{"id":32822,"date":"2025-03-21T18:38:48","date_gmt":"2025-03-21T17:38:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32822"},"modified":"2025-03-21T18:38:49","modified_gmt":"2025-03-21T17:38:49","slug":"aufgelesen-vol-570-die-weissen-naechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32822","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (5)70 &#8211; &#8222;die weissen n\u00e4chte&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den Werken &#8222;Drei Wochen im August&#8220; von Nina Bu\u00dfmann und &#8222;Die weissen N\u00e4chte&#8220; von Urszula Honek. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nina-Bussmann-627x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32825\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nina-Bussmann-627x1024.jpg 627w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nina-Bussmann-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nina-Bussmann-768x1255.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nina-Bussmann-940x1536.jpg 940w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nina-Bussmann-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nina-Bussmann-scaled.jpg 1567w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Nina Bu\u00dfmann<\/strong>s <em>Drei Wochen im August<\/em> und Urszula Honeks <em>Die wei\u00dfen N\u00e4chte<\/em> sind zwei B\u00fccher, die auf den ersten Blick nicht viel gemein haben \u2013 ein psychologisch intensiver Sommerroman \u00fcber ein Familienidyll, das aus den Fugen ger\u00e4t, und ein literarisch verdichtetes Mosaik von Schicksalen in einem polnischen Dorf. Doch unter der Oberfl\u00e4che teilen sie eine tiefe thematische Verwandtschaft: Beide erz\u00e4hlen von Menschen, die in fragilen, prek\u00e4ren Zust\u00e4nden leben, die nach Halt suchen \u2013 in Beziehungen, in Erinnerungen, in der Natur \u2013 und dabei immer wieder scheitern oder sich verlieren. Und beide B\u00fccher entfalten eine subtile, schleichende Spannung, die sich aus der Frage speist: Wie viel Unerz\u00e4hltes, Unbewusstes, vielleicht auch Unausweichliches liegt zwischen den Zeilen? In <em>Drei Wochen im August<\/em> schickt Nina Bu\u00dfmann ihre Protagonistin Elena an die franz\u00f6sische Atlantikk\u00fcste, um mit ihren Kindern und der Babysitterin Eve eine Auszeit zu nehmen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch das Ferienhaus, das zun\u00e4chst wie ein sicherer R\u00fcckzugsort wirkt, wird schnell zum Schauplatz wachsender Spannungen. Die Hitze, die ausged\u00f6rrten W\u00e4lder, die nahenden Br\u00e4nde \u2013 all das verst\u00e4rkt das Gef\u00fchl, dass etwas Unheilvolles in der Luft liegt. Beziehungen beginnen zu br\u00f6ckeln, das Misstrauen w\u00e4chst, unausgesprochene Machtverh\u00e4ltnisse kommen an die Oberfl\u00e4che. Und schlie\u00dflich verschwindet eines der M\u00e4dchen \u2013 eine Eskalation, die nur konsequent erscheint in dieser Atmosph\u00e4re des latenten Unbehagens. Bu\u00dfmanns Sprache ist pr\u00e4zise, kontrolliert, sie legt die psychologischen Mechanismen zwischen den Figuren mit chirurgischer Genauigkeit offen. Dabei interessiert sie sich weniger f\u00fcr die gro\u00dfe Eskalation als f\u00fcr die kleinen Verschiebungen, die feinen Risse im scheinbar Selbstverst\u00e4ndlichen. Ganz anders erz\u00e4hlt Urszula Honek in <em>Die wei\u00dfen N\u00e4chte<\/em>, doch auch hier liegt das Unausgesprochene wie ein Schatten \u00fcber allem. Ihr Roman ist kein linear erz\u00e4hltes Werk, sondern ein Netz aus miteinander verbundenen Erz\u00e4hlungen, die ein Bild von Menschen am Rand der Gesellschaft zeichnen \u2013 einem Dorf in den Beskiden, das von der Stille der Natur umgeben, aber von den \u00c4ngsten und Hoffnungen seiner Bewohner erf\u00fcllt ist. Da ist das kleine M\u00e4dchen, das seine sterbende Gro\u00dfmutter begleitet, ohne zu verstehen, was geschieht. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Urszula-Honek-627x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32824\" width=\"463\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Urszula-Honek-627x1024.jpg 627w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Urszula-Honek-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Urszula-Honek-768x1255.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Urszula-Honek-940x1536.jpg 940w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Urszula-Honek-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Urszula-Honek-scaled.jpg 1567w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Da sind Freunde, die vor einer ungewissen Zukunft stehen, w\u00e4hrend der Tod bereits in ihren Herzen wohnt. Da ist die junge Frau, die mehr vom Leben will, als ihr das Dorf bieten kann \u2013 und die doch in seiner Schwere gefangen bleibt. Honek schreibt in poetischen, dichten Bildern, ihre Sprache ist gleichzeitig zart und hart, voller Melancholie, aber auch voller Empathie. Was diese beiden B\u00fccher verbindet, ist ihr Gesp\u00fcr f\u00fcr Zwischenr\u00e4ume \u2013 f\u00fcr das, was zwischen den Figuren geschieht, ohne dass es ausgesprochen wird. In Bu\u00dfmanns Roman sind es die unausgesprochenen Konflikte zwischen Elena und ihren Mitbewohnern, die unausgesprochene Spannung zwischen den Erwachsenen und Kindern, die schlie\u00dflich in eine Katastrophe m\u00fcnden. In Honeks Buch sind es die Erinnerungen, die Geheimnisse, die generationen\u00fcbergreifenden Schicksale, die sich langsam entfalten, ohne dass sie je vollst\u00e4ndig greifbar werden. Beide Romane erz\u00e4hlen von Orten, die f\u00fcr ihre Figuren sowohl Schutz als auch Bedrohung sind: Das Ferienhaus am Atlantik, das von der Hitze und den Br\u00e4nden bedr\u00e4ngt wird, das Dorf in den Beskiden, das eine Heimat ist, aber auch eine Falle. Beide Werke kreisen um Menschen, die feststecken \u2013 sei es in einer zerr\u00fctteten Ehe oder in einer kleinst\u00e4dtischen Enge. Und beide B\u00fccher schaffen es, das Unsichtbare sp\u00fcrbar zu machen: die unterschwelligen \u00c4ngste, die diffusen Bedrohungen, die Last der Vergangenheit. W\u00e4hrend <em>Drei Wochen im August<\/em> eher als psychologischer Spannungsroman funktioniert, der mit atmosph\u00e4rischer Dichte und pr\u00e4ziser Figurenzeichnung \u00fcberzeugt, ist <em>Die wei\u00dfen N\u00e4chte<\/em> ein fast lyrisches Werk, das von der Kraft der Andeutung lebt. Wo Bu\u00dfmann mit narrativer Klarheit die Strukturen zwischenmenschlicher Machtverh\u00e4ltnisse analysiert, l\u00e4sst Honek Raum f\u00fcr Assoziationen, f\u00fcr Leerstellen, f\u00fcr eine fast mythische Erz\u00e4hlweise. Was bleibt nach der Lekt\u00fcre? Ein Gef\u00fchl der Beklemmung, der Ahnung, dass die wirklich wichtigen Dinge immer zwischen den Worten liegen. Dass das, was wir nicht sagen, oft schwerer wiegt als das, was wir aussprechen. Und dass Orte \u2013 ob ein abgelegenes Ferienhaus oder ein verschlafenes Dorf \u2013 immer auch Spiegel unserer innersten \u00c4ngste und Hoffnungen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den Werken &#8222;Drei Wochen im August&#8220; von Nina Bu\u00dfmann und &#8222;Die weissen N\u00e4chte&#8220; von Urszula Honek. \/\/ Nina Bu\u00dfmanns Drei Wochen im August und Urszula Honeks Die wei\u00dfen N\u00e4chte sind zwei B\u00fccher, die auf den ersten Blick nicht viel gemein haben \u2013 ein psychologisch intensiver Sommerroman \u00fcber ein Familienidyll, das aus den Fugen ger\u00e4t, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-32822","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32822","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32822"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32826,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32822\/revisions\/32826"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}