{"id":32821,"date":"2025-03-16T09:08:59","date_gmt":"2025-03-16T08:08:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32821"},"modified":"2025-03-16T09:09:32","modified_gmt":"2025-03-16T08:09:32","slug":"aufgelesen-vol-659-wo-der-name-wohnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32821","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (5)69 &#8211; &#8222;wo der name wohnt&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Wo der Name wohnt&#8220; von Ricarda Messner. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Ricarda-Messner-627x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32827\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Ricarda-Messner-627x1024.jpg 627w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Ricarda-Messner-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Ricarda-Messner-768x1255.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Ricarda-Messner-940x1536.jpg 940w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Ricarda-Messner-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Ricarda-Messner-scaled.jpg 1567w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Es gibt B\u00fccher, die eine Geschichte erz\u00e4hlen \u2013 und es gibt B\u00fccher, die einen Nachhall hinterlassen, die etwas ber\u00fchren, das sich nicht einfach in Worte fassen l\u00e4sst. <strong>Ricarda Messner<\/strong>s <em>Wo der Name wohnt<\/em> ist genau so ein Buch. Ein stiller, feinf\u00fchliger Roman \u00fcber Herkunft, Erinnerung und die Spuren, die eine Familie hinterl\u00e4sst. Es ist eine Erz\u00e4hlung \u00fcber einen Namen, \u00fcber die Vergangenheit, \u00fcber Dinge, die bleiben \u2013 und Dinge, die verschwinden. Im Zentrum des Romans steht eine Enkelin, die sich dem Erbe ihrer Familie n\u00e4hert, nicht nur in materieller, sondern vor allem in emotionaler Hinsicht. Der Ausgangspunkt ist die Wohnung der Gro\u00dfeltern in Berlin, die nun aufgel\u00f6st wird. Ein Raum voller Erinnerungen, voller Dinge, die weitergegeben oder verloren gehen. Besteck, T\u00f6pfe, Musikkassetten \u2013 kleine Zeugnisse eines vergangenen Lebens. Doch neben diesen greifbaren Erinnerungen ist es vor allem der Familienname Levitanus, der f\u00fcr die Erz\u00e4hlerin zur Obsession wird. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sie will ihn zur\u00fcck, will ihn wieder annehmen, als Verbindung zu ihrer Familiengeschichte, als eine Art Anker in der Zeit. Der Name f\u00fchrt sie auf eine Reise, die \u00fcber das Bekannte hinausgeht. Von Berlin aus reist sie nach Riga, wo ihr Urgro\u00dfvater Salomon lebte. Sie folgt den Spuren der Vergangenheit, sucht nach Fragmenten einer Geschichte, die von vier Generationen erz\u00e4hlt \u2013 von Lettland in den 1970er Jahren bis in die Gegenwart Deutschlands. Besonders eindringlich ist die Szene, in der sie auf ein Fenster im ehemaligen Rigaer Ghetto st\u00f6\u00dft, ein Fenster, das wie ein stiller Zeuge der Vergangenheit \u00fcberdauert hat. Es sind diese Momente, in denen die Zeit sich aufzul\u00f6sen scheint, in denen Vergangenheit und Gegenwart untrennbar miteinander verwoben sind. Messner schreibt in einer klaren, fast schwebenden Sprache, die eine zarte Melancholie transportiert, ohne ins Sentimentale abzurutschen. Es ist eine Erz\u00e4hlweise, die zwischen Dokumentation und poetischer Reflexion oszilliert \u2013 kein lautes Drama, sondern ein leises, tastendes Erkunden der Familiengeschichte. Die S\u00e4tze sind pr\u00e4zise, fast beil\u00e4ufig, aber sie treffen genau. Es ist diese Reduziertheit, die das Buch so eindringlich macht. Was <em>Wo der Name wohnt<\/em> besonders stark macht, ist, dass es nicht nur eine Geschichte \u00fcber die Vergangenheit ist, sondern auch \u00fcber das Jetzt \u2013 \u00fcber die Frage, was Identit\u00e4t bedeutet, was es hei\u00dft, Teil einer Familiengeschichte zu sein. Es geht um die Spuren, die bleiben, um Namen, die verschwinden oder zur\u00fcckkehren, um das Verh\u00e4ltnis zwischen Dingen und Erinnerungen. Im Vergleich zu anderen Familienromanen, die sich mit historischen Traumata oder der j\u00fcdischen Identit\u00e4t besch\u00e4ftigen, bleibt Messners Zugang sehr pers\u00f6nlich, fast intim. Sie gr\u00e4bt nicht tief in politischen oder historischen Analysen, sondern bleibt nah an den kleinen, allt\u00e4glichen Gesten, die das Erinnern ausmachen. Dadurch entsteht eine besondere Form von Intensit\u00e4t \u2013 eine Geschichte, die sich nicht in gro\u00dfen Erz\u00e4hlb\u00f6gen entfaltet, sondern in Momentaufnahmen, in Stille, in L\u00fccken. Was nach der Lekt\u00fcre bleibt, ist das Gef\u00fchl einer Bewegung \u2013 eines Pendels zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Berlin und Riga, zwischen Verschwinden und Bewahren. Und vielleicht ist es genau das, worum es in <em>Wo der Name wohnt<\/em> geht: um das Bewahren. Nicht nur von Namen oder Gegenst\u00e4nden, sondern von Geschichten, die sonst vielleicht f\u00fcr immer verloren gingen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Wo der Name wohnt&#8220; von Ricarda Messner. \/\/ Es gibt B\u00fccher, die eine Geschichte erz\u00e4hlen \u2013 und es gibt B\u00fccher, die einen Nachhall hinterlassen, die etwas ber\u00fchren, das sich nicht einfach in Worte fassen l\u00e4sst. Ricarda Messners Wo der Name wohnt ist genau so ein Buch. Ein stiller, feinf\u00fchliger Roman \u00fcber Herkunft, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-32821","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32821","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32821"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32821\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32885,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32821\/revisions\/32885"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32821"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32821"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32821"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}