{"id":32973,"date":"2025-04-17T13:39:35","date_gmt":"2025-04-17T11:39:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32973"},"modified":"2025-04-17T13:39:36","modified_gmt":"2025-04-17T11:39:36","slug":"aufgelesen-vol-582-wild-wuchern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=32973","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (5)82 &#8211; &#8222;wild wuchern&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Wild wuchern&#8220; von Katharina K\u00f6ller. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Wild-wuchern-638x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-32974\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Wild-wuchern-638x1024.jpg 638w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Wild-wuchern-187x300.jpg 187w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Wild-wuchern-768x1233.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Wild-wuchern-957x1536.jpg 957w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Wild-wuchern-1275x2048.jpg 1275w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Wild-wuchern-scaled.jpg 1594w\" sizes=\"(max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Katharina K\u00f6ller<\/strong>s <em>\u201eWild wuchern\u201c<\/em> ist ein Roman, der mich \u2013 im besten Sinne \u2013 \u00fcberrumpelt hat. Nicht leise, nicht vorsichtig, sondern mit einem Aufruhr von Sprache, Emotion und Natur, der sich wie ein Sturm durch den Kopf und das Herz zieht. Ein Buch, das nicht fragt, ob es bleiben darf \u2013 es bleibt einfach. Mit Erde unter den Fingern\u00e4geln, mit Wind im Haar, mit all der Wucht einer weiblichen Selbsterkenntnis, die endlich keine Kompromisse mehr eingeht. Ich habe <em>\u201eWild wuchern\u201c<\/em> in einem Zug gelesen \u2013 und dabei das Gef\u00fchl gehabt, selbst diesen Berg hinaufzurennen, mit Marie, die aus einer Welt flieht, die sie zu einer h\u00fcbschen H\u00fclle degradiert hat. Einer Welt aus Champagner, Designerstoffen und falschem L\u00e4cheln. Der erste Atemzug auf der Alm, bei Cousine Johanna, hat sich auch f\u00fcr mich wie ein Aufatmen angef\u00fchlt. Aber kein sanftes, sondern eines, das brennt in der Lunge. Die Luft dort oben ist schneidend klar \u2013 und die Wahrheit, der Marie sich stellen muss, genauso. Johanna ist eine dieser Figuren, die man nicht vergisst. Eine Frau wie ein Fels. Und gleichzeitig ein verletztes, wildes Tier. Sie hat die Sprache verloren \u2013 zumindest die Sprache, wie wir sie kennen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aber jede Geste, jeder Blick, jedes Schweigen ist lauter als Worte. Sie steht f\u00fcr eine R\u00fcckverbindung mit der Natur, aber nicht auf die kitschige Art. Kein Instagram-m\u00e4\u00dfiger Selbstfindungs-Trip, sondern archaisch, roh, echt. Und Marie, die anfangs wie ein kaputtes Glasobjekt wirkt, beginnt sich zu reiben, zu hinterfragen \u2013 und schlie\u00dflich aufzubrechen. Aus dieser Reibung zwischen den beiden entsteht etwas Gewaltiges: eine Transformation, die weh tut, aber die Leben rettet. Katharina K\u00f6llers Sprache ist ein Erlebnis f\u00fcr sich. Sie schreibt mit einem poetischen Furor, der mich sofort in den Bann gezogen hat. Jeder Satz sitzt \u2013 nicht glatt poliert, sondern lebendig, rau, manchmal wie ein Ast, an dem man sich kratzt. Und gerade deshalb so intensiv. Es ist ein schmaler Roman, ja \u2013 gerade einmal etwas mehr als Seiten hat er \u2013 aber er hat mehr Dichte, mehr Gehalt, mehr Wucht als mancher 500-Seiten-W\u00e4lzer. Es ist eine Sprache, die nicht nur erz\u00e4hlt, sondern f\u00fchlt. Thematisch ist <em>\u201eWild wuchern\u201c<\/em> vielschichtig und hochaktuell. Es geht um Selbstbestimmung, um weibliche Wut, um die Enge gesellschaftlicher Rollenbilder, um Zivilisationskritik, um das Verh\u00e4ltnis zur Natur, um Sprachverlust und Wiederaneignung. Und trotz dieser Komplexit\u00e4t wirkt der Roman nie \u00fcberladen. Im Gegenteil \u2013 K\u00f6ller gelingt es, mit erstaunlicher Leichtigkeit und literarischem Feingef\u00fchl einen Raum zu \u00f6ffnen, in dem sich M\u00e4rchenhaftes und Politisches, Intimes und Universelles begegnen. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich dachte: <em>\u201eJa. Genau so f\u00fchlt sich das an.\u201c<\/em> Was mich besonders ber\u00fchrt hat, ist die tiefe, oft unausgesprochene Verbindung zwischen den beiden Frauen. Es ist keine klassische Vers\u00f6hnungsgeschichte, keine \u201eWir-sind-so-unterschiedlich-und-dann-doch-BFFs\u201c-Story. Es ist ein Kampf, ein Ringen \u2013 um Anerkennung, um Verst\u00e4ndnis, um W\u00fcrde. Und gerade darin liegt ihre Kraft. Diese zwei Frauen, beide auf ihre Weise besch\u00e4digt, rei\u00dfen sich gegenseitig aus ihren Festungen. Und das ist manchmal hart, manchmal wundersch\u00f6n \u2013 und immer wahrhaftig. Am Ende von <em>\u201eWild wuchern\u201c<\/em> war ich tief bewegt. Ich habe das Buch zugeklappt und erst mal durchgeatmet \u2013 so, wie man es tut, wenn man sich lange in einer anderen Welt aufgehalten hat und wieder zur\u00fcckkehrt. Es ist eines dieser B\u00fccher, die nachhallen. Die dich noch Tage sp\u00e4ter begleiten, wie ein leises Summen im Hintergrund. Und es ist eines dieser B\u00fccher, das ich sofort weiterempfehlen m\u00f6chte \u2013 an Freundinnen, an M\u00fctter, an T\u00f6chter, an jeden Menschen, der sp\u00fcrt, dass etwas in ihm \u201ewuchern\u201c will. <em>\u201eWild wuchern\u201c<\/em> ist ein mutiger, intensiver, sprachlich brillanter Roman \u00fcber Freiheit, \u00fcber das Loslassen und Wiederfinden. Eine Naturgewalt von Buch, das nicht gefallen will \u2013 sondern erwecken. Unbedingt lesen. Und danach barfu\u00df durch nasses Gras laufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Wild wuchern&#8220; von Katharina K\u00f6ller. \/\/ Katharina K\u00f6llers \u201eWild wuchern\u201c ist ein Roman, der mich \u2013 im besten Sinne \u2013 \u00fcberrumpelt hat. Nicht leise, nicht vorsichtig, sondern mit einem Aufruhr von Sprache, Emotion und Natur, der sich wie ein Sturm durch den Kopf und das Herz zieht. 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