{"id":3020,"date":"2009-04-04T13:32:14","date_gmt":"2009-04-04T12:32:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=3020"},"modified":"2009-04-29T13:53:57","modified_gmt":"2009-04-29T12:53:57","slug":"liebesillusionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=3020","title":{"rendered":"\/\/ liebesillusionen"},"content":{"rendered":"<p><em>Manche Menschen treten ganz pl\u00f6tzlich in unser Leben, wie ein Unwetter, Donner und Blitz. Und genauso, wie sie kommen verschwinden sie auch wieder, nicht ohne eine Verw\u00fcstung zu hinterlassen.<\/em><!--more--><\/p>\n<p>Es ist Liebe auf den ersten Blick.<br \/>\n<em>\u201cLiebe auf den ersten Blick\u201d<\/em>, r\u00e4uspert sie skeptisch und sch\u00fcttelt dabei ihren kleinen runden Kopf.<\/p>\n<p>Sie schmachtet Illusionen nach, wenn sie \u00fcber beide Ohren verliebt ist, denn El hat die Angewohnheit, ihre Liebesobjekte hoffnungs<em>los<\/em> zu idealisieren, so dass es, wenn es denn je zu so etwas wie einer Liebesgeschichte kommt, meist nie l\u00e4nger als eine Woche andauert. Denn das, was mit dem frischen Liebespaar in El\u00b4s Tr\u00e4umen passiert, ist gar nicht mehr wert gemeinsam zu teilen. El weiss darum, nur eines weiss sie nicht. Wie kann sie aus diesem Boot aussteigen, das sie immer wieder an die selbe Stelle f\u00e4hrt.<br \/>\n<em><br \/>\nDies trug sich zu..<\/em><br \/>\nEine Frau &#8211; sie ist ein paar Jahre \u00e4lter als El, hat lange blonde Haare und einen warmen, umsorgenden Blick. El f\u00fchlt sich auf eine Art und Weise aufgefangen in ihrer N\u00e4he. El bewundert sie, f\u00fcr alles das, was sie hat und ihr fehlt: Blonde Haare, gr\u00fcne Augen, sehnige H\u00e4nde und dieses L\u00e4cheln!<br \/>\nTag und Nacht ist sie in ihren Gedanken.<br \/>\nIn ihrem Kopf und ihrem Bauch..<br \/>\nSt\u00e4ndig sucht El nach extremen Ver\u00e4nderungen in ihrer Umwelt, nur um die Langsamkeit ihrer Ann\u00e4herung auch nur irgendwie kompensieren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nEs bringt sie fast um den Verstand, findet sie nichts ad\u00e4quates.<br \/>\nOft, wenn sie es gar nicht mehr aush\u00e4lt, sucht El sie in den Stra\u00dfen, in denen sie sich einmal begegneten.<\/p>\n<p>Als sie das vorletzte Mal miteinander telefonierten quoll es pl\u00f6tzlich unwillk\u00fcrlich aus El heraus.<\/p>\n<p><em>\u201eIch liebe Dich!\u201c<\/em><\/p>\n<p>El dachte sich vorher, <em>\u00b4Es w\u00e4re an der Zeit mein Leben wieder neu zu strukturieren, wieder eine Linie, eine Klarheit zu finden. Das geht nur mit dieser Wahrheit.\u00b4<\/em><\/p>\n<p>Ihre gemeinsame Distanz war einfach zu realistisch geworden.<br \/>\nEl wollte ihr keinen Grund mehr f\u00fcr Zur\u00fcckhaltung geben. Sie sollte wissen, dass sie mit ihr zusammen sein m\u00f6chte.<\/p>\n<p><em>\u201cIch liebe Dich\u201d. <\/em><\/p>\n<p>Es hallte noch lange in ihr nach, <em>`Liebe Dich, liebe Dich!`<\/em><\/p>\n<p>Die Monate voller Sehnsucht zogen in rasanter Geschwindigkeit an ihr vor\u00fcber.<\/p>\n<p><em>\u00b4Was habe ich da eben gesagt? Spinnst du?!\u00b4<\/em>, schie\u00dft es ihr durch den kleinen runden Kopf.<br \/>\nSie sagte nichts dazu. Sie will sich n\u00e4chste Woche wieder melden.<br \/>\nBeide legten auf.<br \/>\nEl schipperte in ihren Gedanken kreuz und quer.<br \/>\nEs begannen N\u00e4chte mit wenig Schlaf, Tage mit Wachen vor dem Telefon, Lust- und Alptr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Sie rief nicht an.<br \/>\nEs kr\u00e4nkte El.<\/p>\n<p>Doch dann klingelte das Telefon und die blonde Z\u00f6gerliche fragte, was El mit dem Satz<em> \u201cIch liebe Dich\u201d<\/em> gemeint habe.<em> \u201cWas ist das f\u00fcr eine Art Liebe?\u201d<\/em> Es folgte eine Aufz\u00e4hlung, aus der sie sich etwas aussuchen sollte. El antwortete, <em>\u201cvon Frau zu Frau\u201d<\/em>. <em>\u201cDas geht nicht! Das kann ich nicht!\u201d<\/em>, kam forsch und nahtlos zur\u00fcck.<br \/>\nNach dieser Antwort verstand El den vorwurfsvollen Unterton, den sie unter <em>\u201eArt von Liebe\u201e<\/em> gelegt hatte. Er kam <em>\u201cWie kannst Du nur!?\u201d<\/em> sehr nahe. <em>\u201eDas passiert schon mal!\u201c<\/em>, antwortete sie abwertend, als h\u00e4tte El etwas Quark auf ihrem T-Shirt verkleckert. In diesem Augenblick verlor El die Achtung vor ihr, wurde zornig, dachte an die Frau, die sie an ihren letzten Treffen verk\u00f6rperte und legte ohne zu z\u00f6gern auf. \u00dcber eine Woche hatte El also auf diese Absage gewartet. Noch am selben Abend sprach die &#8222;Z\u00f6gerliche&#8220; auf El\u00b4s Anrufbeantworter. Irgendetwas von <em>\u201cSchade, ich dachte du w\u00e4rst erwachsener, viel Gl\u00fcck f\u00fcr dich, ..Vorw\u00fcrfe.., vielleicht sieht man sich ja, Hallo, Tsch\u00fc\u00df..\u201d <\/em><\/p>\n<p>Nun hatte El, was sie wollte. Keine Illusionen mehr, daf\u00fcr Realit\u00e4t und Klarheit. Marlene Dietrich fiel ihr seltsamerweise ein, <em>\u201cDie dumme, dumme Liebe!\u201d<\/em> Sie tr\u00f6stete sich damit und erinnerte sich an all die gescheiterten Beziehungen in ihrem Leben. El kannte sich nun ein wenig und wusste, dass sie nun wieder lange Zeit brauchen w\u00fcrde, um einen Menschen so nah an sich heranzulassen. Ihr fielen alte Briefe an ihren ersten Brieffreund ein. Damals schrieben sie immer in Reimform, hochphilosophische Texte. Sie las ein wenig darin und bemerkte, dass sich seit all den Jahren nichts gro\u00dfartig ge\u00e4ndert hatte. Das Schema war doch immer das selbe.<br \/>\nNur einen Satz musste sie laut wiederholen. <em>\u201cWie ich nur immer sein kann! So, dass ich den ersten Teufel in meine Arme schlie\u00dfe und in meiner H\u00f6lle zu einem Engel mache!\u201d <\/em>F\u00fcnf Jahre war dieser Satz bereits alt &#8211; er passte auch zu diesem Zeitpunkt wieder.<\/p>\n<p>Ein paar Monate sp\u00e4ter wurde ihr eine Frage gestellt: <em>\u201eWeshalb hast du so einen traurigen Blick?\u201c <\/em><br \/>\nEl meinte, dass sie nicht nur diesen h\u00e4tte, sondern noch viele andere, die ihr, Olka, einer Polin Mitte drei\u00dfig, noch verborgen seien.<br \/>\nSie erkl\u00e4rte El hochm\u00fctig, dass w\u00e4hrend ihrer Erziehung irgendetwas schief gegangen sei, sonst w\u00e4re sie nicht so schwerm\u00fctig.<\/p>\n<p>Olka war eines ihrer Blinddates und sollte eigentlich ein One-Night-Stand bleiben. Denn sie urteilte st\u00e4ndig, bevor sie auch nur einigerma\u00dfen stichhaltige Argumente f\u00fcr etwas erhielt. Das st\u00f6rte El, au\u00dferdem war sie \u00fcberhaupt nicht ihr Typ. Doch an dem Tag, als sie sich das erste Mal begegneten ging alles so schnell, das kaum Platz blieb, \u00fcber solche Makel nachzudenken. W\u00e4hrend sie durch die frostige Januarsnacht spazierten, kuschelten sie sich wie selbstverst\u00e4ndlich aneinander. El genoss es. Immerhin waren Z\u00e4rtlichkeiten f\u00fcr sie im Laufe der Zeit schon zur Seltenheit geworden. Olka schien es auch zu genie\u00dfen, sie grinste stumm.<br \/>\nSie liefen sp\u00e4ter genauso selbstverst\u00e4ndlich engumschlungen bis vor El\u00b4s Schlafzimmert\u00fcr.<br \/>\nAuch Olka hatte lange, blonde Haare und einen warmen, umsorgenden Blick. Und sofort war sie wieder da, die Erinnerung an damals. Es machte El etwas traurig, dass sie Olka schon in ihrer ersten Nacht gedanklich betrog und das auch noch mit ihrer Exfreundin, die gar keine war.<br \/>\nOlka lie\u00df ihr jedoch keine Ruhe mehr. Die Vorstellung, dass El ihre Melancholie nicht verbergen konnte war furchtbar! Sie f\u00fchlte sich ertappt und gleichzeitig entwaffnet. Olka stellte ihr die richtigen Fragen und sie gestand. Mitten in ihren Gespr\u00e4chen schlich das Vergangene vor\u00fcber und durfte endlich verg\u00e4nglich werden.<br \/>\nErinnerungen verschwammen. Die frei gewordenen Stellen f\u00fcllte Olka.<br \/>\nSie nahm El den Wind aus ihren Segeln, wenn sie unheilvoll begann zu schwelgen und in ihre Fantasiewelt abtauchen wollte.<br \/>\n\u201cKein Wunder, dass Du mit den Frauen immer Schiffbruch erleiden musstest, wenn Du vergisst den Anker zu lichten!\u201d<\/p>\n<p><em>Manche Menschen treten schleichend in unser Leben. Man will sie nicht unbedingt bei sich haben, weil sie unbequem sind und uns aus unseren eingefahrenen Spuren bringen.<\/em><\/p>\n<p>\/\/ linda<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Menschen treten ganz pl\u00f6tzlich in unser Leben, wie ein Unwetter, Donner und Blitz. 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