{"id":31767,"date":"2024-09-19T19:59:45","date_gmt":"2024-09-19T17:59:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=31767"},"modified":"2024-09-19T20:06:27","modified_gmt":"2024-09-19T18:06:27","slug":"aufgelesen-vol-518-nostalgia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=31767","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (5)18 &#8211; &#8222;nostalgia&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem f\u00fcr den Buchpreis nominierten Werk &#8222;Nostalgia&#8220; von Andr\u00e9 Kubiczek.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Nostalgia-625x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31768\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Nostalgia-625x1024.jpg 625w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Nostalgia-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Nostalgia-768x1259.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Nostalgia-937x1536.jpg 937w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Nostalgia-1249x2048.jpg 1249w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Nostalgia-scaled.jpg 1561w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ &#8222;Nostalgia&#8220; von <strong>Andr\u00e9 Kubiczek<\/strong>, das in diesem Jahr f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, hat uns tief ber\u00fchrt und irgendwie auch total \u00fcberrascht. Denn Kubiczek?! Er bewegt sich abseits der alteingesessenen Pfade, er geht einen ganz anderen Weg. Zun\u00e4chst einmal die Geschichte: Sie beginnt mit Teo, einer jungen Laotin, die 1968 aus Liebe in die DDR kommt. Diese Vorstellung \u2013 jemand verl\u00e4sst sein Heimatland, um im sozialistischen Paradies der DDR anzukommen \u2013 ist schonmal ein spannender Ausgangspunkt. Aber schon von Anfang an sp\u00fcrt man, wie schwer es ist, in dieser scheinbar so offenen und solidarischen Gesellschaft wirklich anzukommen, besonders als Frau aus Asien. Teo k\u00e4mpft nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit der Fremdheit, die ihr jeden Tag entgegenschl\u00e4gt. Das Bild, das Kubiczek hier zeichnet, ist so vielschichtig und so ganz anders, als man es sonst kennt: die DDR nicht nur als Land der grauen Fassaden und strengen Regeln, sondern als ein Raum, in dem auch tiefes, allt\u00e4gliches Fremdsein existiert. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und dann Andr\u00e9, Teos Sohn, den wir 1982 als 12-J\u00e4hrigen kennenlernen. F\u00fcr ihn ist die DDR eigentlich sein Zuhause, aber gleichzeitig f\u00fchlt er sich nie wirklich zugeh\u00f6rig. Sein Alltag ist gepr\u00e4gt von der Suche nach Normalit\u00e4t, die ihm jedoch st\u00e4ndig entgleitet. Andr\u00e9 w\u00fcnscht sich nichts sehnlicher, als in der Schule nicht aufzufallen, einfach nur durchzukommen, ohne st\u00e4ndig das Gef\u00fchl zu haben, irgendwie \u201eanders\u201c zu sein. Und ja, wer kennt dieses Gef\u00fchl nicht? Diese Mischung aus Angst und dem Drang, sich anzupassen, zieht sich wie ein roter Faden durch Andr\u00e9s Leben. Und dann die schwierige famili\u00e4re Situation \u2013 eine kranke Mutter, ein j\u00fcngerer Bruder mit Behinderung \u2013 all das macht sein Aufwachsen nicht gerade einfacher. Was mich aber wirklich an diesem Buch beeindruckt hat, ist die W\u00e4rme, mit der Kubiczek diese Geschichte erz\u00e4hlt. Er urteilt nicht, er verkl\u00e4rt nichts. Es ist nicht dieser typische DDR-Nostalgie-Roman, in dem entweder alles furchtbar oder alles irgendwie besser war. Vielmehr zeigt er, wie kompliziert das Leben in der DDR f\u00fcr eine binationale Familie war, ohne in Schwarz-Wei\u00df-Malerei zu verfallen. Besonders Teos innerer Kampf, ihre Zerrissenheit zwischen der Liebe zu ihrer Familie und der Einsamkeit in einem Land, das sie nie ganz akzeptiert hat, hat uns tief bewegt. Kubiczek gelingt es, die komplexen Themen Fremdsein, Zugeh\u00f6rigkeit und kulturelle Identit\u00e4t so feinf\u00fchlig zu behandeln, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Dabei gibt es keine gro\u00dfen politischen Lektionen, keinen erhobenen Zeigefinger. Vielmehr sp\u00fcrt man beim Lesen diese leise Melancholie, die fast unmerklich von Seite zu Seite st\u00e4rker wird. Das ist das wahre Talent von Kubiczek: Er erz\u00e4hlt so nah an seinen Figuren, dass man gar nicht merkt, wie tief einen die Geschichte trifft, bis man pl\u00f6tzlich innehalten muss. Und vielleicht ist es auch das, was \u201eNostalgia\u201c so besonders macht. Es ist ein sehr pers\u00f6nliches Buch, nicht nur f\u00fcr Kubiczek selbst, der seine eigene Beziehung zur Mutter hier verarbeitet, sondern auch f\u00fcr jeden von uns, der sich irgendwann mal fremd gef\u00fchlt hat \u2013 sei es in einem anderen Land, in einer Schule oder sogar in der eigenen Familie. F\u00fcr uns ist \u201eNostalgia\u201c ein echtes Highlight dieses Jahres. Ein Buch, das nicht nur die Vergangenheit erz\u00e4hlt, sondern auch tief in die Gegenwart hineinreicht. Ein Buch \u00fcber Liebe, Verlust, Heimat \u2013 und dar\u00fcber, wie man manchmal nirgends wirklich dazugeh\u00f6rt. Absolute Leseempfehlung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem f\u00fcr den Buchpreis nominierten Werk &#8222;Nostalgia&#8220; von Andr\u00e9 Kubiczek. \/\/ &#8222;Nostalgia&#8220; von Andr\u00e9 Kubiczek, das in diesem Jahr f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, hat uns tief ber\u00fchrt und irgendwie auch total \u00fcberrascht. Denn Kubiczek?! Er bewegt sich abseits der alteingesessenen Pfade, er geht einen ganz anderen Weg. 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