{"id":31968,"date":"2024-10-16T21:27:50","date_gmt":"2024-10-16T19:27:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=31968"},"modified":"2024-10-16T21:27:52","modified_gmt":"2024-10-16T19:27:52","slug":"aufgelesen-vol-527-die-haut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=31968","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (5)27 &#8211; &#8222;die haut&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Die Haut&#8220; von Curzio Malaparte.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Curzio-Malaparte-625x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31969\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Curzio-Malaparte-625x1024.jpg 625w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Curzio-Malaparte-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Curzio-Malaparte-768x1259.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Curzio-Malaparte-937x1536.jpg 937w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Curzio-Malaparte-1249x2048.jpg 1249w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Curzio-Malaparte-scaled.jpg 1561w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Wenn ihr euch auf <em>Die Haut<\/em> von <strong>Curzio Malaparte <\/strong>einlasst, dann stellt euch darauf ein, dass ihr dieses Buch nicht mehr so schnell aus dem Kopf kriegt. Das Buch ist ein Blick in die dunkelsten Abgr\u00fcnde der Menschheit, und es tut weh, wirklich weh im wahrsten Sinne des Wortes. Aber es ist auch genau das, was es so faszinierend macht. Neapel, 1943. Italien liegt in Tr\u00fcmmern, moralisch und physisch, und Malaparte \u2013 sowohl der Autor als auch der Protagonist \u2013 nimmt uns mit auf eine Reise durch diese H\u00f6lle. Was f\u00fcr eine Kulisse! Tr\u00fcmmer, Tote, der Vesuv, der drohend \u00fcber allem schwebt. Und inmitten dieses apokalyptischen Szenarios k\u00e4mpfen die Menschen ums \u00dcberleben \u2013 Frauen und M\u00e4nner verkaufen sich, Soldaten kaufen. Es geht nicht mehr nur um Waffen und Schlachten, sondern um den gnadenlosen Krieg um die W\u00fcrde, oder was davon noch \u00fcbrig ist. Malaparte ist zynisch und philosophisch zugleich, was diesen Roman so widerspr\u00fcchlich packend macht. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auf der einen Seite beschreibt er das Elend und die moralische F\u00e4ulnis mit einer Sch\u00e4rfe, die dir den Atem raubt. Auf der anderen Seite gibt es diese seltsam poetischen Passagen, wo du dich dabei ertappst, wie du fast vergisst, wie grausam die beschriebenen Szenen eigentlich sind. Das ist der Moment, wo du merkst, dass <em>Die Haut<\/em> viel mehr ist als nur eine historische Momentaufnahme. Es ist eine radikale Abrechnung mit dem Menschsein selbst \u2013 und vielleicht auch eine Warnung an uns alle. Malaparte stolpert durch diese Welt als Verbindungsoffizier, der auf der Seite der Sieger steht, aber gleichzeitig in der Rolle des Beobachters verharrt, der nicht wirklich dazugeh\u00f6ren will. Das gibt dem Ganzen eine zynische Distanz, die jedoch immer wieder aufbricht, wenn Malaparte zu tief hineinsieht. Diese Doppelrolle zwischen Beteiligtem und Kommentator macht ihn zu einem der interessantesten Protagonisten, denen ich je begegnet bin. Er ist alles andere als ein Held, und gerade deshalb ist er so menschlich. Was mich aber wirklich umgehauen hat, sind die Bilder, die Malaparte mit seiner Sprache malt. Es sind keine leichten, sch\u00f6nen Bilder. Es sind schreckliche, aber gleichzeitig unvergessliche Darstellungen der Zerst\u00f6rung. Die Stadt Neapel selbst wird zu einer Art lebendigem Wesen, das ebenso leidet wie die Menschen darin. Und dann der Ausbruch des Vesuvs \u2013 ein Naturereignis, das fast wie eine Art Katharsis wirkt, als ob die Natur selbst schreit: &#8222;Es reicht!&#8220; Wer nach einem traditionellen Kriegsroman sucht, wird hier nicht f\u00fcndig. <em>Die Haut<\/em> ist alles andere als konventionell. Es ist philosophisch, es ist tiefschwarz und schmerzhaft ehrlich. Es gibt keinen Glanz, keine heroischen Schlachten. Stattdessen gibt es jede Menge moralische Abgr\u00fcnde und das beklemmende Gef\u00fchl, dass der Mensch in Extremsituationen zu allem f\u00e4hig ist. In einer Zeit, in der uns die Nachrichten t\u00e4glich mit neuen Konflikten konfrontieren, f\u00fchlt sich dieses Buch bedr\u00fcckend aktuell an. Es ist fast, als ob Malaparte uns mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit schleudert, nur um uns zu zeigen, dass sich im Kern nicht viel ge\u00e4ndert hat. Die Konflikte m\u00f6gen andere sein, die Mechanismen, wie der Krieg die Seele frisst, sind jedoch zeitlos. Wenn ihr etwas lesen wollt, das euch herausfordert und lange nachhallt, dann ist <em>Die Haut<\/em> definitiv das richtige Buch. Aber seid gewarnt: Es wird euch nicht schonen. Es ist ein Schlag in die Magengrube der Menschlichkeit \u2013 und vielleicht gerade deshalb so notwendig. Curzio Malaparte ist mit <em>Die Haut<\/em> ein literarisches Meisterwerk gelungen, das einen gnadenlosen Blick auf Krieg und Menschlichkeit wirft. Kein Buch f\u00fcr schwache Nerven, aber ein absoluter Pflichtstoff f\u00fcr alle, die bereit sind, sich der dunklen Seite der Geschichte und des Menschen zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Die Haut&#8220; von Curzio Malaparte. \/\/ Wenn ihr euch auf Die Haut von Curzio Malaparte einlasst, dann stellt euch darauf ein, dass ihr dieses Buch nicht mehr so schnell aus dem Kopf kriegt. 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