{"id":33011,"date":"2025-04-26T15:50:24","date_gmt":"2025-04-26T13:50:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33011"},"modified":"2025-04-26T15:50:25","modified_gmt":"2025-04-26T13:50:25","slug":"aufgelesen-vol-586-no-hard-feelings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33011","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (5)86 &#8211; &#8222;no hard feelings&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werken &#8222;No Hard Feelings&#8220; von Genevieve Novak und &#8222;Geht So&#8220; von Beatriz Serrano. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Genevieve-Novak-648x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33015\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Genevieve-Novak-648x1024.jpg 648w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Genevieve-Novak-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Genevieve-Novak-768x1214.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Genevieve-Novak-972x1536.jpg 972w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Genevieve-Novak-1296x2048.jpg 1296w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Genevieve-Novak-scaled.jpg 1619w\" sizes=\"(max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Es gibt B\u00fccher, die treffen einen nicht wegen der gro\u00dfen Dramatik oder spektakul\u00e4ren Wendungen, sondern weil sie sich so verdammt nah anf\u00fchlen. <em>\u201eGeht so\u201c<\/em> von <strong>Beatriz Serrano<\/strong> und <em>\u201eNo Hard Feelings\u201c<\/em> von <strong>Genevieve Novak<\/strong> sind genau solche B\u00fccher. Zwei Romane, die sich nicht kennen, aber sich gegenseitig im B\u00fccherregal zunicken w\u00fcrden \u2013 weil sie beide auf unterschiedliche Weise das Lebensgef\u00fchl einer Generation einfangen, die zwischen \u00dcberforderung, Selbstironie und leiser Verzweiflung oszilliert. In <em>\u201eGeht so\u201c<\/em> begleitet man Marisa, die sich tagein, tagaus in einem Job durchschl\u00e4gt, der sich anf\u00fchlt wie ein zu enger Mantel aus Beton. Sie sitzt in einer Madrider Werbeagentur fest, ohne echten Antrieb, ohne Begeisterung \u2013 eigentlich sogar ohne Plan. Ihr Alltag besteht aus digitalen Eskapismen und chemischen Hilfsmitteln, um die Panik in Schach zu halten. Als sie mit Kolleg:innen zu einem Teambuilding-Wochenende aufbrechen muss, eskaliert das alles langsam aber sicher. Die Idee, das Ganze mit einem Drogenmix zu \u00fcberstehen, ist nur auf den ersten Blick absurd \u2013 eigentlich ist es nur konsequent. Beatriz Serrano hat ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr den zynischen Humor, der entsteht, wenn man sich emotional l\u00e4ngst abgekoppelt hat. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Marisas Geschichte liest sich wie ein fiebriger Fiebertraum \u2013 verwirrend, komisch, traurig. Und vor allem: brutal ehrlich. Ich habe das Buch nicht einfach gelesen, ich habe es geschluckt. Dieses latente Gef\u00fchl von \u201eIrgendwas stimmt hier nicht\u201c, obwohl nach au\u00dfen hin alles halbwegs okay aussieht. Diese M\u00fcdigkeit, die man nicht ausschlafen kann. Kurz nachdem ich Marisa zur\u00fcckgelassen hatte, traf ich auf Penny aus <em>\u201eNo Hard Feelings\u201c<\/em>. Auch sie ist m\u00fcde. Von sich selbst, von ihren Freunden, von ihrem Leben, das irgendwie immer kurz vor dem eigentlichen Leben zu stehen scheint. Penny hat Tr\u00e4ume \u2013 von einem besseren Job, einem verl\u00e4sslichen Freund, einem aufger\u00e4umteren Innenleben. Und gleichzeitig sabotiert sie sich st\u00e4ndig selbst: durch Aufschieben, durch Social-Media-Exzesse, durch toxische Beziehungen, in denen sie sich verliert und dann wieder zusammensetzt, nur um erneut zu zerbrechen. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beatri-Serrano-645x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33014\" width=\"463\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beatri-Serrano-645x1024.jpg 645w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beatri-Serrano-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beatri-Serrano-768x1219.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beatri-Serrano-968x1536.jpg 968w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beatri-Serrano-1290x2048.jpg 1290w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beatri-Serrano-scaled.jpg 1613w\" sizes=\"(max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Genevieve Novak schreibt warmherzig und messerscharf zugleich. Sie beschreibt eine Frau, die wei\u00df, was sie will \u2013 und trotzdem immer wieder scheitert. Nicht dramatisch, sondern allt\u00e4glich. In kleinen, schmerzhaften Wiederholungen, die sich so verdammt vertraut anf\u00fchlen. Was mich an beiden B\u00fcchern so ber\u00fchrt hat, ist die Art, wie sie Schmerz zulassen. Ohne Pathos, ohne \u00dcberzeichnung. Einfach als Teil des Lebens, das man irgendwie trotzdem weiterlebt. Beide Autorinnen schaffen es, \u00fcber Angst, Druck und Orientierungslosigkeit zu schreiben, ohne in Selbstmitleid zu versinken. Sie zeigen Frauen, die abst\u00fcrzen, sich wieder aufrappeln, dann wieder stolpern \u2013 und die man genau deshalb ins Herz schlie\u00dft. <em>\u201eGeht so\u201c<\/em> ist dabei die radikalere, k\u00fchlere Variante \u2013 ein Schlag in die Magengrube. <em>\u201eNo Hard Feelings\u201c<\/em> wirkt ein wenig weicher, w\u00e4rmer, aber nicht weniger ehrlich. Beides zusammen gelesen, ergibt eine Art doppelte Spiegelung: zwei Perspektiven auf eine \u00e4hnliche Grundstimmung \u2013 das Gef\u00fchl, irgendwie nicht ganz richtig zu sein in einer Welt, die st\u00e4ndig nach \u201emehr\u201c schreit. Ich habe in diesen B\u00fcchern gelacht, gezuckt, geseufzt. Ich habe mich ertappt gef\u00fchlt, getr\u00f6stet und manchmal auch ein bisschen entlarvt. Und ich habe wieder einmal gemerkt, wie wichtig es ist, dass Literatur genau diese Geschichten erz\u00e4hlt. Geschichten, die nicht auf ein Happy End hinauslaufen, sondern auf ein tiefes Durchatmen. Manchmal ist eben \u201egeht so\u201c alles, was man sagen kann \u2013 und genau in diesem Satz liegt manchmal mehr Wahrheit als in jeder gl\u00e4nzenden Erfolgsstory.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werken &#8222;No Hard Feelings&#8220; von Genevieve Novak und &#8222;Geht So&#8220; von Beatriz Serrano. \/\/ Es gibt B\u00fccher, die treffen einen nicht wegen der gro\u00dfen Dramatik oder spektakul\u00e4ren Wendungen, sondern weil sie sich so verdammt nah anf\u00fchlen. \u201eGeht so\u201c von Beatriz Serrano und \u201eNo Hard Feelings\u201c von Genevieve Novak sind genau solche B\u00fccher. 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