{"id":33212,"date":"2025-07-11T15:04:15","date_gmt":"2025-07-11T13:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33212"},"modified":"2025-07-12T23:43:02","modified_gmt":"2025-07-12T21:43:02","slug":"aufgelesen-vol-602-atmosphere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33212","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)02 &#8211; &#8222;atmosphere&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den Werken &#8222;Palo Santo&#8220; und &#8222;Atmosphere&#8220;. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Sascha-Ehlert-624x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33213\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Sascha-Ehlert-624x1024.jpg 624w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Sascha-Ehlert-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Sascha-Ehlert-768x1260.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Sascha-Ehlert-936x1536.jpg 936w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Sascha-Ehlert-1248x2048.jpg 1248w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Sascha-Ehlert-scaled.jpg 1560w\" sizes=\"(max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Zwei Romane, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, entpuppen sich als \u00fcberaus bemerkenswerte, literarische Rundumschl\u00e4ge: <em>Palo Santo<\/em> von <strong>Sascha Ehlert<\/strong> und <em>Atmosphere<\/em> von <strong>Taylor Jenkins Reid<\/strong>. Der eine verwurzelt in der vibrierenden Gegenwart Berlins mit dem Blick nach Westen, der andere schwebt zwischen den Sternen, im Amerika der fr\u00fchen 1980er-Jahre. Und doch: Beide erz\u00e4hlen vom Traum, aus dem Gewohnten auszubrechen \u2013 von Menschen, die bereit sind, alles aufs Spiel zu setzen, um sich selbst neu zu erfinden. <strong>Sascha Ehlert<\/strong>, bekannt als Stimme der Popkultur (u.\u202fa. durch das Magazin <em>Das Wetter<\/em>), legt mit <em>Palo Santo<\/em> seinen Deb\u00fctroman vor \u2013 und was f\u00fcr einen. Auf etwas mehr als 200 Seiten entfaltet er eine kaleidoskopische Erz\u00e4hlung \u00fcber Sehnsucht, Liebe und den Wunsch, irgendwo anzukommen, wo man vielleicht gar nicht hingeh\u00f6rt, aber unbedingt hinm\u00f6chte. Im Zentrum stehen Golo und Hedi, ein Paar, das den Absprung wagt. Oder besser: drei Abspr\u00fcnge, denn Ehlert verschr\u00e4nkt ihre Geschichte kunstvoll mit der des jungen Billy Wilder im Berlin der Zwanzigerjahre und dessen sp\u00e4terer Emigration nach Hollywood. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dieses Spiel mit Zeiten und Perspektiven wirkt nie konstruiert, sondern eher wie ein Echo, das durch die Jahrzehnte hallt. Berlin, L.A., Palmen, Tr\u00e4ume \u2013 Ehlert schreibt von Freiheit wie von einer Droge, bitters\u00fc\u00df und fl\u00fcchtig. Was den Roman besonders macht, ist sein Ton: eine lakonische Melancholie, ein Hauch Popliteratur, durchzogen von Philosophie, Filmgeschichte und einer starken Gegenw\u00e4rtigkeit. Die Figuren wirken dabei zugleich real und leicht entr\u00fcckt, wie Menschen, die sich selbst beim Leben zusehen. Der Titel <em>Palo Santo<\/em> \u2013 das rituelle Holz, das b\u00f6se Geister vertreiben soll \u2013 steht sinnbildlich f\u00fcr den Wunsch, alte Leben hinter sich zu lassen. Nur: Die Geister, die man loswerden will, reisen oft mit. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Taylo-Jenkins-Red-643x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33214\" width=\"463\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Taylo-Jenkins-Red-643x1024.jpg 643w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Taylo-Jenkins-Red-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Taylo-Jenkins-Red-768x1224.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Taylo-Jenkins-Red-964x1536.jpg 964w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Taylo-Jenkins-Red-1285x2048.jpg 1285w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Taylo-Jenkins-Red-scaled.jpg 1606w\" sizes=\"(max-width: 643px) 100vw, 643px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ganz anders <em>Atmosphere<\/em> \u2013 und doch thematisch verwandt. <strong>Taylor Jenkins Reid<\/strong>, sp\u00e4testens seit <em>The Seven Husbands of Evelyn Hugo<\/em> eine feste Gr\u00f6\u00dfe der internationalen Bestsellerlisten, widmet sich in ihrem neuen Roman einer Frau, die buchst\u00e4blich zu den Sternen greift. Joan Goodwin, Astrophysikerin mit Herz und Verstand, steht 1980 an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter: dem Space-Shuttle-Programm der NASA. Reid gelingt es, den historischen Moment auf brillante Weise zu rekonstruieren \u2013 mit einer Heldin, die nicht nur gegen die Schwerkraft, sondern auch gegen gesellschaftliche Erwartungen ank\u00e4mpft. <em>Atmosphere<\/em> ist ein zutiefst feministischer Roman, ohne je ideologisch zu wirken. Vielmehr entfaltet er sich als ber\u00fchrende, vielschichtige Erz\u00e4hlung \u00fcber Leidenschaft, Wissenschaft und das Chaos der Gef\u00fchle. Als Joan mitten im Training der Liebe ihres Lebens begegnet, ger\u00e4t ihr geordnetes Weltbild ins Wanken. Reid stellt keine einfache Entweder-oder-Frage. Es geht nicht darum, ob man zwischen Karriere und Liebe w\u00e4hlen muss \u2013 sondern darum, wie man mit beidem in einer Welt zurechtkommt, die selten Raum f\u00fcr alles l\u00e4sst. Die Autorin zeichnet Joan mit gro\u00dfer Empathie und ohne Pathos. Ihre Sprache ist klar, rhythmisch und oft poetisch \u2013 eine perfekte Balance zwischen technischem Realismus und emotionaler Tiefe. Was diese beiden Romane miteinander verbindet, ist mehr als der blo\u00dfe Wunsch, auszubrechen. <em>Palo Santo<\/em> und <em>Atmosphere<\/em> erz\u00e4hlen beide vom Mut, sich selbst neu zu denken \u2013 gegen alle Wahrscheinlichkeiten. W\u00e4hrend bei Ehlert die Stadt selbst fast zur Figur wird, voller L\u00e4rm, Licht und Widerspruch, \u00f6ffnet Reid den Blick ins All \u2013 still, endlos und fremd. Der eine Roman ist urban und verdichtet, der andere episch und sph\u00e4risch. Beide spielen mit der Frage: Was kostet es, frei zu sein? Wo Ehlert das Scheitern als Teil der Sehnsucht mitdenkt, gibt Reid der Hoffnung ein langes Echo. <em>Palo Santo<\/em> wirkt dabei roher, existenzieller, w\u00e4hrend <em>Atmosphere<\/em> durch eine fast schon cineastische Eleganz besticht \u2013 kein Wunder, dass Reid oft als Autorin mit &#8222;Hollywood-Gen&#8220; beschrieben wird. Beide B\u00fccher entfalten ihre Kraft \u00fcber starke Hauptfiguren, die sich selbst nicht nur begegnen, sondern neu entdecken. Wer sich von Literatur entf\u00fchren lassen will \u2013 nach Berlin, nach Kalifornien, ins All \u2013, dem seien beide Romane w\u00e4rmstens empfohlen. <em>Palo Santo<\/em> und <em>Atmosphere<\/em> sind Erz\u00e4hlungen von Aufbruch und Zweifel, von Fernweh und N\u00e4he, von Liebe und Freiheit. Sie sprechen unterschiedliche literarische Sprachen \u2013 doch ihr Herz schl\u00e4gt im gleichen Takt: f\u00fcr das Leben als gro\u00dfes Abenteuer. Ob unter Palmen oder Sternen \u2013 diese Geschichten bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den Werken &#8222;Palo Santo&#8220; und &#8222;Atmosphere&#8220;. \/\/ Zwei Romane, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, entpuppen sich als \u00fcberaus bemerkenswerte, literarische Rundumschl\u00e4ge: Palo Santo von Sascha Ehlert und Atmosphere von Taylor Jenkins Reid. 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