{"id":3059,"date":"2009-04-16T11:21:02","date_gmt":"2009-04-16T10:21:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=3059"},"modified":"2009-04-16T11:21:02","modified_gmt":"2009-04-16T10:21:02","slug":"ich-sage-nur-vielleicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=3059","title":{"rendered":"\/\/ ich sage nur vielleicht"},"content":{"rendered":"<p>Ich sage nur vielleicht<br \/>\nAn alle, die es noch nicht wussten: Die Semesterferien sind demn\u00e4chst\u00a0 zu Ende. Ja, sch\u00f6ne Sch***e, habe ich mir auch gedacht. War das nicht erst gestern, dass ich mir nach den \u201eunz\u00e4hligen\u201c Klausuren \u00a0 eine\u00a0 \u201estrenge Lernpause\u201c verordnen musste, um nicht st\u00e4ndig und \u00fcberall durch weltfremdes und neunmalkluges Gelaber aufzufallen, was mir nicht nur Unverst\u00e4ndnis und H\u00e4me in meinem Bekanntenkreis einbrachte, sondern nebenbei auch noch eine handfeste Beziehungskriese? Ach, Februar war das?<!--more--><br \/>\nTja, so kann es gehen. Eben noch die Freiheit genossen\u00a0 und erleichtert festgestellt, dass man sich beim einw\u00f6chigen Powerlernen doch keinen Burnout zugezogen hat, schon geht der Stress wieder los.<br \/>\nTrotz meines ausgefuchsten\u00a0 Planes, den Stoff f\u00fcrs kommende HS in Form von H\u00f6rb\u00fcchern beim Einschlummern ganz spielerisch in mein Unterbewusstsein aufzunehmen und dem ungebremsten Willen, das vergangene Russischsemester an einem einzigen Vormittag \u201eaufzufrischen\u201c weil ich die restliche Zeit dazu brauchen werde, mir endlich mal ein professorenkompatibeles Magisterarbeitsthema aus den Fingern zu saugen, \u00fcberf\u00e4llt mich Panik.<br \/>\nDa war ich mit meinem Semesterferienzeitmanagement doch mal wieder voll daneben gelegen. Habe ich nicht bis vor drei Tagen noch meinen gesamten Freundeskreis mit\u00a0 dauerschlechter Laune aus Gr\u00fcnden\u00a0 g\u00e4hnender Langeweile terrorisiert? Wollte ich mich nicht sogar selbst zu ehrenamtlicher Arbeit verdonnern, um mal wieder zu wissen, wie es sich anf\u00fchlt, gebraucht zu werden?<\/p>\n<p>Jetzt haben wir den Salat. Ich habe mich mal wieder heillos vertan, und der nun einsetzende Instinkt ist mir zwar mittlerweile vertraut und mit billigster Verhaltensbiologie auch leicht zu entschl\u00fcsseln, wirft in mir aber immer wieder die Frage auf, wie zur H\u00f6lle es meinen Vorfahren\u00a0 gelungen sein kann, den Fortbestand unserer Art mit so einer Arbeitseinstellung \u00fcberhaupt zu sichern. Wie aus dem Biologiebuch (war das zehnte Klasse?) folgt nun: die klassische \u00dcbersprungshandlung in einer ihrer armseligsten Auspr\u00e4gungen.<br \/>\nNat\u00fcrlich mache ich angesichts des unmenschlichen Berges an Arbeit, der mir in den n\u00e4chsten Tagen bevorsteht, nun keine Fehler mehr.<\/p>\n<p>Nein, ich fange nicht sofort planlos an, mich knietief darin zu versenken, nene, ich rolle mich erst mal gem\u00fctlich zusammen unter der Decke des \u201evielleicht\u201c. Gelernt ist gelernt. F\u00fcr was ist man schlie\u00dflich Geisteswissenschaftler? Ich sehe es in Anbetracht meiner rabenschwarzen beruflichen Perspektive geradezu als meine Pflicht an, mich\u00a0 immer wieder in \u00e4u\u00dferst brenzlige und v\u00f6llig aussichtslose Situationen zu begeben, um dann im Angesicht meiner unz\u00e4hligen, \u00fcberdimensionalen\u00a0 Probleme in eine Art Totenstarre zu fallen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Prozesse laufen im Gehirn eines Rauchers ab, der in einem unbedachten Moment erkennt, dass die Zigaretten ihn eines sch\u00f6nen Tages noch umbringen werden. Der steckt sich auch sofort eine an. Man kann zusammenfassend durchaus sagen, dass ich selbst im Angesicht des alle Lebensbereiche bedrohenden Supergaus noch eine F\u00e4higkeit zum Aussitzen an den Tag legen kann, von der sich selbst unsere Kanzlerin mal eine Scheibe abschneiden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Jetzt darf man diese elegante Lauerstellung aber nicht mit Faulheit verwechseln. Es ist ja nicht so, dass ich und mit mir Millionen andere gemeine Aufschieber die Semesterferien nicht im Sinne der maximalen Wissensvermehrung geplant h\u00e4tten. Allein wo kein Wille ist, ist eben auch kein Weg.<br \/>\nVielleicht kennt der ein oder andere von euch dieses Problem. Nat\u00fcrlich werde ich es wie immer auf den letzten Dr\u00fccker doch noch schaffen, mich auf das neue Semester vorzubereiten, es kostet mich halt eine komplette Woche Dauerlernen bis tief in die Nacht inklusive vernachl\u00e4ssigter Freunde, beleidigtem Partner und Nikotin bis in die Haarspitzen. Dann habe ich es gemacht, weil es halt einfach sein musste.<\/p>\n<p>War das nicht auch mal anders gewesen? Man sagt das immer so leicht, dass man Germanistik, Soziologie oder Volkskunde studiert, am besten alles zusammen, und\u00a0 nach dem Studium einfach mal schaut was geht, eigentlich kann man ja eh alles machen.<br \/>\nInnendrin wei\u00df man doch genau, was Sache ist: Man kann schon alles machen, aber halt nichts gescheit. Daf\u00fcr braucht man nicht zu Studieren. Leidenschaft f\u00fcr ein Fach hin oder her, die sp\u00e4te Periode der Sangspruchdichtung hat mit dem Ernst des Lebens (der sich durchs Studieren auch nur hinausz\u00f6gern l\u00e4sst) nichts, aber auch gar nichts zu tun.<\/p>\n<p>Irgendwann war man doch mal stolz darauf gewesen, das zu machen was man will, und nicht das, was vern\u00fcnftig w\u00e4re. Jetzt ist man nur noch feige. Die ganze Aufschieberei ist ein Trick, um sich selbst vorzugaukeln, man h\u00e4tte keine Angst vor der Zukunft und brauche sich darauf auch gar nicht weiter vorzubereiten. Weil\u00a0 doch sowieso irgendwie wieder alles klappen wird. Es muss doch!<\/p>\n<p>Und so lebe ich vor mich hin und schiebe auf und verdr\u00e4nge und sage immer \u201evielleicht\u201c, weil wenn man etwas nur ein bisschen macht, dann ist das Scheitern auch nur ein bisschen schlimm. Ich jammere ein wenig \u00fcber meine Studienwahl und das ganze System, und stecke meine Energie dann doch lieber in meinen Sport und unz\u00e4hlige Nebenjobs. Alles andere ist viel zu unsicher. Keiner will untergehen.<\/p>\n<p>So was ist traurig und schade, und es ist gleicherma\u00dfen traurig und beruhigend\u00a0 zu wissen, dass es unz\u00e4hligen Studenten, aber nicht nur denen, genauso geht wie mir. Aber was soll man da jetzt weiter dr\u00fcber nachdenken? Da ist die Gefahr viel zu gro\u00df an einen Punkt zu gelangen, an dem man wei\u00df, dass es Zeit ist zu Handeln, und zwar trotz aller Angst vor dem Scheitern und dem tiefen Wissen, den Karren nicht erst mit der Studienwahl in den Dreck\u00a0 gefahren zu haben. Aber gerade jetzt \u00fcber so ein vertracktes Thema nachdenken? Das macht mich jetzt aber nerv\u00f6s. Vielleicht morgen. Oder?<\/p>\n<p><em>\/\/ anna milanovic<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sage nur vielleicht An alle, die es noch nicht wussten: Die Semesterferien sind demn\u00e4chst\u00a0 zu Ende. Ja, sch\u00f6ne Sch***e, habe ich mir auch gedacht. 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