{"id":33415,"date":"2025-08-20T15:23:51","date_gmt":"2025-08-20T13:23:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33415"},"modified":"2025-08-20T15:23:52","modified_gmt":"2025-08-20T13:23:52","slug":"werktag-vol-175-capital-b","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33415","title":{"rendered":"\/\/ werktag vol. (1)75 &#8211; &#8222;capital b&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Capital B&#8220; von Florian Opitz. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Capital-B-651x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33418\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Capital-B-651x1024.jpg 651w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Capital-B-191x300.jpg 191w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Capital-B-768x1208.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Capital-B-976x1536.jpg 976w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Capital-B-1302x2048.jpg 1302w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Capital-B-scaled.jpg 1627w\" sizes=\"(max-width: 651px) 100vw, 651px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Wenn man in Berlin lebt \u2013 oder gelebt hat, oder auch nur halbherzig mit dem Gedanken spielte \u2013 dann f\u00fchlt sich <em>Capital B<\/em> nicht wie ein Buch an, sondern wie ein wuchtiger Spiegel, der einem mit aller Wucht vor die Stirn knallt. <strong>Florian Opitz <\/strong>hat hier nicht einfach ein Stadtportr\u00e4t geschrieben. Er hat einen rasenden, schillernden, vielstimmigen Trip durch \u00fcber 30 Jahre Hauptstadtwahnsinn hingelegt \u2013 und dabei eine Erz\u00e4hlform gew\u00e4hlt, die so roh, direkt und unverstellt ist wie Berlin selbst. Was dieses Buch so mitrei\u00dfend macht, ist nicht nur die schiere Menge an Stoff, an Protagonist*innen, an Geschichten \u2013 sondern die Art, wie Opitz es schafft, aus diesem Chaos eine greifbare Dramaturgie zu bauen. Vom Umbruchsjahr 1989, das nicht nur die Mauer, sondern ganze Weltbilder einst\u00fcrzen lie\u00df, bis hin zur Gegenwart, in der Berlin l\u00e4ngst keine anarchische Spielwiese mehr ist, sondern ein hei\u00df umk\u00e4mpfter globaler Standort f\u00fcr Investoren, Kreative, Kriminelle, Kapital und Kollaps. Opitz stellt keine Thesen auf, die er dann trocken abarbeitet. Er l\u00e4sst die Stadt erz\u00e4hlen. Und sie erz\u00e4hlt in vielen Stimmen, vielen T\u00f6nen, manchmal schreiend, manchmal fl\u00fcsternd \u2013 aber immer ehrlich. Was mich besonders gepackt hat, war die Vielschichtigkeit. Auf der einen Seite die euphorischen Aufbruchsgef\u00fchle der fr\u00fchen 90er: besetzte H\u00e4user, illegale Raves in Ruinen, ein kollektives Gef\u00fchl von: \u201eAlles ist m\u00f6glich.\u201c <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite aber auch die kalte Realit\u00e4t, wie dieses \u201eAlles\u201c nach und nach filetiert wurde \u2013 von Investoren, von politischen Machenschaften, von einem System, das l\u00e4ngst nicht mehr fragt, ob ein Ort lebenswert ist, sondern ob er Rendite bringt. Die Mischung aus Interviews, Portr\u00e4ts und historischen Abrissen funktioniert dabei erstaunlich gut. Man sp\u00fcrt, dass Opitz vom Film kommt \u2013 das Tempo ist hoch, die Bilder klar, die \u00dcberg\u00e4nge oft filmisch gedacht. Und gerade durch die Vielfalt der Perspektiven entsteht ein Berlin, das nie eindeutig zu greifen ist: Peter Fox und sein Berlin-Liebeslied sind ebenso Teil dieser Geschichte wie Dimitri Hegemann, der aus einem alten Heizkraftwerk den Tresor gemacht hat, oder Pamela Schobe\u00df, die im Clubkollektiv f\u00fcr eine faire Kulturlandschaft k\u00e4mpft. Dazu zahlreiche Menschen, die Berlin gepr\u00e4gt haben, indem sie es gestalten oder gegen die Wand gefahren haben. Oft beides. Opitz bringt vieles zur\u00fcck ins Bewusstsein, was \u00fcberlagert wurde \u2013 von der Geschwindigkeit der Stadt, von pers\u00f6nlichen Erinnerungen, von gezielter politischer Verdr\u00e4ngung. Es ist kein nostalgisches Buch, obwohl Nostalgie hier und da durchblitzt. Es ist vor allem ein ehrliches. Und das ist vielleicht das gr\u00f6\u00dfte Kompliment, das man einem Buch \u00fcber Berlin machen kann. <em>Capital B<\/em> ist keine Wohlf\u00fchllekt\u00fcre. Es ist eine Zumutung im besten Sinne \u2013 w\u00fctend, traurig, wild, vollgepackt mit Fakten und Schicksalen, und dabei immer mit dem Blick auf das gro\u00dfe Ganze. Wer Berlin verstehen will, jenseits von Touri-Klischees und Instagram-Schnappsch\u00fcssen, der findet hier den Schl\u00fcssel. Einen rauen, schweren, kantigen Schl\u00fcssel. Ich habe das Buch mit einem Gef\u00fchl von Melancholie, Wut und \u2013 trotz allem \u2013 Zuneigung aus der Hand gelegt. Zuneigung zu einer Stadt, die sich st\u00e4ndig neu erfindet, und dabei jedes Mal ein St\u00fcck ihrer Seele verkauft. Und trotzdem bleibt. Florian Opitz ist mit <em>Capital B<\/em> ein echtes Zeitdokument gelungen. Kein trockener Geschichtsband, sondern ein vibrierendes Mosaik aus Stimmen, K\u00e4mpfen und Kompromissen. Es ist ein Buch, das nachhallt. Und das man wahrscheinlich in zehn Jahren noch einmal lesen muss \u2013 um zu sehen, wie viel Berlin dann noch \u00fcbrig ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Capital B&#8220; von Florian Opitz. \/\/ Wenn man in Berlin lebt \u2013 oder gelebt hat, oder auch nur halbherzig mit dem Gedanken spielte \u2013 dann f\u00fchlt sich Capital B nicht wie ein Buch an, sondern wie ein wuchtiger Spiegel, der einem mit aller Wucht vor die Stirn knallt. 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