{"id":33029,"date":"2025-06-19T11:35:59","date_gmt":"2025-06-19T09:35:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33029"},"modified":"2025-06-19T11:49:54","modified_gmt":"2025-06-19T09:49:54","slug":"zuckerschock-fuer-den-juni-2025-roberto-saviano-treue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33029","title":{"rendered":"\/\/ zuckerschock f\u00fcr den juni 2025: roberto saviano &#8211; &#8222;treue&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Treue&#8220; von Roberto Saviano. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Roberto-Saviano-627x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33030\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Roberto-Saviano-627x1024.jpg 627w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Roberto-Saviano-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Roberto-Saviano-768x1254.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Roberto-Saviano-940x1536.jpg 940w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Roberto-Saviano-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Roberto-Saviano-scaled.jpg 1567w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Roberto Saviano<\/strong> hat es wieder getan. Mit <em>Treue<\/em> legt er ein Werk vor, das nicht nur aufr\u00fcttelt, sondern tief unter die Haut geht. Es ist ein Buch, das man nicht still lesen kann \u2013 zu gro\u00df ist die Wucht der Geschichten, zu beklemmend die N\u00e4he, die Saviano zu seinen Protagonistinnen herstellt. Nach <em>Gomorra<\/em>, mit dem er die kriminellen Strukturen der Camorra schonungslos entbl\u00f6\u00dfte, wendet sich Saviano hier einem Thema zu, das kaum je so offen beleuchtet wurde: den Frauen in der Mafia. Den Mitwisserinnen. Den M\u00fcttern. Den Geliebten. Denjenigen, die viel zu oft schweigend bleiben mussten. <em>Treue<\/em> ist dabei kein n\u00fcchterner Bericht \u00fcber Organisationen oder Machtverh\u00e4ltnisse \u2013 es ist ein zutiefst pers\u00f6nliches, fast literarisches Werk. Saviano erz\u00e4hlt von Frauen, deren Leben durch die mafi\u00f6se Logik von Treue und Kontrolle gezeichnet sind. Dabei er\u00f6ffnet er einen radikal neuen Blickwinkel: Was bedeutet Treue, wenn sie nicht frei gew\u00e4hlt, sondern erzwungen ist? Was bedeutet Liebe, wenn sie in einem System lebt, das Gef\u00fchle als Machtinstrument missbraucht? Saviano portr\u00e4tiert reale Biografien mit einer Intensit\u00e4t, die ersch\u00fcttert. Maria Grazia Conte zum Beispiel, deren heimlich geborener Sohn ihr zum Verh\u00e4ngnis wird \u2013 weil es in der Welt der Mafia keine Geheimnisse geben darf, schon gar keine Kinder, die au\u00dferhalb des Systems entstanden sind. Oder Vincenzina Marchese, die verheiratet wird, um einen Friedensvertrag zwischen verfeindeten Familien zu besiegeln. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sie wird zum Spielstein, zur Ware, zur geopferten Braut \u2013 und man sp\u00fcrt auf jeder Seite den inneren Bruch, den diese Rolle in ihr hinterl\u00e4sst. Besonders eindr\u00fccklich ist auch die Geschichte von Anna Carrino, die anfangs als loyale Ehefrau das Gesch\u00e4ft ihres inhaftierten Mannes weiterf\u00fchrt \u2013 und dann alles verliert, als sie von seiner heimlichen Geliebten erf\u00e4hrt. Ihre Rache ist nicht laut. Sie beginnt zu reden. Und mit ihrem Reden beginnt das System zu br\u00f6ckeln. Was dieses Buch so stark macht, ist Savianos Zur\u00fcckhaltung. Er urteilt nicht. Er beobachtet, beschreibt, l\u00e4sst die Geschichten f\u00fcr sich sprechen. Gerade dadurch entfalten sie ihre ganze Kraft. Seine Sprache ist klar und eindringlich, aber gleichzeitig voller Empathie. Man merkt, dass er seine Figuren nicht vorf\u00fchrt, sondern ihnen Raum gibt. Raum f\u00fcr Widerspr\u00fcche, f\u00fcr Verzweiflung, f\u00fcr das kleine Aufb\u00e4umen gegen ein scheinbar \u00fcberm\u00e4chtiges System. <em>Treue<\/em> ist dabei weit mehr als ein Buch \u00fcber die Mafia. Es ist auch ein Buch \u00fcber uns. \u00dcber Strukturen, in denen Frauen f\u00fcr Frieden geopfert werden. \u00dcber Beziehungen, in denen Liebe und Kontrolle ununterscheidbar werden. Es erz\u00e4hlt von der dunklen Seite weiblicher St\u00e4rke \u2013 nicht von Heldinnen, sondern von Frauen, die durchhalten, schweigen, sich f\u00fcgen oder irgendwann doch die Stimme erheben. Und es erz\u00e4hlt davon, was es kostet, wenn man endlich redet. Mich hat dieses Buch tief bewegt. Es ist schmerzhaft, w\u00fctend machend und gleichzeitig hoffnungsvoll. <em>Treue<\/em> ist kein leichtes Buch. Aber ein wichtiges. Eines, das bleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Treue&#8220; von Roberto Saviano. \/\/ Roberto Saviano hat es wieder getan. Mit Treue legt er ein Werk vor, das nicht nur aufr\u00fcttelt, sondern tief unter die Haut geht. 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