{"id":3304,"date":"2009-05-26T14:17:44","date_gmt":"2009-05-26T13:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=3304"},"modified":"2009-05-26T14:21:29","modified_gmt":"2009-05-26T13:21:29","slug":"tanken-wie-die-franken-es-ist-wieder-weindorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=3304","title":{"rendered":"\/\/ tanken wie die franken- es ist wieder weindorf"},"content":{"rendered":"<p>Am kommenden Wochenende d\u00fcrfte W\u00fcrzburg mal wieder aus allen N\u00e4hten platzen, denn neben dem Afrika-Festival wird am Freitag endlich wieder das Weindorf er\u00f6ffnet. F\u00fcr nicht gerade wenige W\u00fcrzburger brechen nun die schlimmsten zehn Tage des Jahres an. Das Weindorf findet dieses Jahr zum 23. Mal statt und d\u00fcrfte, soweit das Wetter mitspielt, vor allem an den Wochenenden f\u00fcr akute \u00dcberf\u00fcllungszust\u00e4nde am oberen und unteren Markt sorgen.<\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Wirte sind es, die sich in diesem Jahr darum pr\u00fcgeln, wer die meisten Sitzgarnituren aufstellen darf. Da wird um jeden Meter gefeilscht. Klar- mehr Sitzpl\u00e4tze= mehr Kunden. Und die sollen bitte ordentlich konsumieren.<!--more--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich lockt das Weindorf auf den ersten Blick mit einem kulinarischen und weintechnischen Angebot, das seinesgleichen bei uns sucht- nicht umsonst werden hier die neuen Weine vorgestellt, und mittlerweile finden auf dem Weindorf auch kleine Weinproben statt. Man sollte also meinen, es handle sich bei dieser Veranstaltung um einen zivilisierten bis stilvollen Event.<\/p>\n<p>Zivilisiert, gar stilvoll? Erkl\u00e4rt das bitte mal einem nichts ahnenden Nichtw\u00fcrzburger, der sich am kommenden Samstag, so gegen 22 Uhr, auf den Marktplatz verirrt. Die Festwirte m\u00f6gen das, was sich hier, abspielt das &#8222;heiterste und stimmungsvollste Fest im W\u00fcrzburger Jahreskreis&#8220; nennen, bei uns hei\u00dft   so was Komasaufen. Seit einigen Jahren dr\u00e4ngen sich hier an den Wochenenden so derma\u00dfen viele Leute auf immer enger werdendem Raum, das Probleme aller Art quasi an der Tagesordnung sind.<\/p>\n<p>Wildpinkeln in den Seitengassen um den Marktplatz geh\u00f6rt schon fast zum Standart, und man darf gespannt sein, ob die massiven Proteste der Anwohner im letzten Jahr zu einer Verbesserung der sanit\u00e4ren Lage in diesem Jahr f\u00fchren. Zwei Kloh\u00e4uschen f\u00fcr eine solche Menschenmenge, das geht auf der Talavera gut, da gibt es massig B\u00fcsche und die Freiluftpinkelei geh\u00f6rt schon fast zum guten Ton. Mitten in unserer tollen Touristenstadt sieht das aber ein bisschen anders aus. Mal ganz abgesehen davon, dass der gemeine Weindorfbesucher gern auch noch ganz andere K\u00f6rpers\u00e4fte am Ort des Geschehens zur\u00fcckl\u00e4sst. <strong>Aber das ist ein anderes Thema. Also bitte liebe Stadt oder wer auch immer sich verantwortlich f\u00fchlt: Stellt doch einfach mal ein paar mehr von den Kloh\u00e4uschen auf. Kostenlos, versteht sich.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDa h\u00e4tten wir gekl\u00e4rt, kommen wir nun also zum Kern des Problems. Klar, W\u00fcrzburg ist eine Weinstadt, und als B\u00fcrger einer solchen trinkt der W\u00fcrzburger halt gern mal einen Schoppen, und insgesamt wahrscheinlich mehr als ein typischer Vertreter einer anderen deutschen Stadt. Der Berliner zum Beispiel isst daf\u00fcr mehr Currywurst und ist lieber dick als betrunken. Jedem das seine. Bei der Trinkfestigkeit  gibt es nat\u00fcrlich Abstufungen, und so l\u00e4sst sich ein Eingebohrener von einem Zugezogenen recht gut unterscheiden.<\/p>\n<p>Wer hier in W\u00fcrzburg aufgewachsen ist, reagiert in der Regel auf Alkohol nicht anders als auf gemeines Leitungswasser, h\u00f6chstens aber wie auf Red Bull (nat\u00fcrlich das ohne Kokain). Er freut sich zwar \u00fcber &#8222;ideales Trinkerwetter&#8220;, d.h. Sonnenschein bei maximal 25 Grad, leichter Wind, nicht zu schw\u00fcl, haut den Schoppen aber auch bei 35 Grad im Schatten, in dem er selbst dummerweise  aber nicht sitzt, rein. Zwei, drei Schoppen in der Mittagshitze, nat\u00fcrlich immer den billigsten. Weindorf ist n\u00e4mlich Abzocke, das wei\u00df er. Danach geht der Eingebohrene wieder heim und lebt ganz normal vor sich hin, so als ob nichts gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Der Zugezogene w\u00fcrde nach diesem Konsum schon v\u00f6llig enthemmt und unbekleidet um den Obelisken tanzen- oder schlafen.<\/p>\n<p>Weil er wei\u00df, dass es mit seiner Alkoholvertr\u00e4glichkeit nicht weit her ist, ist er schlau und l\u00e4sst sich zur Weindorfzeit vor 19 Uhr am Marktplatz nicht blicken. Erst wenn es am Abend langsam abk\u00fchlt, wirft  sich der Wahlw\u00fcrzburger in Schale und marschiert, meist in Begleitung anderer Zugezogener, am Marktplatz auf. Jetzt wird losges\u00fcffelt, und nicht wenige verfahren auch in wirtschaftlich harten Zeiten, aus Ermangelung jedweder Weinkenntnis in Verbindung mit v\u00f6llig unbegr\u00fcndeter Scham, nach dem bew\u00e4hrten &#8222;i<em>chbestelldenteuerstenweinundalledenkenichkennmichaus<\/em>&#8222;- Prinzip. Auf solche G\u00e4ste warten die Bedienungen hier nur, und der Zugezogene wird nun hemmungslos gemolken. Das sind die G\u00e4ste, die man hier haben will. Ahnungslose Touristen, bei denen der Geldbeutel eh schon locker sitzt, vergn\u00fcgungss\u00fcchtige Studenten, Besucher aus den umliegenden D\u00f6rfern, bei denen nie etwas geboten ist. Seit neustem auch v\u00f6llig enthemmte Jungesellinenabschlusstruppen. Tja, und wer darf da nat\u00fcrlich auf keinen Fall fehlen? Richtig. Der (manchmal nur noch im Herzen) junge Komatrinker.<\/p>\n<p>Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Balance zwischen dem ausgelassen Feiern und dem sich noch einigerma\u00dfen zivilisiert benehmen zu finden. Unter der Woche ist das kein Problem, weil selten so voll ist, dass die G\u00e4ste auch an den Stehtischen keinen Platz mehr finden. Au\u00dferdem m\u00fcssen die Leute da am n\u00e4chsten Tag wieder fr\u00fch raus. Dann ist das Weindorf das stimmungsvolle Volksfest und nicht der, nicht nur f\u00fcr die Bedienungen, mindestens siebte Kreis der H\u00f6lle. Mittlerweile hat sich das herumgesprochen, und viele Stammg\u00e4ste kommen an den Samstagen gar nicht mehr.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Problem des Weindorfes ist seine Lage. Wundersch\u00f6n zwischen Festung und Weinbergen, aber eben auch eingequetscht auf einem Marktplatz, der nicht beliebig erweiterbar ist. Hier kann man nichts entzerren, und in diesem Jahr nimmt die Baustelle am oberen Markt auch noch einiges an Platz weg.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wollen wir den W\u00fcrzburgern und allen, die sich als solche f\u00fchlen das Weindorf nicht verderben, es ist ja echt ein H\u00f6hepunkt des Jahres. Aber sollte man nicht doch mal \u00fcberlegen, vielleicht zumindest an den starken Tagen eine Art Einlasskontrolle einzuf\u00fchren und ab einer gewissen G\u00e4stezahl eifach dicht zu machen? Nicht, weil es so sch\u00f6n ist irgendwo eingez\u00e4unt zu sein. Sondern weil das doch inzwischen \u00fcberall so gemacht wird. Und zwar wegen der Sicherheit. K\u00f6nnte man ja mal dr\u00fcber nachdenken. Nicht um irgendjemandem den Spa\u00df zu nehmen, sondern weil die Beschwerden, sollte es die n\u00e4chsten paar Jahre so weiterlaufen, sicher nicht weniger werden. Und irgendwann gibt es dann kein Weindorf mehr.<\/p>\n<p>\/\/ anne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am kommenden Wochenende d\u00fcrfte W\u00fcrzburg mal wieder aus allen N\u00e4hten platzen, denn neben dem Afrika-Festival wird am Freitag endlich wieder das Weindorf er\u00f6ffnet. F\u00fcr nicht gerade wenige W\u00fcrzburger brechen nun die schlimmsten zehn Tage des Jahres an. Das Weindorf findet dieses Jahr zum 23. 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