{"id":32054,"date":"2024-11-13T21:20:35","date_gmt":"2024-11-13T20:20:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32054"},"modified":"2024-11-14T18:28:14","modified_gmt":"2024-11-14T17:28:14","slug":"aufgelese-vol-537-bravo-bar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32054","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (5)37 &#8211; &#8222;bravo bar&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Bravo Bar&#8220; von Kersty Grether.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Kersty-Grether-682x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32061\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Kersty-Grether-682x1024.jpg 682w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Kersty-Grether-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Kersty-Grether-768x1154.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Kersty-Grether-1023x1536.jpg 1023w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Kersty-Grether-1363x2048.jpg 1363w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Kersty-Grether-scaled.jpg 1704w\" sizes=\"(max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Als ich <em>Bravo Bar<\/em> aufschlug, wusste ich sofort, dass ich hier etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches in den H\u00e4nden halte. <strong>Kersty Grether<\/strong> wirft uns mitten hinein in die Berliner Kulturszene, wo Stra\u00dfenrap und Aktivismus auf existenzielle Krisen treffen \u2013 und alles pulsiert im Beat eines endlosen Sommers. Grether nimmt uns mit auf eine wilde, poetische und zutiefst menschliche Reise, die sich in all ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit und ihrem Facettenreichtum wie ein musikalisches Meisterwerk entfaltet. Im Zentrum stehen drei Figuren, die so unterschiedlich und doch miteinander verbunden sind, dass sie sich gegenseitig nicht loslassen k\u00f6nnen. Da ist Rachelle, die erfolgreiche Stra\u00dfenrapperin, die gerade ihren Kampf gegen Brustkrebs durchlebt. Grether beschreibt ihre Chemotherapie als einen Drogentrip, der sie emotional und physisch aus den Fugen hebt. Die Intensit\u00e4t dieser Schilderung hat mich tief bewegt, weil sie die Fragilit\u00e4t des Lebens inmitten der urbanen H\u00e4rte von Berlin so greifbar macht. Man sp\u00fcrt f\u00f6rmlich die Ersch\u00f6pfung, die Verwirrung, aber auch die brutale Ehrlichkeit dieser Reise. Und dann ist da Timo, der sich f\u00f6rmlich vor Rachelle verneigt, weil sie f\u00fcr ihn eine Art Muse darstellt. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Chemie zwischen diesen beiden Figuren \u2013 ihre ungesagten Worte, ihre unausgesprochene Leidenschaft \u2013 hat mich in ihren Bann gezogen. Aber was <em>Bravo Bar<\/em> wirklich ausmacht, ist die Figur von Greta. Die Aktivistin und beste Freundin von Timo bringt eine explosive Dynamik in diese ohnehin schon aufgeladene Szenerie. Mit ihrer &#8222;magisch guten Laune&#8220; ist sie der Lichtblick inmitten der emotionalen Dunkelheit der anderen beiden. Doch auch sie k\u00e4mpft mit ihren eigenen inneren D\u00e4monen und den H\u00f6hen und Tiefen des Begehrens. Grether hat mit Greta eine Figur geschaffen, die einerseits so pr\u00e4sent und lebensfroh ist, andererseits aber auch in ihrer Zerbrechlichkeit unglaublich ber\u00fchrend wirkt. Sie ist die Verbindung zwischen Timo und Rachelle, und ohne sie w\u00fcrde das Trio auseinanderbrechen. Und \u00fcber allem schwebt die Bravo Bar, ein realer und zugleich symbolischer Ort, an dem sich die Figuren immer wieder treffen und verlieren. Die Bar steht nicht nur f\u00fcr Berlins legend\u00e4re N\u00e4chte, sondern auch f\u00fcr die Sehnsucht nach Best\u00e4ndigkeit in einem Leben, das alles andere als stabil ist. Grether jongliert meisterhaft mit verschiedenen Stilen und Perspektiven, wobei jede Figur ihre eigene Erz\u00e4hlstimme und ihren eigenen Rhythmus bekommt. Besonders eindrucksvoll ist, wie sie den Soundtrack aus Deutschrap nahtlos in die Geschichte einflie\u00dfen l\u00e4sst. Die Beats und Texte begleiten nicht nur die Figuren, sondern setzen auch den Ton im gesamten Roman. Man hat das Gef\u00fchl, man w\u00fcrde neben Rachelle, Timo und Greta durch die Parks von Berlin laufen, durch die verschwitzten N\u00e4chte tanzen, und dabei immer von dieser Musik begleitet werden. Ein weiterer Aspekt, der mich fasziniert hat, ist das Geheimnis zwischen Rachelle und Greta \u2013 eine dunkle, gewaltvolle Nacht in Hamburg, die wie ein Schatten \u00fcber ihrer Freundschaft liegt. Dieses Trauma gibt der Geschichte eine zus\u00e4tzliche Tiefe und dr\u00e4ngt die Frage in den Vordergrund, wie man mit der Vergangenheit umgeht, die man nicht absch\u00fctteln kann. Grether packt hier harte Themen an, und das auf eine Art, die mich als Leserin nicht nur ber\u00fchrt, sondern auch zum Nachdenken angeregt hat. <em>Bravo Bar<\/em> ist ein Buch, das vibriert, laut ist und leise zugleich. Es ist ein literarischer Rundumschlag, der mitrei\u00dft und manchmal auch verst\u00f6rt. Grether schafft es, eine Geschichte \u00fcber Identit\u00e4t, Schmerz, Liebe und Freundschaft zu erz\u00e4hlen, die unglaublich zeitgem\u00e4\u00df ist, ohne sich dabei in Klischees zu verlieren. Es ist ein Roman, der lange nachklingt, ein bisschen wie ein Song, der sich immer wieder in deinen Kopf schleicht, selbst wenn du denkst, du hast ihn l\u00e4ngst vergessen. F\u00fcr alle, die Berlin lieben, die Musik feiern oder einfach auf der Suche nach einer tiefgr\u00fcndigen, aber dennoch leichtf\u00fc\u00dfigen Geschichte sind, ist <em>Bravo Bar<\/em> eine absolute Empfehlung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Bravo Bar&#8220; von Kersty Grether. \/\/ Als ich Bravo Bar aufschlug, wusste ich sofort, dass ich hier etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches in den H\u00e4nden halte. 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