{"id":31538,"date":"2024-09-03T23:05:37","date_gmt":"2024-09-03T21:05:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=31538"},"modified":"2024-09-03T23:07:28","modified_gmt":"2024-09-03T21:07:28","slug":"aufgelesen-vol-498-vierundsiebzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=31538","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (4)98 &#8211; &#8222;vierundsiebzig&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominierten Werk &#8222;Vierungsiebzig&#8220; von Ronya Othmann. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Ronya-Othmann-635x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31552\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Ronya-Othmann-635x1024.jpg 635w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Ronya-Othmann-186x300.jpg 186w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Ronya-Othmann-768x1239.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Ronya-Othmann-952x1536.jpg 952w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Ronya-Othmann-1269x2048.jpg 1269w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Ronya-Othmann-scaled.jpg 1586w\" sizes=\"(max-width: 635px) 100vw, 635px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Manchmal gibt es B\u00fccher, die packen dich einfach. Ich kann auch nach Schlie\u00dfen des Buchr\u00fcckens nicht aufh\u00f6ren, \u00fcber <strong>Ronya Othmann<\/strong>s neuen Roman \u201eVierundsiebzig\u201c nachzudenken. Schon jetzt ist klar, dass Othmann hier wirklich Gro\u00dfes geleistet hat. Ihr zweiter Roman ist eine Art von verst\u00f6rendem Zeitdokument, das uns auf eine ersch\u00fctternde Reise zu den Wurzeln eines der dunkelsten Kapitel unserer j\u00fcngeren Geschichte mitnimmt. Im Jahr 2014, als die Welt zusah, wie die \u00eaz\u00eedische Bev\u00f6lkerung in Shingal vom IS brutal angegriffen wurde, entfaltet sich die Geschichte in \u201eVierundsiebzig\u201c. Othmann, die mit ihrem Deb\u00fct \u201eDie Sommer\u201c bereits ein starkes Zeichen gesetzt hat, geht hier noch tiefer und unerschrockener an das Thema heran. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ihre Sprache ist dabei eine faszinierende Mischung aus Klarheit und Poesie \u2013 manchmal fast schon klinisch, wenn sie die Gr\u00e4ueltaten beschreibt, und dann wieder tief ber\u00fchrend, wenn sie die verzweifelte Trauer und den Schmerz der \u00dcberlebenden einf\u00e4ngt. Aber wie soll man Worte finden f\u00fcr das Unaussprechliche? Othmann meistert diese Herausforderung, indem sie dokumentarische Pr\u00e4zision mit einer Prise Fiktion versieht, und schafft so ein Werk, das weder in Sensationslust abgleitet noch im Schockzustand verharrt. \u201eVierundsiebzig\u201c ist definitiv kein Buch f\u00fcr nebenbei. Es ist kein leichter Schm\u00f6ker f\u00fcr eine entspannte Lesesession, sondern ein Werk, das tief unter die Haut geht und auch mal weh tut. Aber genau darin liegt seine Kraft. Es fordert uns heraus und \u00f6ffnet Wunden, die vielleicht nie ganz heilen werden, doch genau deshalb ist es so wichtig. Der pers\u00f6nliche Blickwinkel von Othmann, die selbst aus der Diaspora stammt und als Journalistin und Autorin in Deutschland lebt, verleiht dem Roman eine zus\u00e4tzliche Dimension, die einen nicht mehr losl\u00e4sst. \u201eVierundsiebzig\u201c ist dabei in seiner Dichte und Klarheit fast unertr\u00e4glich, doch gerade deshalb bringt es einen zum Nachdenken. Ronya Othmann beweist hier einmal mehr, dass sie eine der wichtigsten Stimmen der Gegenwartsliteratur ist \u2013 eine Stimme, der wir in Zeiten des Vergessens besonderes Geh\u00f6r schenken sollten. \u201eVierundsiebzig\u201c ist nicht einfach nur ein Buch, es ist ein Aufruf zur Wachsamkeit. Es ist beeindruckend, kraftvoll und unnachgiebig \u2013 ein verdienter Kandidat f\u00fcr den Deutschen Buchpreis 2024 und ein Werk, das uns noch lange begleiten wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominierten Werk &#8222;Vierungsiebzig&#8220; von Ronya Othmann. \/\/ Manchmal gibt es B\u00fccher, die packen dich einfach. Ich kann auch nach Schlie\u00dfen des Buchr\u00fcckens nicht aufh\u00f6ren, \u00fcber Ronya Othmanns neuen Roman \u201eVierundsiebzig\u201c nachzudenken. Schon jetzt ist klar, dass Othmann hier wirklich Gro\u00dfes geleistet hat. 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