{"id":33393,"date":"2025-08-12T16:14:34","date_gmt":"2025-08-12T14:14:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33393"},"modified":"2025-08-12T16:14:36","modified_gmt":"2025-08-12T14:14:36","slug":"aufgelesen-vol-605-my-life-as-a-serial-killer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33393","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)05 &#8211; &#8222;my life as a serial killer&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;My Life As A Serial Killer&#8220; von Joanna Wallace. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Joanna-Wallace.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33394\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Joanna-Wallace.jpg 374w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Joanna-Wallace-195x300.jpg 195w\" sizes=\"(max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Joanna Wallace<\/strong> hat mit <em>My Life as a Serial Killer<\/em> ein Deb\u00fct hingelegt, das man so schnell nicht vergisst \u2013 und vielleicht auch gar nicht vergessen <em>will<\/em>. Was auf den ersten Blick wie ein makaberer, schwarzhumoriger Thriller wirkt, entpuppt sich beim Lesen als eine verdammt clever erz\u00e4hlte, hochgradig unterhaltsame und \u00fcberraschend tiefgr\u00fcndige Charakterstudie, die mit den Erwartungen ihres Genres spielt und diese ordentlich gegen die Wand f\u00e4hrt. Im besten Sinne. Die Ich-Erz\u00e4hlerin Claire ist eine Serienm\u00f6rderin \u2013 das steht fest, und daran l\u00e4sst Wallace von Anfang an keinen Zweifel. Doch sie ist keine eiskalte, kalkulierende Killerin \u00e0 la Hollywood. Sie ist\u2026 nun ja, fast erschreckend normal. Mit einem scharfen Blick f\u00fcr die Absurdit\u00e4ten des Alltags, einem tief sitzenden Groll auf s\u00e4mtliche Nervens\u00e4gen der modernen Gesellschaft und einem inneren Monolog, der irgendwo zwischen bitterb\u00f6ser Ironie, stillem Wahnsinn und \u00fcberraschend nachvollziehbarer Alltagsfrustration oszilliert. Es ist dieser Ton, der das Buch tr\u00e4gt \u2013 nicht das Blutvergie\u00dfen, nicht die Plot-Twists (auch wenn davon einige kommen), sondern Claires ganz eigene Stimme. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und ja: Man lacht mit ihr. Laut. Oft. Und manchmal sch\u00e4mt man sich fast daf\u00fcr \u2013 weil sie Dinge ausspricht, die man selbst vielleicht nur heimlich denkt. Joanna Wallace gelingt dabei das Kunstst\u00fcck, Claire nicht zur Karikatur oder blo\u00dfen Provokation verkommen zu lassen. Sie bleibt ambivalent: witzig, aber nicht sympathisch im klassischen Sinne; brutal, aber nicht ohne Schmerz; souver\u00e4n, aber nicht unverwundbar. Ihre \u201eMorde\u201c sind so absurd allt\u00e4glich motiviert, dass man sich stellenweise an britischen Humor \u00e0 la <em>Fleabag<\/em> oder die zynischen Spitzen von <em>Killing Eve<\/em> erinnert f\u00fchlt \u2013 mit einem Hauch <em>Dexter<\/em>, aber weiblich, w\u00fctend und eindeutig am Puls der Zeit. Was das Buch zudem so lesenswert macht, ist die subtile Kritik, die sich unter dem Sarkasmus versteckt. Claire lebt in einer Welt, in der Oberfl\u00e4chlichkeit, Ignoranz und Selbstsucht oft mehr z\u00e4hlen als Empathie oder Tiefe. Ihre m\u00f6rderischen Aussetzer erscheinen \u2013 bei aller moralischen Fragw\u00fcrdigkeit \u2013 fast wie ein pervertierter Befreiungsschlag gegen die Zumutungen des modernen Alltags. Und obwohl man sich immer wieder bewusst macht, dass Claire eine M\u00f6rderin ist, ertappt man sich beim Mitfiebern, beim Verstehen, beim \u2013 ja \u2013 <em>M\u00f6gen<\/em>. Und das ist wahrscheinlich der raffinierteste Trick, den Joanna Wallace ihrem Leser spielt: Sie bringt uns dazu, eine Psychopathin zu m\u00f6gen. Oder vielleicht einfach nicht loszuwerden. Die Handlung selbst ist temporeich, wendungsreich und mit genau dem richtigen Ma\u00df an Spannung erz\u00e4hlt. Es geht nicht nur um Claires \u201eHobby\u201c, sondern bald auch darum, dass sie selbst ins Visier geraten k\u00f6nnte \u2013 von jemandem, der ihre Geheimnisse kennt. Diese Bedrohungsebene verleiht der Geschichte zus\u00e4tzlich Drive, ohne die Leichtigkeit des Tons zu st\u00f6ren. Wallace wei\u00df genau, wann sie das Tempo anzieht und wann sie ihrer Figur Raum gibt \u2013 zum Denken, Erinnern, Pl\u00e4neschmieden oder eben zum n\u00e4chsten impulsiven Mord. Was mir besonders gefallen hat, ist, dass das Buch trotz seiner humorvollen Tonlage nie in die reine Klamotte abrutscht. Es bleibt glaubw\u00fcrdig in seiner eigenen Logik, spielt gekonnt mit schwarzem Humor, ohne geschmacklos zu werden, und schafft es, ernsthafte Themen wie Einsamkeit, gesellschaftliche Entfremdung oder die Frage nach moralischer Verantwortung mit leichter Hand einzubetten. Die \u00dcbersetzung von Leena Flegler f\u00e4ngt diesen Ton exzellent ein \u2013 fl\u00fcssig, pointiert, mit einem sehr guten Gef\u00fchl f\u00fcr Timing und Sprachwitz. <em>My Life as a Serial Killer<\/em> ist also mehr als ein launiger Thriller mit Farbschnitt (auch wenn der durchaus h\u00fcbsch anzusehen ist). Es ist ein intelligentes, rotzfreches, messerscharf formuliertes Buch \u00fcber eine Frau, die genug hat \u2013 und sich nimmt, was sie will. Dass sie dabei \u00fcber Leichen geht, macht das Ganze moralisch fragw\u00fcrdig, literarisch aber umso reizvoller. F\u00fcr alle, die schwarzen Humor m\u00f6gen, genug von stereotypen True-Crime-Formeln haben und sich nach einer Hauptfigur sehnen, die nicht \u201enett\u201c, aber daf\u00fcr einzigartig ist, ist dieses Buch ein absoluter Volltreffer. Und Claire? Die wird man so schnell nicht wieder los.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;My Life As A Serial Killer&#8220; von Joanna Wallace. \/\/ Joanna Wallace hat mit My Life as a Serial Killer ein Deb\u00fct hingelegt, das man so schnell nicht vergisst \u2013 und vielleicht auch gar nicht vergessen will. 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