{"id":33286,"date":"2025-07-04T14:32:33","date_gmt":"2025-07-04T12:32:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33286"},"modified":"2025-07-04T14:32:34","modified_gmt":"2025-07-04T12:32:34","slug":"aufgelesen-vol-601-wut-und-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33286","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)01 &#8211; &#8222;wut und liebe&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Wut und Liebe&#8220; von Martin Suter. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Martin-Suter-648x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33289\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Martin-Suter-648x1024.jpg 648w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Martin-Suter-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Martin-Suter-768x1214.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Martin-Suter-972x1536.jpg 972w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Martin-Suter-1296x2048.jpg 1296w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Martin-Suter-scaled.jpg 1619w\" sizes=\"(max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Ich habe das neue Buch von<strong> Martin Suter<\/strong>, <em>Wut und Liebe<\/em>, regelrecht verschlungen \u2013 und es hat mich dabei mehr als einmal eiskalt erwischt. Es ist eines dieser B\u00fccher, bei denen man sich nach der letzten Seite fragt, wie es eigentlich geschafft hat, sich so leise und gleichzeitig so intensiv unter die Haut zu schleichen. Suter bleibt auch in seinem neuen Roman seinem Stil treu: sprachlich pr\u00e4zise, mit einem Blick f\u00fcr das Wesentliche, aber ohne je trocken zu wirken. Und doch ist <em>Wut und Liebe<\/em> mehr als ein typischer \u201eSuter\u201c \u2013 es ist bitter, z\u00e4rtlich, manchmal schmerzhaft ehrlich. Im Zentrum steht Noah, ein K\u00fcnstler Anfang drei\u00dfig, der gerade das verliert, was ihm am meisten bedeutet: seine Freundin Camilla. Sie geht \u2013 nicht aus Wut, nicht wegen eines gro\u00dfen Streits, sondern weil sie genug hat vom Stillstand, von der ewigen Kompromissbereitschaft, von einem Leben, das sich kleiner anf\u00fchlt, als sie es sich vorgestellt hat. Und genau diese n\u00fcchterne Trennung tut weh. Kein Drama, kein Geschrei, sondern eine klare, fast kalte Entscheidung. F\u00fcr sich. Gegen ihn. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was dann passiert, liest sich fast wie ein moderner Pakt mit dem Teufel. Eine \u00e4ltere, geheimnisvolle Dame tritt in sein Leben und bietet ihm eine zweifelhafte M\u00f6glichkeit, nicht nur seine finanzielle Situation, sondern auch sein Selbstbild zu reparieren. Und nat\u00fcrlich nimmt Noah an. Weil er glaubt, er h\u00e4tte nichts mehr zu verlieren. Aber auch, weil er \u2013 wie wir alle manchmal \u2013 lieber an eine schnelle L\u00f6sung glaubt, als sich dem zu stellen, was eigentlich weh tut. Suter schreibt diesen Absturz nicht rei\u00dferisch, sondern leise, beinahe beil\u00e4ufig. Und genau das macht es so beklemmend. Es gibt in diesem Buch keinen klaren Helden, keine einfache Moral. Stattdessen gibt es Entscheidungen, die nachvollziehbar sind \u2013 und trotzdem falsch. Es gibt Liebe, die so tief geht, dass sie an Abh\u00e4ngigkeit grenzt. Es gibt Wut, die sich nicht nur gegen andere richtet, sondern auch gegen das eigene, gescheiterte Ich. Und es gibt diesen fast dem\u00fctigen Wunsch nach einer zweiten Chance, der nicht aus Schw\u00e4che kommt, sondern aus echter Sehnsucht. Suters Figuren sind wie immer pr\u00e4zise beobachtet, glaubhaft bis ins letzte Detail. Was mir besonders gefallen hat: Er urteilt nicht. Weder \u00fcber Noah, der sich selbst verliert, noch \u00fcber Camilla, die sich befreit \u2013 aber eben auch jemanden zur\u00fcckl\u00e4sst. Die Dialoge sind messerscharf, manchmal schmerzhaft realistisch, manchmal fast poetisch. Und obwohl die Geschichte in einem ganz konkreten urbanen Milieu spielt, wirkt sie in ihrem Kern universell. Wer hat nicht schon einmal jemanden verloren \u2013 nicht durch einen Unfall oder Streit, sondern einfach durch das Leben selbst? <em>Wut und Liebe<\/em> ist kein Buch, das einen umhaut \u2013 es ist eines, das bleibt. Das man im Zug liest und vergisst, wo man ist. Das einen nachts nicht schlafen l\u00e4sst, weil man noch an Noah denkt, an Camilla, an diese stille, gef\u00e4hrliche Sehnsucht nach Anerkennung, Zugeh\u00f6rigkeit und der Hoffnung, noch einmal neu anfangen zu d\u00fcrfen. Ich habe es mitgenommen in den Alltag, in Gedanken, in Gespr\u00e4che mit Freunden. Und jedes Mal, wenn ich daran denke, sp\u00fcre ich dieses Ziehen im Bauch, das nur B\u00fccher ausl\u00f6sen k\u00f6nnen, die etwas Echtes ber\u00fchren. Wer Martin Suter schon l\u00e4nger liest, wird dieses Buch als einen seiner st\u00e4rkeren, pers\u00f6nlicheren Romane empfinden. Wer ihn noch nicht kennt, sollte vielleicht genau hier anfangen. Denn <em>Wut und Liebe<\/em> ist genau das, was der Titel verspricht: ein zarter, w\u00fctender, kluger Roman \u00fcber das, was uns antreibt \u2013 und was uns zerst\u00f6ren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Wut und Liebe&#8220; von Martin Suter. \/\/ Ich habe das neue Buch von Martin Suter, Wut und Liebe, regelrecht verschlungen \u2013 und es hat mich dabei mehr als einmal eiskalt erwischt. 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