{"id":32960,"date":"2025-04-16T22:04:31","date_gmt":"2025-04-16T20:04:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32960"},"modified":"2025-04-16T22:04:33","modified_gmt":"2025-04-16T20:04:33","slug":"aufgelesen-vol-581-maertyrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32960","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (5)81 &#8211; &#8222;m\u00e4rtyrer&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;M\u00e4rtyrer!&#8220; von Kaveh Akbar. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaveh-Akbar-625x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32969\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaveh-Akbar-625x1024.jpg 625w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaveh-Akbar-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaveh-Akbar-768x1259.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaveh-Akbar-937x1536.jpg 937w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaveh-Akbar-1249x2048.jpg 1249w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaveh-Akbar-scaled.jpg 1561w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Kaveh Akbar<\/strong>s Deb\u00fctroman <em>\u201eM\u00e4rtyrer!\u201c<\/em> ist ein Feuerwerk aus Schmerz, Sehnsucht, Sch\u00f6nheit und Selbsterkenntnis \u2013 ein Buch, das sich nicht lesen l\u00e4sst, ohne dass es Spuren hinterl\u00e4sst. Als ich es aufschlug, wusste ich, dass es mich herausfordern w\u00fcrde. Cyrus ist kein klassischer Held. Er taumelt durchs Leben, angef\u00fcllt mit Worten, die er nicht immer greifen kann, bet\u00e4ubt von Drogen, zersetzt von Fragen. Sein Leben f\u00fchlt sich an wie ein einziger Versuch, zu entkommen \u2013 der eigenen Geschichte, der Verantwortung, dem Gewicht des \u00dcberlebens. Und doch ist er in seiner Zerbrechlichkeit eine der lebendigsten und wahrhaftigsten Figuren. Der Roman beginnt mit einem Tod, einem Flugzeugabsturz, der alles ver\u00e4ndert: Cyrus\u2019 Mutter stirbt bei dem Abschuss eines Passagierflugzeugs \u2013 ein historisch reales Ereignis (Iran Air Flug 655, 1988), das Akbar klug und ersch\u00fctternd in die Biografie seiner Hauptfigur einwebt. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Diese Trag\u00f6die h\u00e4ngt wie ein bleierner Schleier \u00fcber dem gesamten Buch \u2013 nicht als reines Trauma, sondern als Frage: Was bedeutet es, zu leben, wenn man der Tod in der Wiege ber\u00fchrt hat? Und wie findet man eine Wahrheit, die sich nicht in Schmerz aufl\u00f6st? Was <em>\u201eM\u00e4rtyrer!\u201c<\/em> so besonders macht, ist, wie Akbar diese gro\u00dfe, oft gestellte Frage \u2013 <em>Was ist der Sinn des Lebens?<\/em> \u2013 nicht intellektuell oder kitschig beantwortet, sondern poetisch, humorvoll, schmerzhaft ehrlich. Cyrus ist Lyriker, und das merkt man jeder Seite an. Die Sprache ist manchmal roh, manchmal zart wie eine Andeutung, oft taumelnd sch\u00f6n. Es gibt S\u00e4tze, bei denen ich innehalten musste, sie ein zweites, drittes Mal lesen wollte, einfach nur, um zu sp\u00fcren, wie sie sich anf\u00fchlen. Wie ein Gedicht, das einen umarmt und gleichzeitig auslacht. Cyrus ist queer, iranisch-amerikanisch, K\u00fcnstler, S\u00fcchtiger \u2013 und doch lassen sich keine dieser Schubladen auf Dauer schlie\u00dfen. Akbar bricht sie alle auf, stellt sie in Frage, l\u00e4sst Raum f\u00fcr Widerspruch. Er beschreibt das Leben als etwas radikal Offenes, Unfertiges \u2013 ein Zustand, in dem Sch\u00f6nheit und Chaos st\u00e4ndig miteinander tanzen. Und dann ist da dieses Thema der M\u00e4rtyrer, das dem Buch seinen Titel gibt. Cyrus\u2019 Obsession mit Menschen wie Jeanne d\u2019Arc oder Bobby Sands wirkt zun\u00e4chst fremd, fast befremdlich. Doch je mehr man liest, desto mehr begreift man: Es geht nicht um Heldentum oder Tod \u2013 sondern um Hingabe. Um die Idee, f\u00fcr etwas zu brennen, f\u00fcr etwas einzustehen, sich <em>zu verschenken<\/em>. W\u00e4hrend man Cyrus auf seiner Reise begleitet \u2013 durch Museen, durch R\u00fcckblenden, durch Rausch und Klarheit \u2013 entsteht ein kraftvolles, z\u00e4rtliches Portr\u00e4t eines Mannes, der eigentlich gar nicht wei\u00df, wie man lebt, es aber dennoch verzweifelt versucht. Und in dieser Unf\u00e4higkeit liegt seine gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke. Die \u00dcbersetzung von Stefanie Jacobs ist bemerkenswert gelungen. Sie bewahrt die Musikalit\u00e4t der Sprache, den Witz, das flirrende Wechselspiel aus Melancholie und Sch\u00e4rfe. Ich habe oft vergessen, dass ich eine \u00dcbersetzung lese \u2013 was bei einem Roman wie diesem, der so sehr von Stimme und Rhythmus lebt, ein echtes Kunstst\u00fcck ist. Wenn man <em>\u201eM\u00e4rtyrer!\u201c<\/em> liest, sollte man bereit sein, sich zu verlieren. In Gedanken, in Gef\u00fchlen, vielleicht sogar in Trauer. Aber man bekommt daf\u00fcr etwas zur\u00fcck: Einen Roman, der sich weigert, einfache Antworten zu geben \u2013 und der gerade deshalb lange nachhallt. Cyrus ist keine Figur, die man vergisst. Er ist ein Begleiter, der einen noch begleitet, wenn das Buch l\u00e4ngst zugeklappt ist. F\u00fcr mich ist <em>\u201eM\u00e4rtyrer!\u201c<\/em> ein wichtiges Buch. Poetisch, politisch, schmerzhaft echt \u2013 und voller Sehnsucht nach etwas, das gr\u00f6\u00dfer ist als wir selbst. Ein Buch, das nicht einfach gelesen, sondern erlebt werden will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;M\u00e4rtyrer!&#8220; von Kaveh Akbar. \/\/ Kaveh Akbars Deb\u00fctroman \u201eM\u00e4rtyrer!\u201c ist ein Feuerwerk aus Schmerz, Sehnsucht, Sch\u00f6nheit und Selbsterkenntnis \u2013 ein Buch, das sich nicht lesen l\u00e4sst, ohne dass es Spuren hinterl\u00e4sst. Als ich es aufschlug, wusste ich, dass es mich herausfordern w\u00fcrde. Cyrus ist kein klassischer Held. 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