{"id":2941,"date":"2009-03-26T15:25:05","date_gmt":"2009-03-26T14:25:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=2941"},"modified":"2009-03-26T15:25:05","modified_gmt":"2009-03-26T14:25:05","slug":"pumps-und-pissregen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=2941","title":{"rendered":"\/\/ pumps und pissregen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Nacht. Neonzeichen beleuchten meinen Weg. Es regnet. Zuerst ganz leicht, kaum sp\u00fcr- und sehbar, dann immer st\u00e4rker und intensiver.<\/p>\n<p>Der Regen trommelt auf meinen Kopf, innerhalb von Sekunden sind meine Haare durchweicht und meine Pumps k\u00f6nnten kleine M\u00e4useboote sein.<br \/>\nJap, ich triefe vor N\u00e4sse. <strong>&#8222;Toll&#8220;<\/strong>, murmle ich gnatschig vor mich hin. Ich senke meinen Kopf nach unten, ziehe den Nacken ein und stampfe durch die Pf\u00fctzen.<br \/>\n<strong>&#8222;So ein Mist,&#8220;<\/strong> flucht es in mir. Es regnet und regnet und der Heimweg, kommt mir immer l\u00e4nger und l\u00e4nger vor. Alles zieht sich wie Kaugummi und die Neonzeichen werden langsam unscharf. Zwischen den Pflastersteinen bilden sich kleine Rinnsale, kleine rei\u00dfende B\u00e4che die den Dreck des Tages mit sich hinfort sp\u00fclen. Und ich stampfe immer noch muffig \u00fcber sie hinweg. <!--more--><br \/>\nJa, und da passiert es, mein Pumps verhakt sich zwischen 2 Pflastersteinen. Flup und weg ist er. In meiner Wut habe ich einen ganz sch\u00f6nen Zahn drauf und so stehe ich nun, auf einem Bein, 1 m weiter vorne, ohne rechten Pumps.<br \/>\nIch bleibe stehen.<\/p>\n<p>Ja, ich wusste es ja gleich, hohe Schuhe anziehen war von vorne herein eine bl\u00f6de Idee. Da stehe ich, mitten im Regen, nur noch einen Pumps an und motze innerlich vor mich hin. <strong>&#8222;So ein Mist so ein doofes Wetter&#8220;<\/strong>.<br \/>\n<strong>Maaahhhhhnnnnnn<\/strong> und \u00fcberhaupt was ist das f\u00fcr ein bescheuerter Tag. Zum ausflippen. W\u00e4hrend ich so dastehe und in meiner Wut f\u00f6rmlich aufgehe, \u00fcberlege ich mir, wie ich mich nun am Besten meinem aschenputtelm\u00e4\u00dfig verlassenen Schuh wieder n\u00e4here.<br \/>\nAuf einem Bein h\u00fcpfend? Es ist glatt dank des sinnflutartigen Regens und einbeinig auf einem Pumps h\u00fcpfend, das klingt schon so nach B\u00e4nderriss.<br \/>\nDoofe Idee, n\u00e4chste Idee. Meine F\u00fc\u00dfe sind ja eh schon pitschepatsche nass, also kann ich auch gleich humpelnd, weil 9 cm Beinunterschied von rechts nach links, zu meinem Cinderellaschuh wackeln. Ich mache einen Schritt und schon komme ich mir bl\u00f6d vor. Mein Fu\u00df, unvorstellbar, aber tats\u00e4chlich so, noch nasser als zuvor.<\/p>\n<p><strong>Grrrrrrrr<\/strong> macht es in mir&#8230;..mit der linken Hand rei\u00dfe ich mir nun sehr schwungvoll auch meinen linken Pumps vom Fu\u00df. Meine Haare klatschen mir ins Gesicht, \u00fcberall bin ich nass, bis in die Glieder zieht es mir und ich grummle nur vor mich hin. Mit dem linken Pumps bewaffnet und in der linken Hand halten, stampfe ich zu einer nahegelegenen Bank, lasse mich mit Anlauf drauf fallen. Auch da ist es nass, aber das ist ja inzwischen eh <strong>&#8222;wurschd&#8220;<\/strong>. Meine Jeans ist ebenso durchweicht wie mein Oberteil.<\/p>\n<p>Den Schuh immer noch in der Hand haltend, knalle ich meine kleine Handtasche neben mich auf die Bank. Mit meinen nassen Finger versuche ich meine Tasche zu \u00f6ffnen.<br \/>\n<strong>&#8222;Zigarette&#8220;<\/strong> denk ich genervt. Nerv\u00f6s fummle ich in meiner Tasche umher, suche meine Glimmstengel und mein Feuerzeug. Na endlich, da sind sie, und wo ist nun das Feuer? Achja, da. Ein heikles Unterfangen, bei einem solchen Wetter seine Zigarette anzubekommen. Die Finger sind eh schon nass und dank dem Dauerregen, auch bald die Zigarette, aber ich bekomme sie an.<br \/>\nDa sitze ich. Links von mir steht mein Pumps in dem inzwischen Wasser steht.\u00a0 Rechts von mir meine Handtasche, die auch eine Dusche abbekommen hat. Kraftvoll puste ich den Rauch aus meinen Lungen in die regengef\u00fcllte Luft.<br \/>\n<strong>&#8222;Menno&#8220;<\/strong>. Ich atme durch. ein paar Meter vor mir, steht immer noch recht schief, mein im Pflaster verklemmter rechter Pumps. Ich drehe den Kopf schr\u00e4g, ziehe wieder an meiner Zigarette und betrachte mein Meisterwerk. Ich strecke meine F\u00fc\u00dfe aus, die Fu\u00dfspitzen nach vorne, die Knie durchgestreckt und tippe\u00a0 und wippe mit meinen Fu\u00dfspitzen auf das nasse Pflaster vor mir.<\/p>\n<p>Langsam beruhige ich mich, kalt ist es eigentlich nicht mehr, nur nass. Ich zieh an meiner Zigarette und starre auf meine Fu\u00dfspitzen.<br \/>\n<strong>&#8222;Bl\u00f6der tag, denkt es in mir. Bl\u00f6der bl\u00f6der bl\u00f6der saudoofer mega-ober-super-bl\u00f6dtag.&#8220; <\/strong><br \/>\nDas Aufstehen war noch in Ordnung, es ging, so sehr es eben geht, wenn man die ganze Nacht kaum ein Auge zugetan hat. Aber das war noch im Rahmen. Der Blick in den Spiegel, offenbarte mir, dass man mir meine geistige Umnachtung auch noch ansah. Meine Haare die in der Nacht ohne mich entschlossen hatten ihre Wuchsrichtung umzukehren oder der Schwerkraft zu trotzen.<br \/>\nUnd diese dunklen Schatten unter meinen Augen. Wuahr! Schlimm genug, dass man nicht schlafen kann, aber muss man es mir gleich wie eine Visitenkarte in die Visage schreiben?!<br \/>\nHilft ja alles nichts dachte ich heute morgen, wasche mir erst einmal das Gesicht mit kaltem Wasser und b\u00e4ndige meine Haare mit allem was mein Beautyschrank so hergibt, was nicht viel ist. Das Ergebnis kann sich nicht sehen lassen ein &#8222;bad hair day&#8220; vom Allerfeinsten. Selbst mit Haargummi sind die wilden Haare nicht zu b\u00e4ndigen.<br \/>\nIch schl\u00fcrfe in die K\u00fcche, mache Kaffee&#8230;..2 mal versch\u00fctte ich Kaffeepulver, weil ich mit meinem vollgeladenen L\u00f6ffel die Kaffeemaschine nicht treffe&#8230;.<strong>m\u00f6p<\/strong>&#8230;.nachdem das geschafft ist, und die Maschine vor sich hintuckert schlappe ich mit meinen hello kitty Hausschuhen zu meinem Kleiderschrank. Jeans, Chucks, Pulli und Leckerjacke. Schl\u00fcrfe meinen Kaffee und fr\u00fchst\u00fccke eine Zigarette.<strong> &#8222;Auf geht&#8217;s.&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Arbeit keine gr\u00f6\u00dferen Vorkommnisse, bis auf die Oma die mir den Schlaf im Gesicht zwar ansieht, aber trotzdem das penetrante Bed\u00fcrfnis hat sich mit mir \u00fcber das Wetter zu unterhalten. Ich nicke schwach und versuche zu L\u00e4cheln. Sie steigt aus.<strong> &#8222;Halleluja.&#8220;<\/strong> Um niemandem anderem mehr die Chance zu geben mich anzuquatschen, fische ich meinen Mp3 Player aus meiner Tasche und st\u00f6psle mir die H\u00f6rer ins Ohr. <strong>Ruhe. <\/strong><\/p>\n<p>Ich vergesse die Bahnfahrt die Menschen um mich herum. alles wirkt wie in einem Film. Die Klavierkl\u00e4nge die aus meinem Ohrh\u00f6rer str\u00f6men beruhigen mich. Ich steige aus. Laufe durch die Menschenmenge aber es macht mir nichts mehr aus.<\/p>\n<p>Und pl\u00f6tzlich bin ich wieder zur\u00fcck, im Regen, auf meiner Parkbank, auf meinen Pumps starrend und mit einer fast abgebrannten Zigarette in der rechten Hand. Pl\u00f6tzlich bin ich wieder im jetzt und hier und nicht bei meinem morgendlichen Aufstehzirkus.<br \/>\nMeine beste Freundin ist mit einem Typen abgezogen, eine Stunde lang war sie verschwunden, bis ich mich entschied nach Hause zu gehen. So wie es alle anderen vorher schon l\u00e4ngst getan hatten. Ihr Handy hat sie nicht mehr abgenommen. Also entschloss ich mich genervt alleine nach Hause zu laufen bevor mich der n\u00e4chste Betrunkene Vollpfosten fragen konnte: <strong><em>&#8222;Na auch alleine hier?!&#8220;<\/em><\/strong> Der Tag war ja eh schon nicht meiner, also lieber Heim und ins Bett und versuchen Schafe zu\u00a0 z\u00e4hlen um wenigstens diese Nacht schlafen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Meldodie des Klavierst\u00fccks surrt noch durch meinen Kopf. Was w\u00fcrde ich jetzt f\u00fcr meinen Mp3 Player geben und f\u00fcr diese St\u00fcck. So, dass ich wie heute morgen, einfach nach Hause schweben k\u00f6nnte.<br \/>\nIn meinen Gedanken und der der Melodie versunken bemerke ich nicht, wie sich mir ein junger Mann n\u00e4hert. Er hat die H\u00e4nde in den Hosentaschen. Blickt auf den Boden und auf die Schuhspitzen seiner Chucks. Vor ihm steht mein Pumps, verdutzt schaut er ihn an, schaut mich an, aber ich bemerke es nicht. Er b\u00fcckt sich und befreit meinen Pump aus seinem Pflastergef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Langsam geht er auf mich zu, er merkt, dass ich vor mich hin tr\u00e4ume und eigentlich gerade mit meinem Bewusstsein auf irgendeiner Sph\u00e4re schwebe.<br \/>\nSch\u00fcchtern, etwas verschmitzt, neigt er leicht den Kopf zur Seite und l\u00e4chelt mich an, langsam nehme ich ihn wahr und entziehe mich aus meinem Delirum das gef\u00fcllt ist mit Klavierarkorden.<br \/>\n<strong><em>&#8222;Geh\u00f6rt der dir,&#8220;<\/em><\/strong> fr\u00e4gt er und hebt den Pump nach oben. Ich muss lachen, nehme linken Schuh und sage. <strong><em>&#8222;Jap, sieht wohl so aus.&#8220;<\/em> <\/strong>S\u00fc\u00df ist er denke ich. Aber blamiert hast du dich gerade, der muss denke du bist eine Irre. Wie du da sitzt auf der Bank, v\u00f6llig abgekl\u00e4rt und abwesend, mit Schuh und Tasche neben dir und mit dem aussehen den ersten Preis in einem <strong>&#8222;Wetpudel-Contest&#8220;<\/strong> gewinnen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDoch er scheint sich gar nicht zu wundern. Er fr\u00e4gt auch nicht was ich da tue oder warum ich meinen Schuh verwaisen lasse.<\/p>\n<p>Nein, anstatt dessen, macht er einen Schritt auf mich zu, kniet sich vor mich hin und sagt: <strong><em>&#8222;Hier Cinderella, dein Schuh.&#8220;<\/em><\/strong> Da ich wei\u00df, dass es nur ein Scherz ist und er dazu ganz spitzb\u00fcbisch grinst, lasse ich es zu, dass er mir den Schuh anzieht. Bei jedem anderen w\u00e4re es ein bl\u00f6der Anmachspruch gewesen und in meiner Laune h\u00e4tte ich ich wahrscheinlich rund gemacht, wie schleimig denn sowas sei und ob er nicht auch noch findet, dass meine Augen perfekt zu seiner Bettw\u00e4sche passen.<br \/>\nAber er, er meint es ganz nett und eigentlich, ist es ja auch ganz kreativ in der Situation. Ich h\u00e4tte mich nicht angesprochen in meiner <em>&#8222;ich-bin-nicht-auf-dieser-Welt-Haltung&#8220;<\/em>. Ich muss lachen. Schl\u00fcpfe in den Schuh den er mir so nett bereit h\u00e4lt. Schl\u00fcpfe in meinen zweiten Pumps und grinse.<br \/>\n<strong><em>&#8222;Schei\u00df Tag gehabt?&#8220;<\/em><\/strong> fr\u00e4gt er. Als w\u00fcrde er es mir ansehen, <strong><em>&#8222;Ja,&#8220;<\/em> <\/strong>murmle ich. er antwortet nur:<em> <strong>&#8222;Ja ich auch.&#8220;<\/strong> <\/em><\/p>\n<p>Verlegen fr\u00e4gt er ob er mich zu Mc Donalds einladen darf und ich strahle \u00fcber da ganze gesicht. &#8222;<strong>Yeah fastfood<\/strong>,&#8220; sage ich begeistert, das einzig Wahre nach eine &#8222;bad-hair wethair und \u00fcberhaupt bl\u00f6dday&#8220;.<br \/>\nZwei Cheesburger sp\u00e4ter und meine Welt ist wieder in Ordnung. Mit der Cinderella-Aktion hat er mich nicht \u00fcberzeugt, aber mit der Seelenverwandtschaft im Bezug auf die Vorliebe f\u00fcr &#8222;n\u00e4chtliche Cheesburger Vermampfung&#8220; und den intuitven Art zu wissen, dass ich einen schei\u00df Tag hatte und genau das gebraucht habe: <strong>einen Witz, einen Cheesburger und einen verkappten M\u00e4rchenprinzen.<br \/>\n<\/strong><em>\/\/ ella<\/em><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Nacht. Neonzeichen beleuchten meinen Weg. Es regnet. Zuerst ganz leicht, kaum sp\u00fcr- und sehbar, dann immer st\u00e4rker und intensiver. Der Regen trommelt auf meinen Kopf, innerhalb von Sekunden sind meine Haare durchweicht und meine Pumps k\u00f6nnten kleine M\u00e4useboote sein. Jap, ich triefe vor N\u00e4sse. &#8222;Toll&#8220;, murmle ich gnatschig vor mich hin. 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