{"id":33414,"date":"2025-08-21T11:37:20","date_gmt":"2025-08-21T09:37:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33414"},"modified":"2025-08-21T11:37:21","modified_gmt":"2025-08-21T09:37:21","slug":"aufgelesen-vol-609-durch-das-raue-zu-den-sternen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33414","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)09 &#8211; &#8222;durch das raue zu den sternen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den neuen Werken von Heinz Strunk und Christopher Kloeble. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Heinz-Strunk-625x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33420\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Heinz-Strunk-625x1024.jpg 625w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Heinz-Strunk-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Heinz-Strunk-768x1259.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Heinz-Strunk-937x1536.jpg 937w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Heinz-Strunk-1249x2048.jpg 1249w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Heinz-Strunk-scaled.jpg 1561w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Zwei B\u00fccher, zwei Stimmen, zwei Welten \u2013 und doch eine gemeinsame Linie: der menschliche Kampf um W\u00fcrde, Zugeh\u00f6rigkeit und das Recht, anders zu sein. In <strong>Christopher Kloebles<\/strong> <em>Durch das Raue zu den Sternen<\/em> begegnen wir Arkadia, einem jungen M\u00e4dchen mit einem ungew\u00f6hnlichen Traum \u2013 sie will in einem Knabenchor singen. Was zun\u00e4chst wie eine zarte, fast m\u00e4rchenhafte Pr\u00e4misse klingt, entfaltet sich zu einem vielschichtigen Roman \u00fcber Identit\u00e4t, Widerstand und die bitters\u00fc\u00dfe Kraft der Musik. Kloeble, der selbst als Kind im ber\u00fchmten T\u00f6lzer Knabenchor sang, sch\u00f6pft aus autobiografischer Tiefe und l\u00e4sst seine Protagonistin mit leiser Beharrlichkeit gegen die Strukturen einer Welt anlaufen, die ihr vorschreibt, was sie zu sein hat \u2013 und was nicht. Arkadia ist keine klassische Heldin, aber gerade darin liegt ihre Gr\u00f6\u00dfe. Sie liebt ihre Eltern auf eine Weise, die zutiefst bewegend ist \u2013 mit Loyalit\u00e4t, Trotz und unersch\u00fctterlichem Vertrauen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Kloebles Sprache ist klar und poetisch, gleichzeitig schneidend genau, wenn es um die Br\u00fcche und H\u00e4rten des Aufwachsens geht. Der Roman lebt von der Ambivalenz: der Sch\u00f6nheit der Musik und der Grausamkeit des Ausschlusses, dem kindlichen Wunsch zu geh\u00f6ren und dem erwachsenen Wissen um die Kosten von Anpassung. Es ist ein Roman, der nicht laut schreit, sondern tief vibriert \u2013 und vielleicht gerade deshalb so laut nachhallt. Der Titel \u2013 eine Adaption des lateinischen <em>per aspera ad astra<\/em> \u2013 spiegelt perfekt wider, worum es geht: den steinigen Weg zu einem Stern, der vielleicht nie vollst\u00e4ndig erreicht wird, aber als Sehnsuchtsbild hell leuchtet. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kloeble-624x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33421\" width=\"463\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kloeble-624x1024.jpg 624w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kloeble-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kloeble-768x1260.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kloeble-936x1536.jpg 936w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kloeble-1248x2048.jpg 1248w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kloeble-scaled.jpg 1560w\" sizes=\"(max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Dem gegen\u00fcber steht <strong>Heinz Strunks<\/strong> <em>Kein Geld Kein Gl\u00fcck Kein Sprit<\/em>, eine Sammlung urkomischer und gleichzeitig todtrauriger Kurzgeschichten, in denen das Groteske des Alltags mit chirurgischer Pr\u00e4zision seziert wird. Strunk bleibt sich treu: Seine Figuren sind Verlierer, Abgeh\u00e4ngte, Gestrandete \u2013 aber er betrachtet sie nie von oben herab. Vielmehr nimmt er sie in ihrer ganzen Absurdit\u00e4t ernst. Jede Geschichte ist ein kleines Sittenbild unserer Gegenwart, irgendwo zwischen Vorstadt-Tristesse, konsumgetr\u00e4nktem \u00dcberdruss und zwischenmenschlichen Fehlz\u00fcndungen. Strunks Humor ist bitter, oft bei\u00dfend, manchmal albern \u2013 aber immer menschlich. Es gibt Szenen, in denen man laut lachen muss, obwohl einem das Lachen eigentlich im Hals stecken bleiben sollte. W\u00e4hrend Kloeble seine Erz\u00e4hlung um eine zentrale Figur herum aufbaut, bewegt sich Strunk in der Fl\u00e4che, springt von Milieu zu Milieu, von Absurdit\u00e4t zu Abgrund. Seine Welt ist eine, in der Menschen in der Nebensaison am Fischbuffet gegeneinander in den Krieg ziehen, Haushaltsroboter in metaphysische Leere blicken und Sch\u00f6nheitsoperationen zum existenziellen Fiasko werden. Und doch ist da bei aller Skurrilit\u00e4t eine sp\u00fcrbare Melancholie, fast schon ein leises Mitleid mit den Figuren, die sich durch ihre schr\u00e4gen Biografien stolpern. Die Sprache ist oft kantig, schnoddrig, aber punktgenau \u2013 und gerade darin entfaltet sich eine fast schon lakonische Poesie des Verlorenseins. Beide B\u00fccher eint eine tiefe Empathie f\u00fcr ihre Figuren \u2013 und der Mut, deren Au\u00dfenseitertum ins Zentrum zu stellen. Kloeble n\u00e4hert sich dem Thema mit Ernst, W\u00e4rme und lyrischer Tiefe, w\u00e4hrend Strunk mit scharfem Blick und makaberem Witz die Mechanismen einer Gesellschaft offenlegt, die so gerne erfolgreich sein will und dabei vor allem eines ist: verloren. <em>Durch das Raue zu den Sternen<\/em> ist ein stiller Aufschrei, eine Geschichte \u00fcber Mut und Zugeh\u00f6rigkeit. <em>Kein Geld Kein Gl\u00fcck Kein Sprit<\/em> ist ein Panoptikum des modernen Scheiterns, eine Groteske, die schmerzt, weil sie so wahr ist. Beide B\u00fccher zeigen auf ihre ganz eigene Weise, wie sehr Literatur Ausdruck unserer inneren und \u00e4u\u00dferen Br\u00fcche sein kann. Und wie viel Trost darin liegt, wenn man sich \u2013 zwischen Chorprobe und Fischbuffet \u2013 verstanden f\u00fchlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den neuen Werken von Heinz Strunk und Christopher Kloeble. \/\/ Zwei B\u00fccher, zwei Stimmen, zwei Welten \u2013 und doch eine gemeinsame Linie: der menschliche Kampf um W\u00fcrde, Zugeh\u00f6rigkeit und das Recht, anders zu sein. 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