{"id":2131,"date":"2008-11-24T11:39:44","date_gmt":"2008-11-24T10:39:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=2131"},"modified":"2009-01-08T12:13:22","modified_gmt":"2009-01-08T11:13:22","slug":"zuckerbeat-volume-39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=2131","title":{"rendered":"\/\/ zuckerbeat volume 39"},"content":{"rendered":"<p>Der Musiker Oliver Lichtl beh\u00e4lt gerne alles im Blick. Er blickt<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/uphill-racer.jpg\" alt=\"uphill-racer.jpg\" class=\"right\" \/> von seinem Zimmer hinaus in Richtung Horizont und schichtet dort watteweiche Wolkenfetzen \u00fcbereinander. So lange, bis kleine Luftschl\u00f6sser entstehen. Luftschl\u00f6sser mit so verheisungsvollen Namen, wie \u201eElectric Ultradorm\u201c und \u201eAwkward Park\u201c. Seine Musik ist ein \u201eTelescopeland\u201c &#8211; er der Beobachter, der durch die Linse blickt. Als <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/uphillracer\" target=\"_blank\"><strong>Uphill Racer<\/strong><\/a> macht er sich auf in unentdeckte Gefilde und l\u00e4sst dort eine Landschaft aus Klavier, Gitarren und Samples entstehen. Das ist seine Welt. Eine Welt, in der die Elektronik noch nicht den Blick auf das Wesentliche versperrt hat. Sondern sich sanft an dich schmiegt, wie das durchsichtige Gewand ein Schleiers. Damit das Wesen der Menschen nicht in einem schwarzen Loch versinkt. Erdr\u00fcckt wird von den Ablenkungen, die uns t\u00e4glich davon abhalten, uns mal wieder mit uns selbst zu besch\u00e4ftigen. Uphill Racer hat sich damit auf seinem dritten Album endg\u00fcltig frei geschwommen von all den Einfl\u00fcssen, die The Notwist und Thom Yorke auf seine Musik gehabt haben. Er schafft sich sein eigenes St\u00fcck Poplandschaft. Und erreicht den bisherigen H\u00f6hepunkt seines Schaffens mit dem St\u00fcck \u201eElectric Ultradorm\u201c. <!--more-->Hier verstecken sich die Dissonanzen hinter den Melodien. Und mit Worten, wie \u201ewhen the satellite crashed the star, i forgot to look<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/electroserge.jpg\" alt=\"electroserge.jpg\" class=\"right\" \/> where you are\u201d scheint er f\u00fcr kurze Zeit die Leere, die einen umgibt, in Wort fassen zu k\u00f6nnen. Nur um sie dann mit seinen z\u00e4rtlichen Melodien vollends auszuh\u00f6hlen. Ein bemerkenswertes Album. Ebenso wie das folgende von Birgit Lehneis und Paul Heil aka <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/electroserge\" target=\"_blank\"><strong>Electroserge<\/strong><\/a>. Die pr\u00e4sentieren auf ihrem dritten Longplayer ein breit angelegtes Sammelsurium an elektronischen Indietronics-Entw\u00fcrfen. \u201eGimme Data\u201c strotzt nur so vor industriell anmutenden Soundentw\u00fcrfen, die wirken, als w\u00fcrde man sich an einen Atari setzen und zu einem verpixelten Ballerspiel ein paar zerbrechliche Melodien mit sprechgesang-affinen Ansagen s\u00e4useln. Die Indie-Vergangenheit der Marke Dinosaur Jr. ist nur noch in Bruchst\u00fccken pr\u00e4sent, tritt aber dennoch \u00fcber weite Strecken stark in den Hintergrund. Stattdessen versucht das Duo sich an verspultem Elektro-Rap der subtileren Sorte \u2013 zeitweise sogar an einem deutschsprachigen Popentwurf namens \u201eIm Maschinenpark\u201c, der aber im Gegensatz zum Rest der Scheibe deutlich abf\u00e4llt. Alles in allem also wieder ein gelungener Entwurf der bayrischen Elektro-Kapelle, der vor allem aufgrund der kurzen Spielzeit von 34 Minuten bis zum Ende spannend bleibt. Gleiches gilt auch f\u00fcr die liebensw\u00fcrdigen Nervt\u00f6ter von <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/parts-labor.jpg\" alt=\"parts-labor.jpg\" class=\"right\" \/><a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/partsandlabor\" target=\"_blank\"><strong>Parts &amp; Labor<\/strong><\/a>. Die haben ja vor Kurzem erst das Cairo in Grund und Boden gel\u00e4rmt. Und reiten den Gaul namens Popmusik auch auf ihrem neusten Output \u201eReceivers\u201c mit jeder Menge psychedelischer Sound\u00e4sthetik und verkratzter Elektronik gegen die Wand. Die l\u00e4rmenden Passagen des Vorg\u00e4ngers wurden erg\u00e4nzt um folkloristische und countryeske Kl\u00e4nge: Soll hei\u00dfen\u2026 hier wird in genau acht Songs das Spektrum der musikalischen (Un)M\u00f6glichkeiten ausgelotet. Den H\u00f6rer erwartet ein schickes P\u00e4ckchen, das einen aufgrund seines sprunghaften Inhalts nicht nur dauerhaft bei der Stange h\u00e4lt, sondern auch f\u00fcr die ein oder andere gelungene \u00dcberraschung gut ist. Nehmen wir zum Beispiel den Track \u201eNowhere Nigh\u201c \u2013 das ist ein schlicht atemberaubender Indie-Pop-Song bei dem man sich immer wieder verwundert die Augen reibt, wie charmant dieser flotte Vierer doch vor sich hin melodieren (Wortneusch\u00f6pfung rules!)  kann, wenn er die experimentellen Fl\u00fcgel einmal abstreift. Ansonsten wirken die Songs zeitweise, als w\u00fcrden sie vollends in sich zusammenbrechen, nur um sich dann in bester Transformers-Manier wieder zu einem schl\u00fcssigen Gesamtbild zusammenzusetzen. Am Ende ist man schlichtweg beeindruckt, wie sich hier scheinbar Widerspr\u00fcchliches ganz selbstverst\u00e4ndlich zusammenf\u00fcgt. Und freut sich \u00fcber eine der langlebigsten Platten des Jahres. Was uns direkt zu den allseits beliebten Monsterbacken von <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/thekillers\" target=\"_blank\"><strong>The Killers<\/strong><\/a><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/the-killers.jpg\" alt=\"the-killers.jpg\" class=\"right\" \/> bringt. Die f\u00fchren ja seit Beginn ihrer Karriere eindrucksvoll vor Augen, dass Stadionrock und Langlebigkeit sich nicht unbedingt ausschlie\u00dfen. Jedenfalls hat kaum einer ihrer zahlreichen Hits mit den Jahren auch nur einen winzigen Funken an Charme eingeb\u00fc\u00dft. Nein. Wenn ihre Songs sich erstmal in deinen Gehirnwindungen festgesetzt haben, binden sie dich unwiderruflich an diese Band. Auch auf ihrem dritten Album \u201eDay &amp; Age\u201c ist das so. Versuchte sich die Gruppe auf dem Vorl\u00e4ufer noch an eher experimentellen Songstrukturen, rotzen sie dir jetzt wieder ihren melodieseligen \u00dcberschwang frontal ins Grinsegesicht. \u201eHuman\u201c, \u201eSpaceman\u201c, \u201eJoy Ride\u201c. Allesamt Lieblingslieder f\u00fcr die Ewigkeit. F\u00fcrs Knutschen unterm Sternenhimmel. F\u00fcrs Gondeln im gedimmten Licht der Stra\u00dfenlaternen. F\u00fcrs H\u00e4ndchen halten unter einem Schwarm von Gl\u00fchw\u00fcrmchen. F\u00fcr die ersten Schneeflocken, die auf deiner Nase zerschellen. F\u00fcrs erste Rutschen ins Ungewisse auf einem h\u00f6lzernen Schlitten. F\u00fcrs erste Plumpsen in den Schnee. F\u00fcr den hei\u00dfen Punsch in deiner Kehle. F\u00fcr das Knistern des gefrorenen Atems. Leute. Packt die Konfettikanonen aus und f\u00fcllt sie mit Sternenstaub. Diese Platte ist ein Ereignis. Eine Momentaufnahme. Ein sprudelnder Quell voll Melodien, der der eisigen K\u00e4lte trotzt und fr\u00f6hlich Pirouetten ins Nichts schl\u00e4gt. Die Killers eben. Da kann man gar nicht anders, als aus dem faulen Winterpulli zu schl\u00fcpfen und sich was Tanzbares \u00fcberzuziehen. Das eignet sich hinterher auch perfekt f\u00fcr die After Show Party mit <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/the-young-punx.jpg\" alt=\"the-young-punx.jpg\" class=\"right\" \/><a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/theyoungpunx\" target=\"_blank\"><strong>The Young Punx!<\/strong><\/a>. Die hinterlie\u00dfen mit ihren Clownsfressen schon als Vorband von The Teenagers einen \u00e4u\u00dferst sympathischen und vor allem irren Gesamteindruck. Live geht da einiges. Wenn die Jungs und M\u00e4dels ihre Elektrokanonen z\u00fccken, dann gibt\u2019s Feuerwerk und zwar nonstop. Auch auf ihrem Album \u201eYour Music Is Killing Me\u201c sto\u00dfen sie reichlich Wohlf\u00fchl-Elektro-House-Gewummse aus, dass einem als H\u00f6rer kaum Luft zum Atmen l\u00e4sst. Im Stil eines gelungenen DJ Sets wird der Euphoriepegel \u00fcber die volle L\u00e4nge an den Rand des strapezierf\u00e4higen Messger\u00e4ts transferiert. Das klingt dann wie ein anspruchsvolles Update aus den 90ern \u2013 als 2 Unlimited und Culture Beat noch der hei\u00dfeste Schei\u00df waren. Nur eben sp\u00fcrbar ausgereifter. Nachhaltiger. Zeitgem\u00e4\u00dfer. Kurz gesagt. Wer sich zuletzt dabei ertappte, dass er zu uns\u00e4glicher Eurodance-Mucke verstohlen mit dem Fu\u00df wippte, bekommt hier eine passende Alternative pr\u00e4sentiert. Taufrisch auf 17 atemlosen Tracks. Und f\u00fcr den Moment genommen das Brett der Stunde. Nur nach der Langlebigkeit sollte man nicht fragen. Die d\u00fcrfte unter der Overdose an Melodien sicher etwas leiden. Macht aber nix. Tanzen ja eh schon alle im Blitzlichtgewitter. Also genie\u00dfen, solange der Schei\u00df noch hei\u00df ist. Gleiches gilt f\u00fcr das neuste Mixtape aus dem Hause Kid Alex alias <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/boysnoizemusic\" target=\"_blank\"><strong>Boys Noize<\/strong><\/a>. <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/boys-noize.jpg\" alt=\"boys-noize.jpg\" class=\"right\" \/>\u201eI Love Techno\u201c ist gesegnet mit allerhand brachialem Elektrogeholze der Marke Alter Ego und Mr. Oizo und ballert einem dabei die Synthie-Kugeln um die Ohren, als wollte er Paintballm\u00e4\u00dfig eine karge Mauer in ein farbenfrohes Gem\u00e4lde verwandeln. Diese Scheibe macht keine gro\u00dfen Gefangenen. Vom ersten Track an stampft der Beat in Richtung elektronische Gewitterfront. Abseitigere Tracks, wie \u201eHypercommunication\u201c von Poni Hoax,  sorgen hin und wieder f\u00fcr den entsprechenden Schuss Abwechslung. F\u00fcgen sich aber aufgrund der gelungenen Remix-Arbeit von Alter Ego ebenfalls sehr homogen ins Gesamtbild ein. Am Ende steht man den mit verschwitztem Shirt auf der Tanzfl\u00e4che. Von der Decke regnet es Glitzerstaub. Und man rei\u00dft die H\u00e4nde zum flackernden Blitzlicht des Stroboskops gen Clubhimmel. Die Zeit scheint zu stehen, wenn das grelle Licht f\u00fcr einen Moment den Raum durchflutet. Und man verliert sich in der Musik, die sich fortw\u00e4hrend ihren Weg durch die Szenerie bahnt, so als k\u00f6nnte sie sich einfach \u00fcber Zeit und Raum hinwegsetzen. \u00c4hnlich aufregend ist das aktuelle Release aus dem Hause <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/cazalsuk\" target=\"_blank\"><strong>Cazals<\/strong><\/a>. Das ist der neuste Indie-Wave-Entwurf von Kitsune. Und man muss zugeben. Nachdem man sich erstmal dran gew\u00f6hnt hat, dass einen hier keine treibenden Elektrobeats an die Wand schmettern, hat die Scheibe am Ende einiges mehr zu bieten, als der Output vieler Kollegen. Die Single \u201eSomebody, Somewhere\u201c und das schlicht berauschende \u201eA Big Mistake\u201c d\u00fcrften jedenfalls in K\u00fcrze alle<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/cazals.jpg\" alt=\"cazals.jpg\" class=\"right\" \/> Indie-Tanzfl\u00e4chen der Nation in euphorischen Freudentaumel st\u00fcrzen. Die weiteren neun Tracks der Scheibe k\u00f6nnen da zwar nicht immer mithalten, entpuppen sich aber mit zunehmender Dauer als \u00e4u\u00dferst langlebige Indie-Elektro-Alternativen, die man nur zu gerne aufs n\u00e4chste Mixtape spielt. Direkt zwischen Bloc Party und CSS strahlen diese Songs umso heller, weil der Mainstream sie noch nicht vollst\u00e4ndig infiltriert hat. \u201eLife is Boring\u201c? Nicht mit den Cazals. \u201eWhat Of Our Future\u201c klingt so derma\u00dfen mitrei\u00dfend, zeitgem\u00e4\u00df und ideenreich, dass man sich zeitweise immer wieder Luftpiano spielend im heimischen Wohnzimmer wieder findet. Die Boxen werden bis zum Anschlag aufgedreht und das drohende Klopfen der Nachbarn an der Zimmerwand schlichtweg \u00fcberh\u00f6rt. Stattdessen feiert man die euphorie-geschw\u00e4ngerten Lichtblitze dieser Scheibe. Br\u00fcllt sich die Seele aus dem Leib und wirft sich schw\u00e4rmerisch der heimischen Stehlampe um den Hals bis man zu Boden f\u00e4llt und in einem Meer aus Funken versinkt. Also kommt schon. Alle zusammen\u2026 \u201ePoor innocent boys\u2026 poor poor\u2026 innocent boys!\u201d  Als ob es kein Morgen mehr g\u00e4be. Einfach traumhaft dieser Sound. Bis zum n\u00e4chsten Zuckerbeat.<br \/>\n<em> \/\/ von: alexander nickel-hopfengart<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Musiker Oliver Lichtl beh\u00e4lt gerne alles im Blick. Er blickt von seinem Zimmer hinaus in Richtung Horizont und schichtet dort watteweiche Wolkenfetzen \u00fcbereinander. So lange, bis kleine Luftschl\u00f6sser entstehen. Luftschl\u00f6sser mit so verheisungsvollen Namen, wie \u201eElectric Ultradorm\u201c und \u201eAwkward Park\u201c. Seine Musik ist ein \u201eTelescopeland\u201c &#8211; er der Beobachter, der durch die Linse blickt. 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