{"id":33462,"date":"2025-09-12T11:06:56","date_gmt":"2025-09-12T09:06:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33462"},"modified":"2025-09-12T11:06:58","modified_gmt":"2025-09-12T09:06:58","slug":"werktag-vol-178-heimatland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33462","title":{"rendered":"\/\/ werktag vol. (1)78 &#8211; &#8222;heimatland&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Heimatland&#8220; von G\u00fcner Yasemin Balci.  <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Guener-Yasemin-624x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33467\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Guener-Yasemin-624x1024.jpg 624w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Guener-Yasemin-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Guener-Yasemin-768x1260.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Guener-Yasemin-936x1536.jpg 936w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Guener-Yasemin-1248x2048.jpg 1248w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Guener-Yasemin-scaled.jpg 1561w\" sizes=\"(max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Als ich <em>Heimatland<\/em> von <strong>G\u00fcner Yasemin Balci<\/strong> gelesen habe, hatte ich das Gef\u00fchl, dass hier jemand nicht einfach ein Buch schreibt, sondern ein St\u00fcck Leben festh\u00e4lt \u2013 roh, ehrlich, verletzlich, aber auch voller Kraft. Balci erz\u00e4hlt nicht aus einer distanzierten Beobachterrolle, sondern aus der Mitte heraus, aus der eigenen Biografie, und genau das macht diesen Text so eindringlich. Ihre Eltern kamen als Gastarbeiter nach Berlin-Neuk\u00f6lln, ins Rollbergviertel, und was zun\u00e4chst nach Aufbruch und Fortschritt klang \u2013 eine Wohnung mit eigenem Bad, ein Ankommen in einer fremden Welt \u2013 verwandelte sich bald in einen Mikrokosmos, der alles andere als einfach war. W\u00e4hrend Balci ihre Kindheit noch als unbeschwert beschreibt, kippt die Atmosph\u00e4re im Viertel in den 1980er-Jahren: Aus einem Arbeiterviertel wird ein sozialer Brennpunkt, beherrscht von Machtdynamiken arabischer Gro\u00dffamilien, von einem reaktion\u00e4ren Islam, der Frauen und M\u00e4dchen Selbstbestimmung raubt, und von einem Klima, in dem H\u00e4rte \u00fcberleben bedeutet. Was mich besonders bewegt hat, ist, wie Balci diese Entwicklungen nicht schwarz-wei\u00df zeichnet. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sie zeigt die Verlockungen von Zugeh\u00f6rigkeit, die W\u00e4rme von Freundschaften, die Momente, in denen Gemeinschaft tr\u00e4gt \u2013 und zugleich die H\u00e4rte, die Gewalt, die Enge. In jeder Episode sp\u00fcrt man, wie sie sich selbst behaupten musste, wie sie zwischen Welten stand: der Welt ihrer Eltern, die Sicherheit suchten; der Welt des Viertels, die immer rauer wurde; und der Welt der Mehrheitsgesellschaft, die oft wegsah oder vorschnell urteilte. Beim Lesen hatte ich immer wieder den Eindruck, dass dieses Buch nicht nur eine Erinnerung ist, sondern auch ein Aufruf. Balci macht klar, dass Demokratie kein abstraktes Konzept ist, sondern eine t\u00e4gliche Herausforderung. \u201eZ\u00e4hne zeigen gegen die Feinde der Demokratie\u201c \u2013 dieser Untertitel klingt k\u00e4mpferisch, aber im Buch selbst sp\u00fcrt man vor allem, wie existenziell dieser Kampf ist: gegen reaktion\u00e4re Strukturen, gegen Gleichg\u00fcltigkeit, gegen das Vergessen. Ihre Sprache ist direkt, schn\u00f6rkellos, manchmal fast n\u00fcchtern \u2013 und gerade dadurch so stark. Es gibt Passagen, in denen ich beim Lesen innehielt, weil sie mit wenigen S\u00e4tzen eine ganze Welt \u00f6ffnet: die Ger\u00fcche im Treppenhaus, die Angst auf dem Schulhof, die kleinen Triumphe, wenn man sich nicht unterkriegen l\u00e4sst. Balci verkn\u00fcpft diese Erinnerungen mit Reflexionen, die weit \u00fcber Neuk\u00f6lln hinausgehen. Man sp\u00fcrt, dass sie ihr Viertel als Brennspiegel versteht: f\u00fcr Fragen von Zugeh\u00f6rigkeit, von Freiheit, von Verantwortung. <em>Heimatland<\/em> ist aber nicht nur eine Abrechnung. Es ist zugleich eine Liebeserkl\u00e4rung \u2013 an das Land, das ihr Heimat wurde, trotz aller H\u00e4rten; an die Menschen, die sie gepr\u00e4gt haben; an die Idee, dass Demokratie mehr sein kann als ein Wort. Es ist ein Buch, das Mut macht, weil es zeigt, dass Verletzlichkeit und St\u00e4rke keine Gegens\u00e4tze sind, sondern zwei Seiten derselben Erfahrung. Am Ende hatte ich das Gef\u00fchl, dass dieses Buch mich nicht nur in eine Biografie mitgenommen hat, sondern auch in eine Zeit, in der Fragen von Herkunft, Zusammenhalt und Demokratie neu gestellt werden m\u00fcssen. Balci zeigt, dass diese Fragen nicht theoretisch sind, sondern unmittelbar mit dem eigenen Leben zu tun haben. <em>Heimatland<\/em> ist ein Zeugnis \u2013 und eine Einladung, sich nicht abzufinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Heimatland&#8220; von G\u00fcner Yasemin Balci. \/\/ Als ich Heimatland von G\u00fcner Yasemin Balci gelesen habe, hatte ich das Gef\u00fchl, dass hier jemand nicht einfach ein Buch schreibt, sondern ein St\u00fcck Leben festh\u00e4lt \u2013 roh, ehrlich, verletzlich, aber auch voller Kraft. 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