{"id":33058,"date":"2025-05-11T21:09:46","date_gmt":"2025-05-11T19:09:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33058"},"modified":"2025-05-11T21:09:49","modified_gmt":"2025-05-11T19:09:49","slug":"aufgelesen-vol-590-das-ministerium-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33058","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (5)90 &#8211; &#8222;das ministerium der zeit&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den Werk &#8222;Das Ministerium der Zeit&#8220; von Kaliane Bradley. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaliane-Bradley-645x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33062\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaliane-Bradley-645x1024.jpg 645w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaliane-Bradley-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaliane-Bradley-768x1219.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaliane-Bradley-968x1536.jpg 968w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaliane-Bradley-1290x2048.jpg 1290w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kaliane-Bradley-scaled.jpg 1613w\" sizes=\"(max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Es gibt B\u00fccher, die einen unterhalten, und dann gibt es B\u00fccher wie <em>Das Ministerium der Zeit<\/em> von <strong>Kaliane Bradley<\/strong>, die sich anf\u00fchlen wie eine Begegnung mit etwas v\u00f6llig Neuem \u2013 und danach bleibt die Welt ein bisschen ver\u00e4ndert zur\u00fcck. Schon nach den ersten Seiten wusste ich: Das hier wird eine Geschichte, die ich so schnell nicht mehr loslassen werde. Bradleys Deb\u00fctroman, meisterhaft ins Deutsche \u00fcbertragen von Sophie Zeitz, spielt mit allem, was ich an Literatur liebe: gro\u00dfe Gef\u00fchle, intelligente Ideen und diese leise Melancholie, die oft zwischen den Zeilen mitschwingt. Die Grundidee ist eigentlich einfach: Eine junge Frau tritt eine neue Stelle in einem streng geheimen Ministerium an, dessen Spezialgebiet Zeitreisen ist. Ihr Auftrag: Commander Graham Gore, ein Polarforscher aus dem Jahr 1847, der im 21. Jahrhundert &#8222;wiederbelebt&#8220; wurde, zu begleiten und ihm das Ankommen in dieser v\u00f6llig fremden Welt zu erleichtern. Was sich nach einem verspielten, vielleicht sogar humorvollen Plot anh\u00f6ren k\u00f6nnte, entpuppt sich schnell als ein wunderbar vielschichtiges, kluges und gleichzeitig tief emotionales Leseerlebnis. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bradley erz\u00e4hlt nicht nur von den Absurdit\u00e4ten, die ein Mensch aus dem viktorianischen Zeitalter in unserer hypermodernen Welt erlebt \u2013 ja, es ist urkomisch, wenn Gore sich mit Spotify oder Toilettensp\u00fclungen auseinandersetzen muss \u2013, sondern sie verwebt all das mit gro\u00dfen Fragen: Was bedeutet Fortschritt wirklich? Was verlieren wir, wenn wir immer nur vorw\u00e4rts st\u00fcrmen? Und kann Liebe die Zeiten \u00fcberdauern? Die Chemie zwischen der Erz\u00e4hlerin und Commander Gore entwickelt sich dabei so nat\u00fcrlich, so zart und glaubw\u00fcrdig, dass ich oft gar nicht gemerkt habe, wie tief mich ihre Beziehung ber\u00fchrt hat, bis ich pl\u00f6tzlich mit einem Klo\u00df im Hals das Buch weiterlas. Ihr Zusammenspiel ist gepr\u00e4gt von leiser Ironie, tiefem Respekt und einer zaghaften, wundersch\u00f6nen Ann\u00e4herung &#8211; nur dass Bradley dabei nie ins Kitschige abrutscht. Ihre Figuren bleiben gebrochen, voller Zweifel und Ambivalenz, und gerade das macht ihre Gef\u00fchle so echt. Und dann ist da nat\u00fcrlich noch das Ministerium selbst \u2013 ein faszinierendes Konstrukt, irgendwo zwischen kafkaeskem B\u00fcrokratiemonster und dystopischer Staatsmacht. Je mehr die Erz\u00e4hlerin hinter die Kulissen blickt, desto mehr wird klar: Das Ministerium ist alles andere als der wohlwollende H\u00fcter der Zeit. Die Bedrohung w\u00e4chst subtil, aber sp\u00fcrbar, und sp\u00e4testens als die Zeitebenen beginnen zu verschwimmen, als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sich \u00fcberlagern, entwickelt der Roman eine Sogkraft, die mitreisst. Kaliane Bradley schreibt in einer Sprache, die gleichzeitig federleicht und hochpr\u00e4zise ist. Ihre Dialoge sind scharf, manchmal bitterkomisch, manchmal herzzerrei\u00dfend ehrlich. Ihre Beschreibungen sind so atmosph\u00e4risch, dass man das flirrende Licht eines hei\u00dfen Londoner Sommers f\u00f6rmlich auf der Haut sp\u00fcrt \u2013 oder die erdr\u00fcckende Stille eines leeren Ministeriumsflurs. Und bei allem Ernst bleibt <em>Das Ministerium der Zeit<\/em> immer auch ein zutiefst verspielter Roman, der die Grenzen von Genre, Erz\u00e4hlweise und Logik immer wieder auslotet. Eine Zeitreisegeschichte, ja, aber vor allem eine Geschichte \u00fcber Menschen, Verlust, Hoffnung und den Versuch, im Chaos der Geschichte einen Platz zu finden, an dem man bleiben m\u00f6chte. Am Ende dieses Romans war ich gleichzeitig gl\u00fccklich und ein bisschen traurig \u2013 so, wie man es nur nach wirklich guten Geschichten ist. <em>Das Ministerium der Zeit<\/em> ist f\u00fcr mich eines dieser seltenen Deb\u00fcts, bei dem alles stimmt: Idee, Stil, Figuren, Herz. Und ich beneide wirklich jeden, der dieses Buch noch vor sich hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den Werk &#8222;Das Ministerium der Zeit&#8220; von Kaliane Bradley. \/\/ Es gibt B\u00fccher, die einen unterhalten, und dann gibt es B\u00fccher wie Das Ministerium der Zeit von Kaliane Bradley, die sich anf\u00fchlen wie eine Begegnung mit etwas v\u00f6llig Neuem \u2013 und danach bleibt die Welt ein bisschen ver\u00e4ndert zur\u00fcck. 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