnj\u00e4hrigen Sohn Mario aufpasst. Schnell entspinnt sich zwischen Mutter und Sohn dabei ein enges Verh\u00e4ltnis, im Rahmen dessen beide schon bald jegliche Hemmung ablegen. Ihr Umfeld wiederum scheint davon nichts mitzubekommen oder will es ignorieren. Lediglich die namenlose Erz\u00e4hlerin des Werkes ist entsetzt und so bekommt man als Leser ein verst\u00f6rendes Werk pr\u00e4sentiert, in dem sich auch die Einsamkeit unserer Gesellschaft widerspiegelt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-19039\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/tim-mohr-197x300.jpg\" alt=\"tim-mohr\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/tim-mohr-197x300.jpg 197w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/tim-mohr.jpg 409w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/>\/\/ \u00dcber die Punkszene in Ostdeutschland wurden bis dato noch nicht wirklich allzu viele B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht. <strong>Tim Mohr<\/strong> hat sich nun daran gemacht diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen und ver\u00f6ffentlicht mit \u201eStirb nicht im Warteraum der Zukunft \u2013 Die ostdeutschen Punks und der Fall der Mauer\u201c einen spannenden Rundumschlag, der auf 50 verschiedenen Interviews mit den Protagonisten der Szene fu\u00dft. Man bekommt auf diese Weise nicht nur ein differenziertes Bild von der damaligen Zeit und den Geschehnissen vor Ort pr\u00e4sentiert, es werden auch immer wieder sch\u00f6ne Erinnerungen an das Standartwerk \u201eVerschwende deine Jugend\u201c wach. Das Werk allerdings bel\u00e4sst es nicht bei den Erz\u00e4hlungen von Augenzeugen, sondern Tim Mohr hat bei seinen Recherchen auch auf die Akten der Stasi zugegriffen und damit ein bis dato kaum beleuchtetes Thema aufgegriffen. Sein Buch wiederum rei\u00dft einen in einen regelrechten Sog der Emotionen, es kommen die britischen Milit\u00e4rsender zur Sprache, die von West-Berlin gen Osten drangen und von Menschen, die sich schon rein optisch mit L\u00f6chern in den Jeans und Ohrl\u00f6chern von der breiten Masse abhoben. Wenn du also n\u00e4heres erfahren willst \u00fcber eine bewegte Zeit, die auch von der stetigen Angst vor Repressionen gepr\u00e4gt war, dann lass dir diese Geschichte nicht entgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit neuen B\u00fcchern von Marlon James, Julya Rabinowich, Markus Binder, Anke Stelling und Tim Mohr. \/\/ \u00dcber Bob Marley wurden schon zahllose Werke ver\u00f6ffentlicht, aber kaum eines erreicht die Qualit\u00e4t des nun erscheinenden, fast 900-seitigen Mammut-Buchs &#8222;Eine kurze Geschichte von sieben Morden&#8220;. 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