{"id":2884,"date":"2009-03-11T22:39:38","date_gmt":"2009-03-11T21:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=2884"},"modified":"2009-04-29T14:01:51","modified_gmt":"2009-04-29T13:01:51","slug":"der-fahrstuhlmoment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=2884","title":{"rendered":"\/\/ der fahrstuhlmoment"},"content":{"rendered":"<p>6.30 Uhr der Wecker klingelt zum ersten Mal- <em>&#8222;Ach&#8220; denkt&#8220;<\/em>, er sich, dr\u00fcckt auf &#8222;Snooze&#8220; und dreht sich wieder um, um sich tiefer in sein Bett zu kuscheln. Neben ihm liegt eine Frau. H\u00fcbsch ist sie, doch er kennt sie kaum, wei\u00df nicht viel \u00fcber sie und fr\u00e4gt sich, wohin es mit ihr f\u00fchren soll. Aber eigentlich kennt sie ihn auch verdammt gut und er sie, auf eine seltsame Weise.<br \/>\nIrgendwie h\u00e4ngt ihm noch  seine alte Beziehung hinterher. Die war sehr problematisch, einerseits wegen ihm, anderseits wegen ihr.<!--more--><br \/>\nJung ist die Frau die neben ihm liegt, viel j\u00fcnger als er, wenn er sie anblickt, jetzt wo er dann doch nicht mehr schlafen kann, betrachtet er ihr puppehaftes Gesicht. Sie hat ihn besucht, er kennt sie aus dem Internet, \u00fcber ein Forum, gleiches Problem und gleiche Interessen, haben sie aufeinander aufmerksam gemacht.<\/p>\n<p>Lange hat er gezweifelt ob er sie einladen soll, ob er sie sehen will, das M\u00e4dchen hinter dessen Worten er eine unscheinbare, vielleicht sogar nicht so ganz attraktive Frau vermutet hat. Doch so wie sie da liegt, ist sehr attraktiv, vielleicht sogar zu attraktiv.<br \/>\n<em>&#8222;Sie ist jung&#8220;<\/em>, denkt er. <em>&#8222;Sehr jung &#8211; zu jung?!&#8220;<\/em> Jetzt wo sie da ist, bei ihm, und er nicht nur ihre Zeilen liest, sondern auch ihren Atem h\u00f6rt, jetzt ist pl\u00f6tzlich alles anders und kompliziert. Sie ist real, sehr real. Sie besteht jetzt nicht mehr nur aus Buchstaben und Zeilen, aus sch\u00f6nen Worten, sie hat Haut und Haare.<br \/>\nSie ist da, wirklich da. Lange hat er sich nach ihr gesehnt, nach der Frau hinter all diesen Zeilen, so verst\u00e4ndnisvoll, so g\u00fctig, so ehrlich. N\u00e4chtelange haben sie \u00fcber Gott und die Welt geredet, \u00fcber vieles, aber nicht alles.<\/p>\n<p>Aufgeregt und in freudiger Erwartung kam er von der Arbeit, schaltete seinen PC ein um zu sehen ob sie ihm einen Nachricht geschickt hatte. Aber jetzt wo sie da war, hatte er Angst. Sie ist h\u00fcbsch, sie ist g\u00fctig, sie ist ehrlich. Sie ist so, wie ihre Worte, das Gesamtbild passt.<br \/>\n<em>&#8222;Sie hat nicht gelogen&#8220;<\/em>, denkt er. <em>&#8222;Sie hat sich nicht verstellt.&#8220;<\/em> Er hatte sich immer wieder gesagt, wenn sie kommt und sie treffen sich, wird sie nicht so sein, sondern anders. Und sie ist nicht attraktiv, dachte er sich immer wieder. Anderseits hatte ein Teil in ihm immer gehofft, dass sie es vielleicht doch ist. Und nun, da es so ist, macht es ihm Angst. Gro\u00dfe Angst. So sehr er sich nach jemanden wie ihr gesehnt hat, so gro\u00dfe Angst macht ihm der Gedanke daran jetzt.<\/p>\n<p>Viel hat er schon erlebt in seinem Leben, sch\u00f6ne Beziehungen, komplizierte Beziehungen und immer wieder das Ende einer solchen.<br \/>\nDer Wecker klingelt und rei\u00dft ihn aus seinen Gedanken. Duschen, Anziehen und los ins B\u00fcro. Er schreibt ihr einen Zettel, l\u00e4sst sie schlafen und zieht leise die T\u00fcre hinter sich zu. <em>&#8222;Angst&#8220; <\/em>denkt er. Ja, die Kraf, sich nochmal auf jemanden einzulassen, wenn man wei\u00df wie schrecklich Trennungen sind, dann doch lieber alleine bleiben dacht er sich. Doch ihre Worte fesselten ihn, er wollte &#8211; er musste sie sehen.<\/p>\n<p><em>&#8222;Sie ist jung, sie wird mir davon laufen.&#8220;<\/em> Ohne, dass auch nur im entferntesten etwas zwischen ihnen gewesen w\u00e4re, bis auf, dass sie zusammen in einem Bett geschlafen hatten, macht er sich Gedanken \u00fcber alles.<br \/>\n<em>&#8222;Ich lasse sie&#8220;<\/em>, dacht er, <em>&#8222;sie ist jung, sie wird mir davon laufen und ich bin zu kompliziert. Ich habe nicht mehr die Kraft dazu zu lieben. &#8222;<\/em><br \/>\nOhne zu merken, dass alleine deswegen, dass er sich solche Gedanken machte, es daf\u00fcr eigentich schon zu sp\u00e4t war, bestieg der den Fahrstuhl in seinem B\u00fcrogeb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich, ein Zucken, ein Knacken. Und da steht er der Fahrstuhl. <em>&#8222;Steckengeblieben, na wunderbar.&#8220;<\/em> Schnell steigt in ihm die Panik hoch. In engen und in geschlossenen R\u00e4umen die sich auch noch bewegen h\u00e4lt er sich nicht gerne auf.<br \/>\nPanik, sein Puls schl\u00e4gt h\u00f6her, sein Herz beginnt zu rasen. Auch wenn er wei\u00df, dass ihm eigentlich nichts Schlimmes passieren kann, so kann er sich doch nicht gegen die aufkeimende Panik wehren. <em>&#8222;Ich muss hier raus&#8220;.<\/em> Wenn mich niemand h\u00f6rt, geistert es ihm durch den Kopf, es ist Samstag.&#8220;<\/p>\n<p>Und da f\u00e4llt sie ihm ein, wie sie in seinen Bett liegt, wie ein Puppe, friedlich schlafend und eine unglaubliche W\u00e4rme und Ruhe austrahlend. Er hat ihr Bild genau vor Augen.<br \/>\nLangsam normalisiert sich sein Puls, der Herzschlag nimmt ab. Er bemerkt es zuerst garnicht, doch dann als er sich selbst den Puls f\u00fchlt ist er verwundert. Der Gedanke an sie, hat ihn beruhigt. <em>&#8222;Was bin ich ein Idiot&#8220;<\/em>. Ein Ruck und der Fahrstuhl setzt sich wieder in Bewegung. Die T\u00fcr geht auf und er verl\u00e4sst den Fahrstuhl, geht zu den Treppen und eilt sie hinab. <em>&#8222;Ich bin auf die Arbeit gefl\u00fcchtet, an einem Samstag&#8220;.<br \/>\n<\/em><br \/>\nAuf der Stra\u00dfe angekommen ruft er ein Taxi, steigt ein und f\u00e4hrt zur\u00fcck zu seiner Wohnung. <em>&#8222;Hoffentlich komme ich noch rechtzeitig&#8220;<\/em>. Diesmal pumpt sein Herz vor Aufregung. Er st\u00fcrmt die Treppen nach oben zu seiner Wohnung, l\u00e4sst seinen Schl\u00fcssel vor lauter Eile fallen und schafft es endlich den Schl\u00fcssel in die T\u00fcr zu bekommen. <em>&#8222;Langsam und leise, tief durchatmen&#8220;<\/em>. Langsam und vorsichtig \u00f6ffnet er die T\u00fcr zu seinem Schlafzimmer, da liegt sie immernoch, vorsichtig nimmt er den Zettel von seinem Kopfkissen. Er zerkn\u00fcllt ihn und wirft ihn in den M\u00fclleimer.<br \/>\nDann k\u00fcsst er sie sanft auf die Stirn, wovon sie erwacht. Sie schl\u00e4gt ihre Augen auf  und blickt ihn an. Er l\u00e4chelt. <em>&#8222;Bin ich ein Idiot&#8220;<\/em>, denkt er und nimmt ihre Hand.<\/p>\n<p>Im M\u00fclleimer liegt ein Zettel, auf dem seht. <em>&#8222;Es tut mir leid, bitte geh. Ich kann das nicht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\/\/ ella <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6.30 Uhr der Wecker klingelt zum ersten Mal- &#8222;Ach&#8220; denkt&#8220;, er sich, dr\u00fcckt auf &#8222;Snooze&#8220; und dreht sich wieder um, um sich tiefer in sein Bett zu kuscheln. Neben ihm liegt eine Frau. H\u00fcbsch ist sie, doch er kennt sie kaum, wei\u00df nicht viel \u00fcber sie und fr\u00e4gt sich, wohin es mit ihr f\u00fchren soll. 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