{"id":1958,"date":"2008-11-05T11:07:38","date_gmt":"2008-11-05T10:07:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1958"},"modified":"2008-11-10T13:33:35","modified_gmt":"2008-11-10T12:33:35","slug":"zuckerbeat-volume-36","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=1958","title":{"rendered":"\/\/ zuckerbeat volume 36"},"content":{"rendered":"<p>Zuckerbeat Vol. 36<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/threatmantics.jpg\" alt=\"threatmantics.jpg\" class=\"right\" \/><\/p>\n<p>Manchmal \u00fcberf\u00e4llt einen die Musik ganz hinterr\u00fccks. Die Gitarren kreischen, die verzerrte Stimme s\u00e4gt an den Nerven und doch f\u00fchlt man sich sofort bezaubert von der Wucht der Emotionen, die da auf einen herabregnen. <a href=\"www.myspace.com\/threatmantics - 178k \" target=\"_blank\"><strong>Threatmantics<\/strong> <\/a>aus Neath Valley in Wales haben ein solches Album raus gehauen. <!--more-->Besser gesagt eine Mini-LP. Und sie sie h\u00f6rt auf den sch\u00f6nen Namen \u201eUpbeat Love\u201c. Sie klingt wie eine hymnisch verspielte Hommage an Joy Division. Und sie boxt die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen, wie die Editors und She Wants Revenge mal eben mit links in die Ringecke. Nicht, dass eben genannte Bands wirklich schlecht w\u00e4ren, ganz im Gegenteil \u2013 aber dieses Teil hier. Da flennst du keine Tr\u00e4nen mehr, da spuckst du Blut. Vor allem, wenn sie dich, gerade als du es dir gem\u00fctlich gemacht hast, mit einem The Streets-m\u00e4\u00dfigem Knallbonbon namens \u201eDon\u00b4t Care\u201c wieder bei der Hand nimmt und auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcck zerrt. Herrlich ist das, wie sich hier scheinbar un\u00fcberbr\u00fcckbare Widerspr\u00fcche in ebenso simplen, wie reduzierten, aber dennoch detaillierten Songs aufl\u00f6sen. Wie sich astreine Pophits pl\u00f6tzlich in noisiges Terrain verabschieden. Wie sie mit einem Folklore-Sidekick zum gelungenen Spagat zwischen den Stilen ansetzen. Wie sie hinterher keinen Stein auf den anderen lassen. Und innerhalb von nur acht Songs ein paar fette Spuren in der Poplandschaft hinterlassen. Wie gebannt sitzt man am Ende vor seiner Anlage. Atmet dreimal tief durch. Und dr\u00fcckt ganz zwangsl\u00e4ufig wieder auf die Rotationstaste. Dreht sich zum fantastisch schr\u00e4gen Gesang von \u201eLittle Bird\u201c im Kreis, nur um f\u00fcr einen Moment in bester Metal-Manier seinen Kopf im Takt zu wippen. Dieses Album erzeugt eine Erwartungshaltung, der sich die Band im Laufe ihrer Karriere stellen muss. Und man wird abwarten m\u00fcssen, ob sie dem gewachsen sind. So lange bleiben diese Songs ein Versprechen. Aber ein durchweg Wunderbares. Nach so viel Verz\u00fcckung hat dann der lieb gewonnene <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/nik-freitas.jpg\" alt=\"nik-freitas.jpg\" class=\"right\" \/><strong><a href=\"www.myspace.com\/nikfreitas - 169k\" target=\"_blank\">Nik Freitas<\/a> <\/strong>keinen leichten Stand. Der Musiker, der Conor Oberst auf dessen letzten Tour unterst\u00fctzt hat und dabei auch selbst ans Mikro treten durfte. Er hinterl\u00e4sst auf seinem Soloalbum \u201eSun Down\u201c einen seltsam bl\u00fcmchenhaften Eindruck. Die St\u00fccke sind zweifelsohne gesegnet mit Trampolin-springenden Melodien, driften aber auch gerne mal in eine Palmenstrandatmosph\u00e4re der Marke Jack Johnson ab. Da bleibt dann ganz zwangsl\u00e4ufig ein wenig der Herzschmerz auf der Strecke. Immer wieder w\u00fcnscht man sich, der S\u00e4nger w\u00fcrde einmal seinen Emotionen freien Lauf lassen. Stattdessen \u00fcberl\u00e4sst er der alten Dame Pop den Vortritt. Dabei kann man keineswegs sagen, dass seine Songs besonders einseitig oder noch schlimmer: langweilig w\u00e4ren. In dieser Hinsicht hat er Jack Johnson einiges voraus. Nein \u2013 es ist vielmehr das Gef\u00fchl, dass da noch so viel mehr gehen k\u00f6nnte. Das sich da jemand in letzter Konsequenz seiner wahren Gef\u00fchle eben doch verweigert. Dass er sich lieber ein paar Bl\u00fcmchen ins Haar steckt, anstatt sich durch den Schlamm zu w\u00fchlen. Dass er lieber einen guten Witz rei\u00dfen m\u00f6chte, als sich ernsthaft mit seinen D\u00e4monen auseinander zu setzen. Das ist es, was dieses Album leider von den zeitweise gro\u00dfartigen Ver\u00f6ffentlichungen seines Kumpels Conor Oberst unterscheidet. Auch wenn die Songs nat\u00fcrlich trotzdem Spa\u00df machen, tr\u00f6pfelt hier doch einiges an der Oberfl\u00e4che, das sich eigentlich<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/sly-robbie.jpg\" alt=\"sly-robbie.jpg\" class=\"right\" \/> wie ein einziger Schwall \u00fcber einen ergie\u00dfen sollte. Womit wir uns mal wieder einer verdienten Entspannungs-Kapelle namens Sly &amp; Robbie zuwenden. Die haben zusammen mit dem Soulmusiker Amp Fiddler von Funkadelic ein nostalgisch angehauchtes Soul-Pop-Album ausget\u00fcftelt. Und je l\u00e4nger die Platte so vor sich hin l\u00e4uft, desto \u00f6fter stellt man sich die Frage, ob es sich da jemand nicht allzu einfach macht. Zugegeben. Von einer Kooperation namens <strong><a href=\"www.myspace.com\/ampfiddler - 188k\" target=\"_blank\">Amp Fiddler<\/a> \/ <a href=\"www.myspace.com\/slyandrobbie - 235k\" target=\"_blank\">Sly &amp; Robbie<\/a><\/strong><a href=\"www.myspace.com\/slyandrobbie - 235k\" target=\"_blank\">.<\/a> Da erwartet man nicht unbedingt, dass sie das Rad der Musik um zehn Jahre nach vorne drehen. Aber was auf \u201eInspiration Information\u201c so beil\u00e4ufig an Songs raus gehauen wird, das wirkt manchmal ein bisschen, als w\u00fcrde sich da jemand auf seinen Lorbeeren ausruhen. Mehr \u201eInformation\u201c als \u201eInspiration\u201c ist das. Weshalb der Titel durchaus Programm ist. Ich muss bei der Platte st\u00e4ndig an das letzte Werk von Michael Jackson denken. Wie hie\u00df das noch gleich\u2026? Eben\u2026 und so h\u00e4tte man sich von dieser Fusion dreier brillanter K\u00fcnstler am Ende doch etwas mehr Mut zum Risikomanagement gew\u00fcnscht. Was jetzt nicht hei\u00dfen soll, dass die Scheibe ein Reinfall w\u00e4re. F\u00fcr Fans des beseelten Genres ist sie durchaus zu empfehlen. Bei allen anderen l\u00e4uft sie eben so durch ohne gro\u00df Aufsehen zu erregen. Dann vielleicht doch lieber auf einen Sprung beim <strong><a href=\"www.myspace.com\/johndearmowingclub - 176k\" target=\"_blank\">John Dear<\/a> Mowing Club <\/strong><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/john-dear-mowing-club.jpg\" alt=\"john-dear-mowing-club.jpg\" class=\"right\" \/>vorbei geschaut. Wobei auf dem holl\u00e4ndischen Hinterhof auch allerhand nostalgische Kl\u00e4nge aufgew\u00e4rmt werden. Die Songs balancieren mal mehr, mal weniger gekonnt zwischen den Polen Tom Waits, Bob Dylan und Wilco. Erreichen dabei aber nur selten die Strahlkraft der Originale. Entr\u00fcckte Folk Minimalismen treffen auf pathetische Americana. Was zwischendurch immer wieder die Frage aufwirft, warum sich Mastermind Melle de Boer nicht auf erstere beschr\u00e4nkt. Der Song \u201eRight Here\u201c zum Beispiel klingt wie ein melancholisches \u00dcberbleibsel aus dem alten Bright Eyes- Universum. Und strahlt weitaus heller, als gelegentliche Versuche, sich mit den Gro\u00dfen zu messen. Alles in allem also leider nicht der gro\u00dfe Wurf, dieses Album. Ganz im Gegensatz zur neuen Scheibe von <a href=\"www.myspace.com\/rocktheaudience - 191k\" target=\"_blank\"><strong>The Audience<\/strong><\/a>. Die spielen nicht nur am 31.01. n\u00e4chsten Jahres ein schickes Konzert im Jugendkulturhaus Cairo in W\u00fcrzburg. Die haben nach dem \u00fcber weite Strecken gelungenem Vorg\u00e4nger jetzt auch ein neues Album am Start.<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/the-audience.jpg\" alt=\"the-audience.jpg\" class=\"right\" \/> \u201eDancers And Architects\u201c wirkt dabei mehr denn je, als wolle die Crew dem Sound von The Robocop Kraus eine fette Spritze poppiger Gl\u00fcckseeligkeit injizieren. In bester, beat betonter Post Punk-Attit\u00fcde stampfen sie durch hymnische Tracks, wie \u201ePicture\u00b4s Motion\u201c und \u201eKill The Octaves\u201c und sto\u00dfen damit eine T\u00fcr in Richtung Wohlbefinden auf. Die manchmal etwas schlaffe Produktion des Vorl\u00e4ufers wurde kurzerhand ad acta gelegt. Stattdessen wird einmal dr\u00fcber poliert und schon ist ein St\u00fcck, wie \u201eThe Shy Runner\u201c gar nicht mehr so weit entfernt von Franz Ferdinand (Strophe) und Maximo Park (Refrain). \u00dcberhaupt. Je l\u00e4nger die Scheibe l\u00e4uft umso mehr verliert man sich in diesen tanzbaren, architektonischen Sounds. Man bekommt vielleicht sogar einen Eindruck davon, wo The Robocop Kraus auf ihrem letzten Album h\u00e4tten landen k\u00f6nnen, wenn sie sich nicht in Richtung verschwurbelte Psychedelik verabschiedet h\u00e4tten. Am Ende sind The Audience also definitiv die bessere Alternative f\u00fcr den Ritt unter der Discokugel, als der britische Einheitsbrei a la Harrisons und Konsorten, der in diesem Jahr in den Clubs angesp\u00fclt wurde. Womit wir uns dann mal wieder unseren nostalgischen Gef\u00fchlen hingeben. Gott. Was habe ich <a href=\"profile.myspace.com\/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&amp;friendID=59529315 - 165k -\" target=\"_blank\"><strong>No Fun At All<\/strong><\/a> damals f\u00fcr ihre<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/no-fun-at-all.jpg\" alt=\"no-fun-at-all.jpg\" class=\"right\" \/> Songs gefeiert. Und, dass sie jetzt kurzerhand wieder auferstanden sind, mag sicherlich nicht dem Auflauf der Halloween-Zombies in hiesigen Weiten geschuldet sein. Nein, blutleere und kajalgesch\u00e4ngerte Konsens-Mucke muss drau\u00dfen bleiben. Stattdessen regieren auf \u201eLow Rider\u201c Singalongs der Marke Bad Religion und jede Menge Punk Rock-Spirit vergangener Tage. Jeder der irgendwann mal ein Herz f\u00fcr die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen Marke No Use For A Name, Millencolin, Descendents, Pennywise oder Rise Against hatte, kann in den 33 Minuten, in denen die Scheibe l\u00e4uft, gar nicht anders, als einen Kniefall vor dieser Combo hinzulegen. All diejenigen, die zudem Angst hatten, die Band w\u00fcrde mit zunehmenden Alter auch die Geschwindigkeit drosseln (was der Titel ja durchaus nahe legt), h\u00e4ngen schon nach wenigen Sekunden zu den melodieverliebten Hymnen in den Seilen. Das sind immer noch die gleichen No Fun At All, die man damals ins Herz geschlossen hatte. Also rauf aufs Bike, Sturzhelm in die Tonne kloppen, stattdessen Kopfh\u00f6rer dr\u00fcber und mit Vollgas einen atemlosen Ritt durch die Pr\u00e4rie hinlegen. Absteigen gilt nicht. Und wenn du doch mal auf die Fresse fliegst: Diese Scheibe wird dich schon wieder auf die Beine zerren. Versprochen. Womit wir uns auch schon dem Ende n\u00e4hern. Aber nicht ohne vorher noch mal in das neue Mixtape aus dem Hause <strong><a href=\"www.myspace.com\/therapture - 180k\" target=\"_blank\">The Rapture<\/a> <\/strong>reinzuh\u00f6ren. \u201eTapes\u201c ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Bietet es nicht nur eine unfassbare Stilvielfalt hinsichtlich der Songauswahl. Unter anderem sind Ghostface Killah, Armand Van Helden, Alter Ego, Richie Havens, <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/the-rapture.jpg\" alt=\"the-rapture.jpg\" class=\"right\" \/>Dances With White Girls, Paul Johnson und Cajmere am Start. Es macht auch sp\u00fcrbar, wo die Band ihre Inspiration f\u00fcr ihre Musik raus zieht. Sei es \u201eBounce, Rock, Skate, Roll\u201c (Vaughan Mason &amp; Crew) \u2013 einem der gr\u00f6\u00dften Hits des discotauglichen Raps. Oder die Duo Donk Boys, die ein sagenhaftes Mash Up raus hauen. All diese Einfl\u00fcsse klingen auch bei den St\u00fccken von den Rapture durch. Zudem beschr\u00e4nkt sich die Scheibe nicht auf gro\u00dfe Namen. Europ\u00e4ische Underground Acts stehen in einer Reihe mit den gro\u00dfen der Szene \u2013 wie zum Beispiel Thomas Bangaltar von Daft Punk, der hier den Track \u201eClub Soda\u201c beisteuert. Die Songs erinnern zudem an das famose Dj-Kicks-Mix von der allseits beliebten Annie. Die scherte sich damals auch nur geringf\u00fcgig um Stilgrenzen, geschweige denn hauchfeine \u00dcberg\u00e4nge. Hier wird auch mal gekonnt ein Break rein gehauen, wenn\u2019s sein muss. Und so f\u00fchlt man sich fast ein bisschen, als h\u00e4tte einem ein guter Kumpel ein Tape kompiliert. Dass dabei nicht immer alles glatt l\u00e4uft \u2013 umso besser. Das macht das Ganze nur umso unmittelbarer. Und sorgt f\u00fcr Abwechslung in der \u00fcberlaufenen und oft allzu gleichf\u00f6rmigen Mixtape-Welt. Also freut euch auf diesen Leckerbissen kompilierter Musikgeschichte. Und schaltet wieder ein\u2026 wenn der Zuckerbeat seine Tore \u00f6ffnet.<\/p>\n<p><em>\/\/ von: alexander nickel-hopfengart<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuckerbeat Vol. 36 Manchmal \u00fcberf\u00e4llt einen die Musik ganz hinterr\u00fccks. Die Gitarren kreischen, die verzerrte Stimme s\u00e4gt an den Nerven und doch f\u00fchlt man sich sofort bezaubert von der Wucht der Emotionen, die da auf einen herabregnen. 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