{"id":33094,"date":"2025-05-16T20:10:13","date_gmt":"2025-05-16T18:10:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33094"},"modified":"2025-05-16T20:10:14","modified_gmt":"2025-05-16T18:10:14","slug":"strichcode-vol-420-jack-the-ripper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33094","title":{"rendered":"\/\/ strichcode vol. (4)20 &#8211; &#8222;jack the ripper&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den beiden Werken &#8222;Burton &amp; Cyb (Gesamtausgabe)&#8220; und &#8222;Die 1000 Gesichter von Jack The Ripper&#8220;. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Burton-Cyb.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33097\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Burton-Cyb.jpg 593w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Burton-Cyb-217x300.jpg 217w\" sizes=\"(max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Es gibt Comics, die einen sofort mitrei\u00dfen, weil sie vor Energie, Witz oder Atmosph\u00e4re nur so strotzen \u2013 und dann gibt es Werke, die einen mit einem ganz anderen Sog fesseln, einen d\u00fcsteren, stillen, der sich erst langsam entfaltet. Bei <strong>Antonio Segura <\/strong>und <strong>Jos\u00e9 Ortiz <\/strong>trifft beides zu, aber auf zwei vollkommen unterschiedliche Arten. Mit \u201eBurton &amp; Cyb\u201c und \u201eDie 1000 Gesichter von Jack the Ripper\u201c beweist dieses legend\u00e4re Duo, dass sie nicht nur technisch brillant sind, sondern auch erz\u00e4hlerisch in v\u00f6llig verschiedenen Genres eine einzigartige Handschrift haben \u2013 die Handschrift zweier Erz\u00e4hler, die die Comicwelt auf eine Weise beherrschen, die man nur selten sieht. Beginnt man mit der Gesamtausgabe von \u201eBurton &amp; Cyb\u201c, taucht man in eine Welt ein, die auf den ersten Blick wie eine wilde Mischung aus Space Opera, Italo-Western und Monty-Python-Sketch wirkt. Doch unter der schr\u00e4gen Oberfl\u00e4che brodelt etwas anderes \u2013 eine satirische, fast anarchische Energie, mit der Segura nicht nur den amerikanischen Actionhelden karikiert, sondern gleich das ganze Genre mitnimmt. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Burton, ein gro\u00dfm\u00e4uliger, \u00fcberheblicher, aber irgendwie liebenswerter Draufg\u00e4nger, und sein wortkarger Cyborg-Kumpel Cyb stolpern von einem Abenteuer ins n\u00e4chste \u2013 immer in der Hoffnung auf das gro\u00dfe Geld, aber nie weit entfernt von v\u00f6lliger Katastrophe. Dabei geraten sie in Szenarien, die v\u00f6llig durchgeknallt sind und doch nie ins Beliebige abdriften: Sie verkaufen Waffen an Aliens, kloppen sich mit Monstern aus der Popkulturgeschichte oder geraten an au\u00dferirdische B\u00fcrokratie-Systeme, gegen die Kafka wie ein Organisationswunder wirkt. Die Zeichnungen von Ortiz sind dabei ein Fest: voller Dynamik, Details und Ausdruckskraft. Er bringt Leben in jede noch so absurde Figur, verleiht selbst schleimigen Tentakelwesen Charakter und l\u00e4sst Raumstationen wie heruntergekommene Hinterh\u00f6fe wirken \u2013 irgendwo zwischen \u201eBlade Runner\u201c und \u201eMad Max\u201c auf LSD. Doch was \u201eBurton &amp; Cyb\u201c \u00fcber reinen Slapstick oder eine schlichte Parodie hinaushebt, ist die subtile Gesellschaftskritik, die zwischen den Panels mitschwingt. Die Gier, die Geltungssucht, der Irrsinn der Waffenlogik \u2013 all das ist da, immer leicht versteckt hinter Gags und Explosionen, aber nie ganz zu \u00fcbersehen. Segura war nie ein Autor, der sich mit Oberfl\u00e4chlichkeiten zufriedengab, und genau das macht die Serie heute noch so relevant. Trotz aller Albernheit f\u00fchlt man sich manchmal ertappt, wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Jack-The-Ripper.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33096\" width=\"463\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Jack-The-Ripper.jpg 642w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Jack-The-Ripper-218x300.jpg 218w\" sizes=\"(max-width: 642px) 100vw, 642px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Und dann schl\u00e4gt man \u201eDie 1000 Gesichter von Jack the Ripper\u201c auf \u2013 und ist pl\u00f6tzlich in einer v\u00f6llig anderen Welt. Kalt, finster, ohne jede Ironie. Es ist, als w\u00fcrde dieselbe Hand, die eben noch mit burleskem Schwung durch das All zeichnete, jetzt mit chirurgischer Pr\u00e4zision die Schatten Londons zerschneiden. Diese Sammlung von Kurzgeschichten, erschienen urspr\u00fcnglich in der Zeitschrift \u201eCreepy\u201c, ist eine beklemmende Reise durch eine Stadt, in der das B\u00f6se nicht nur im Nebel lauert, sondern in jeder Ecke, in jedem Gesicht, in jedem Beruf. Segura nutzt das ungel\u00f6ste R\u00e4tsel um Jack the Ripper nicht, um eine endg\u00fcltige Theorie zu pr\u00e4sentieren, sondern als Ausgangspunkt f\u00fcr eine d\u00fcstere Meditation \u00fcber die Abgr\u00fcnde der menschlichen Seele. Jeder der T\u00e4ter, den er uns pr\u00e4sentiert, ist glaubhaft \u2013 und das ist vielleicht das Beunruhigendste daran. Denn in dieser Welt kann jeder der M\u00f6rder sein: der Polizist, der Matrose, der Bettler. Der Schrecken liegt nicht in der Identit\u00e4t des Rippers, sondern in seiner Allgegenwart. Ortiz&#8216; Zeichnungen sind hier fast schon expressionistisch: grob, d\u00fcster, tiefschwarz. Jede Seite ist ein Meisterwerk des atmosph\u00e4rischen Erz\u00e4hlens. London wirkt wie ein lebender Albtraum, durchzogen von schmierigen Gassen, schwankendem Gaslicht und verzerrten Gesichtern, die man nicht so schnell vergisst. Wo \u201eBurton &amp; Cyb\u201c visuell explodiert, reduziert sich \u201eJack the Ripper\u201c auf das Notwendigste \u2013 und genau darin liegt seine Wucht. Es ist kein Comic, den man mal eben so liest. Es ist ein Blick in den Abgrund, der einen noch Tage sp\u00e4ter verfolgt. Was diese beiden Werke so faszinierend macht, ist ihr Kontrast \u2013 und doch ihre stille Verbindung. Beide Male erz\u00e4hlen Segura und Ortiz von Systemen, in denen Menschen versuchen zu \u00fcberleben: im einen Fall das chaotische Universum, in dem Gier und Dummheit regieren, im anderen das d\u00fcstere viktorianische London, wo Wahnsinn und Gewalt sich in jeder Gasse verbergen. Beide Male zeigen sie Figuren, die nicht heldenhaft sind, sondern getrieben, \u00fcberfordert, zerbrechlich oder schlicht unf\u00e4hig, sich gegen das gr\u00f6\u00dfere Ganze zu wehren. Der Humor der einen Geschichte ist nur scheinbar das Gegenteil des Grauens in der anderen \u2013 in beiden schwingt die Ahnung mit, dass der Mensch, wenn er sich selbst \u00fcberlassen ist, leicht auf Abwege ger\u00e4t. Ob in der Zukunft oder in der Vergangenheit, ob mit Laserkanone oder Rasiermesser \u2013 Segura und Ortiz sehen den Menschen mit scharfem Blick, und sie scheuen nicht davor zur\u00fcck, auch das Unangenehme sichtbar zu machen. Diese beiden Comics gemeinsam zu lesen, ist wie ein Wechselbad: Man lacht, man staunt, man friert, man denkt nach. Sie zeigen, wie weit das Medium Comic reichen kann \u2013 vom absurden Weltraum-Klamauk bis hin zur tiefgr\u00fcndigen psychologischen Horrorerz\u00e4hlung. Und sie beweisen, dass Antonio Segura und Jos\u00e9 Ortiz ein kreatives Duo waren, das nicht nur Genres beherrschte, sondern das Leben in all seinen bizarren und finsteren Facetten \u2013 mit viel Gesp\u00fcr, technischer Meisterschaft und dem Mut, auch dahin zu schauen, wo es wehtut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den beiden Werken &#8222;Burton &amp; Cyb (Gesamtausgabe)&#8220; und &#8222;Die 1000 Gesichter von Jack The Ripper&#8220;. \/\/ Es gibt Comics, die einen sofort mitrei\u00dfen, weil sie vor Energie, Witz oder Atmosph\u00e4re nur so strotzen \u2013 und dann gibt es Werke, die einen mit einem ganz anderen Sog fesseln, einen d\u00fcsteren, stillen, der sich erst langsam [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-33094","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33094","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33094"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33094\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33159,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33094\/revisions\/33159"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33094"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33094"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}