{"id":2595,"date":"2009-01-27T14:54:42","date_gmt":"2009-01-27T13:54:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=2595"},"modified":"2009-04-29T14:11:28","modified_gmt":"2009-04-29T13:11:28","slug":"zuckerbeat-volume-47","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=2595","title":{"rendered":"\/\/ zuckerbeat volume 47"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/animal-collective.jpg\" alt=\"animal-collective.jpg\" class=\"right\" \/>So Leute, jetzt macht euch auf was gefasst. Keine Ahnung ob die Menschheit bereit ist f\u00fcr dieses Album, aber sei\u00b4s drum. In ein paar Jahren k\u00f6nnte \u201eMerriweather Post Pavilion\u201c von <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/animalcollectivetheband\" target=\"_blank\"><strong>Animal Collective<\/strong><\/a> die Referenzgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr moderne Popmusik sein. Popmusik, weil zwischen den vertrackten und hypnotischen Songstrukturen immer wieder sternenklare Lieblingslieder durchschimmern, wie sie die Fleet Foxes gerne schreiben. Doch Vorsicht &#8211; dieses Album geht noch weiter. Es \u00f6ffnet dir ein Tor zum All. Schwerelos treibst du umher zwischen Versatzst\u00fccken aus Sounds und Stimmungslagen und doch scheint es, von welcher Seite du die Musik auch betrachtest, immer wieder ein unsichtbares Band zu geben, das die unersch\u00f6pflichen M\u00f6glichkeiten dieser Band im Innersten zusammenh\u00e4lt.<!--more--> Die Songs wirken ebenso ambitioniert wie schl\u00fcssig, als h\u00e4tte sie jemand in einem einzigen fantastischen Take in die Weiten des Weltraums geschleudert. Ihr merkt schon: mir fehlen die Worte um zu beschreiben, was hier passiert. Es f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrden sich die Beach Boys mit einer nicht n\u00e4her definierten Naturgewalt vereinen. Als w\u00fcrde jemand aus den waghalsigen Sounds von Pixar ein v\u00f6llig neues Genre schaffen und sich dann spitzb\u00fcbisch am See niederlassen, um ein traditionelles Liebeslied zu schreiben. Daraus entsteht Musik, die so sch\u00f6n, so zerbrechlich, so schl\u00fcssig, so waghalsig, so formvollendet, dass man sie nicht mal daf\u00fcr hasst, dass sie wom\u00f6glich bald vom Massenpublikum vereinnahmt wird. Man muss diese Scheibe einfach nehmen, wie sie ist. Man muss sie geschehen lassen. Dann bringt sie einen an einen Ort fernab aller Konventionen. Traumwandlerisch schleicht man durch die G\u00e4nge eines Labyrinths. Gar nicht so sehr auf der Suche nach dem Ausgang, sondern nach einem Moment. Besser: einer Erkenntnis, die sich hinter den gr\u00fcnen Punkten auf dem Frontcover versteckt. Also Augen schlie\u00dfen. Und anschlie\u00dfend schweren Mutes weiter ziehen in Richtung<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/extrawelt.jpg\" alt=\"extrawelt.jpg\" class=\"right\" \/><strong> <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/extrawelt\" target=\"_blank\">Extrawelt<\/a><\/strong>. Das sind zwei Hamburger Elektro-T\u00fcftler, die im letzten Jahr von der \u201eGroove\u201c mit dem Award f\u00fcr das Album des Jahres ausgezeichnet wurden. Jetzt also hat auch der liebe Zuckerbeat die Scheibe f\u00fcr sich entdeckt und verliert sich nur zu gern in den nachdenklichen Fasern dieses elektronischen Wohlf\u00fchlteppichs. Manche werden ihre Musik wahrscheinlich anstrengend finden, weil sie einfach an einem vorbei zieht, wenn man nicht genau hinh\u00f6rt. Die Scheibe wurde sehr homogen zusammen geschraubt. Misst\u00f6ne findet man nur vereinzelt. Stattdessen steht ein monstr\u00f6ser Pl\u00fcsch Osterhase vor einem, in dessen Armen man am liebsten versinken m\u00f6chte. Zumindest bis man in Track f\u00fcnf (\u201eMust Attack\u201c) dann hinterr\u00fccks zum Schlachtermesser greift, um das wollige Vieh unter dem Blitzlichtgewitter des Laserregens zu zerfetzen. \u201eSch\u00f6ne neue Extrawelt\u201c hinterl\u00e4sst damit als Gesamtkunstwerk einer immer kurzlebigeren Gattung von Musik einen wahrhaft berauschenden Nachgeschmack. Und versetzt den H\u00f6rer mit seinen atmosph\u00e4rischen Elektrostampfern in eine bet\u00f6rende Zwischenwelt zwischen den Polen Minimal und Rave. V\u00f6llig abheben l\u00e4sst einen hinterher <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/omar-roriquez.jpg\" alt=\"omar-roriquez.jpg\" class=\"right\" \/><strong><a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/omaralfredorodriguezlopez\" target=\"_blank\">Omar Rodriguez Lopez<\/a> <\/strong>(The Mars Volta), indem er sich auf \u201eOld Money\u201c auf seine gro\u00dfe St\u00e4rke besinnt: Seinen ausgepr\u00e4gten Hang zur Improvisation. Das erahnt man schon im Opener, wo er eine bet\u00f6rende Melodie vollends gegen die elektronische Wand pfeffert. Dennoch wirken seine Songs diesmal beinahe gem\u00e4\u00dfigt im Vergleich zum restlichen Output des T\u00fcftlers und so entspringt dieser experimentellen Wucht immer wieder ein Melodiebogen, der direkt ins Herz schie\u00dft. Dass die Scheibe auf dem renommierten HipHop Label \u201eStones Throw\u201c erscheint, ist zumindest insofern keine \u00dcberraschung, als das sich Selbiges auch f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung wegwei\u00dfender Alben, wie zum Beispiel dem futuristischen Werk von Georgia Anne Muldrow verantwortlicht zeigt. Zu Omar Rodriguez ist es da nicht mehr weit. Vor allem, weil seine Songs diesmal oft an der F\u00fcnf Minuten-Schallmauer zerschellen. Und er sich mit dem Track \u201ePrivate Fortunes\u201c in Gefilde wagt, die Carlos Santana auch gut stehen w\u00fcrden. Alles in allem der vielleicht beste Solo-Wurf des talentierten Musikers. Und jetzt zum Runterkommen mal bei <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/blackmarketcrew\" target=\"_blank\"><strong>Blackmarket<\/strong><\/a> aus Arizona vorbei geschaut. Die Vorband der Subways, feuert auf ihrem ersten <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/blackmarket.jpg\" alt=\"blackmarket.jpg\" class=\"right\" \/>Album ein amtliches Brett nach dem anderen aus der Bordwand des sinkenden Schiffes Emo-Rock. Die Scheibe ist eigentlich eine einzige Ansammlung von potenziellen Krachern f\u00fcr die n\u00e4chste Festivalsaison. Wenn du mit einem gestohlenen Einkaufswagen in Richtung Bierkastenstapel rast, um sie alle Neune auf einmal umzupusten, willst du genau diese Tracks h\u00f6ren. Schon der famose Auftakt (Magic Tricks\u201c, \u201eNight In Question\u201c und die Kr\u00f6nung von Rocksong namens \u201eSheila\u201c) sorgt daf\u00fcr, dass es gar keine Zweifel an ihrer Gesinnung gibt. Wer sich damals zu Jimmy Eat World (\u201eBleed American\u201c) oder erst k\u00fcrzlich zu den Subways freudestrahlend im Blitzlichtgewitter der Clubs suhlte, der wird sich hingebungsvoll vor diesen Jungs verneigen. So einen bunten Strau\u00df an melodieverliebten Rocksongs habe ich jedenfalls lange nicht geh\u00f6rt. Und weil wir grad so sch\u00f6n am Abfeiern sind, gleich noch r\u00fcber zu <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/verlen\" target=\"_blank\"><strong>Verlen<\/strong><\/a>.<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/verlen.jpg\" alt=\"verlen.jpg\" class=\"right\" \/> Wie jetzt? Du kennst Verlen nicht. Das, lass dir gesagt sein, sollte sich so schnell wie m\u00f6glich \u00e4ndern. Das 2005er Deb\u00fct-Album war ja schon ne Bombe. Und ich bin mir sicher, w\u00e4re grade noch mal 1998, diese Jungs w\u00e4ren schon lange durch die Decke gegangen. Hymnische Rockmusik mit zahlreichen Hooks in der Art, wie sie Blackmail gerne schreiben, wenn sie sich mal nicht in eine verhallte Tropfsteinh\u00f6hle verirren: das macht Spa\u00df. Das rockt. Das bringt die Speaker deiner Lautsprecher Box zum Erstrahlen. Wenn dann kurz darauf die ganze Bude zu brennen beginnt, stehst du fr\u00f6hlich im Raum und wirfst dem lieben Mann vor der Scheibe einen freundlichen Blick zu. \u201eLass mich nur noch schnell den Song zu Ende h\u00f6ren, okaaaaaaaay?\u201c schreist du ihm entgegen und reckst deine H\u00e4nde nach oben. In deinen Armen: Eine Luftgitarre heller as hell. Du durchstreifst die Rauschwaden und bevor du schlie\u00dflich nur knapp dem Erstickungstod entrinnst, wirkt die ganze Szenerie so derma\u00dfen erhaben, als h\u00e4ttest du den Rock gerade neu erfunden. Kurz gesagt: das Rockbrett des Fr\u00fchlings. Und ab jetzt neben Blackmarket in Dauerschleife auf meiner Anlage. Wer derweil etwas mehr den romantischen Versuchungen der 60er erlegen ist, wie leblose Hirschgeweihe, der sollte sich mal in das elektronisch angehauchte Pianoexperiment namens \u201eClockwork\u201c heranpirschen. Der franz\u00f6sische <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/alif-tree.jpg\" alt=\"alif-tree.jpg\" class=\"right\" \/><a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/memorymusic\" target=\"_blank\"><strong>DJ Alif Tree<\/strong><\/a> verliert sich auf seinem Album in einem bet\u00f6renden Mix aus wabernden Fl\u00e4chen, die auch vor dem spr\u00f6den Charme eines l\u00e4ngst vertonten Western-Klassikers nicht Halt machen. Alles in allem ist \u201eClockwork\u201c mehr Songwriter-Album, als experimentelle Spielwiese. Stellenweise werden Erinnerungen an den Erstling von Unkle wach, wie in dem schlicht bemerkenswerten \u201eNever Be The Same\u201c, das wie geschaffen ist, nachts um 4 in einer halbleeren Diskothek den Raum mit einer bet\u00f6renden Eleganz zu durchfluten. Schade nur, dass der K\u00fcnstler gerade hier den Bruch mit den Konventionen sucht und diesen gro\u00dfartigen Popmoment kurzerhand cuttet, wie Scherenschnitte. Andere Songs erinnern an die poppigen Eskapaden von Roisin Murphy, als Moloko noch kein verblasster Fleck auf der Landkarte des Pop war. Und \u00fcberhaupt. Dieses st\u00e4ndige Spiel mit der Dissonanz erhebt manchen Track geradezu beil\u00e4ufig \u00fcber die zahllosen Alternativen des Nu Jazz-Universums. Bis man sich am Ende endg\u00fcltig verf\u00e4ngt in den zur\u00fcck gelehnten Weiten dieses franz\u00f6sischen Elektro-Wolkenteppichs\u2026 Da kann man hinterher dann auch gleich noch bei <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/wigald-boning.jpg\" alt=\"wigald-boning.jpg\" class=\"right\" \/><a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/wigaldboning\" target=\"_blank\"><strong>Wigald Boning <\/strong><\/a>vorbei schauen und sich auf einen entspannten Trip in Richtung massentauglicher Jazz Kl\u00e4nge einladen lassen. Puristen des Genres werden \u201eJet Set Jazz\u201c sicher verschm\u00e4hen, dennoch h\u00e4tte man dem lieben \u201eDie Doofen\u201c-Frontmann gar nicht zugetraut, dass er ein solch anschmiegsames K\u00e4tzchen easy listningialer (was f\u00fcr ein Wort!) Gangart hinbekommt, ohne dabei ein paar Kratzer abzubekommen. Schon nach wenigen Minuten hat man vollends vergessen, wer einem da gegen\u00fcber sitzt: und das ist gut so. Da hat jemand schlie\u00dflich schon lang genug versucht, witzig zu sein. Somit freuen wir uns \u00fcber seine leichtf\u00fc\u00dfige musikalische Kapitulation vor dem eigenen Bl\u00f6del-Image. Einfach umdrehen und richtig sch\u00f6n durchmassieren lassen von den Sounds von Christian Prommer (erst k\u00fcrzlich beim Hafensommer in W\u00fcrzburg am Start) und Konsorten. Hach. Da k\u00f6nnte man fast romantisch werden, wie der Musiker selbst, der sich mit diesem Album einen \u201eJugendtraum\u201c erf\u00fcllt: Musik f\u00fcr die langen Fahrten zwischen seinem Wohnort im Allg\u00e4u und dem M\u00fcnchener Flughafen zu generieren. Am Ende entsteht daraus ein ambitionierter Easy-Listening-Entwurf mit elektronischer Per\u00fccke, den man sich nur allzu gern \u00fcberstreift ohne sich damit der L\u00e4cherlichkeit Preis zu geben. Selbiges \u00fcberlassen wir dann lieber den Jungs von <a href=\"http:\/\/www.poplexikon.com\/bands\/nashville-pussy\" target=\"_blank\"><strong>Nashville Pussy<\/strong><\/a>. <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/nashville-pussy.jpg\" alt=\"nashville-pussy.jpg\" class=\"right\" \/>Die zelebrieren auch anno 2009 immer noch die reinste Form dessen, was man unter Rock\u00b4n\u00b4Roll versteht. Dass sie damit auch auf \u201eFrom Hell To Texas\u201c durchkommen, liegt einzig und allein daran, dass die Melodien sitzen. Sonst m\u00fcsste dieser kl\u00e4gliche Versuch einen auf Kiss oder Alice Cooper zu machen, eigentlich sang und klanglos im luftleeren Raum zerschellen. Jedenfalls sp\u00fcrt man zwischen all den Klischees, die da abgefeuert werden immer noch eine tiefe Hingabe an die Musik. Ans Schwitzen auf der B\u00fchne. An St\u00fccke, die auf den gro\u00dfen Moment zusteuern und die gar nichts anderes k\u00f6nnen, als dem H\u00f6rer eine gute Zeit zu schenken. Kurz gesagt: Wer immer noch arschtretend auf dem Bett herum springt und sich in inniger Hingabe die Luftgitarre schnappt. Genau der sollte sich einen Track, wie \u201eDead Man Can\u00b4t Drunk\u201c oder eines der elf anderen St\u00fccke rein pfeifen und dazu in selbst verliebter Pose seiner Leidenschaft zum Rock fr\u00f6nen. Alle anderen haben eh schon lang das Weite gesucht. Bis zum n\u00e4chsten Zuckerbeat.<br \/>\n<em>\/\/ von: alexander nickel-hopfengart<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So Leute, jetzt macht euch auf was gefasst. Keine Ahnung ob die Menschheit bereit ist f\u00fcr dieses Album, aber sei\u00b4s drum. In ein paar Jahren k\u00f6nnte \u201eMerriweather Post Pavilion\u201c von Animal Collective die Referenzgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr moderne Popmusik sein. 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