{"id":33476,"date":"2025-09-05T19:14:19","date_gmt":"2025-09-05T17:14:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33476"},"modified":"2025-09-05T19:14:21","modified_gmt":"2025-09-05T17:14:21","slug":"aufgelesen-vol-621-das-geschenk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33476","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)21 &#8211; &#8222;das geschenk&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den Werken &#8222;Buch der Gesichter&#8220; und &#8222;Das Geschenk&#8220;. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Marko-Dinic-627x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33477\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Marko-Dinic-627x1024.jpg 627w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Marko-Dinic-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Marko-Dinic-768x1254.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Marko-Dinic-940x1536.jpg 940w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Marko-Dinic-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Marko-Dinic-scaled.jpg 1567w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Es ist selten, dass zwei B\u00fccher aus demselben Verlag so unterschiedlich daherkommen und doch auf einer tieferen Ebene eng miteinander verbunden scheinen. <strong>Marko Dini\u0107<\/strong>s eben erst auf die Longlist des Deutschen Buchpreises gesetztes Werk <em>Buch der Gesichter<\/em> und <strong>Gaea Schoeters<\/strong>\u2019 <em>Das Geschenk<\/em> erz\u00e4hlen auf den ersten Blick vollkommen verschiedene Geschichten \u2013 hier das von Gewalt, Erinnerung und Identit\u00e4t gezeichnete Belgrad des Jahres 1942, dort eine schrille, beinahe satirische Parabel, in der 20.000 Elefanten in deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten auftauchen. Und doch kreisen beide Werke um dieselbe Frage: Wie gehen wir als Gesellschaft mit unserer Vergangenheit, unserer Verantwortung und den Folgen unserer Entscheidungen um? Dini\u0107 f\u00fchrt uns in ein Serbien, das im Zweiten Weltkrieg vom Terror der Besatzung und der Shoah \u00fcberschattet ist. Sein Protagonist Isak Ras irrt durch eine Stadt, die zugleich Labyrinth und Abgrund ist, auf der Suche nach Antworten, die ihm vielleicht schon niemand mehr geben kann. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dass Dini\u0107 diese Spurensuche aus acht Perspektiven erz\u00e4hlt, die sich am Ende wie ein r\u00e4tselhaftes Mosaik zusammensetzen, macht die Lekt\u00fcre anspruchsvoll, aber auch ungemein lohnend. Es ist ein Roman, der Erinnerung nicht nur abbildet, sondern sie auf nachdr\u00fcckliche Weise erfahrbar macht: Wie unscharf, wie gebrochen, wie vielstimmig Geschichte auch immer ist. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gaea-Schoeters-634x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33478\" width=\"463\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gaea-Schoeters-634x1024.jpg 634w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gaea-Schoeters-186x300.jpg 186w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gaea-Schoeters-768x1240.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gaea-Schoeters-951x1536.jpg 951w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gaea-Schoeters-1268x2048.jpg 1268w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gaea-Schoeters-scaled.jpg 1586w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ganz anders Schoeters: Ihr <em>Geschenk<\/em> ist ein scharfes, spielerisches Gedankenspiel, das sich fast wie ein modernes M\u00e4rchen liest. Elefanten, die durch deutsche Stra\u00dfen stapfen \u2013 diese groteske Szenerie ist mehr als ein surrealer Einfall. Sie entlarvt die Schieflagen in der globalen Verantwortung: Europ\u00e4ische Politik trifft Entscheidungen mit moralischem Gestus, aber die Konsequenzen m\u00fcssen andere tragen. Der Pr\u00e4sident Botswanas kehrt das Verh\u00e4ltnis einfach um, und pl\u00f6tzlich steht der deutsche Kanzler vor dem Problem, 20.000 Elefanten unterzubringen. Es ist absurd, komisch und zugleich todernst \u2013 ein Spiegel, der die Bequemlichkeit europ\u00e4ischer Haltung gnadenlos beleuchtet. Was beide B\u00fccher eint, ist der Mut, historische und gegenw\u00e4rtige Fragen literarisch radikal anders zu erz\u00e4hlen. Dini\u0107 verkn\u00fcpft Erinnerungsliteratur mit der Form eines R\u00e4tsels, bei dem der Leser selbst Detektiv wird. Schoeters greift ins Arsenal der Satire und Fabel, um den moralischen Zeigefinger durch Humor zu ersetzen \u2013 und gerade dadurch umso sch\u00e4rfer zu treffen. Beide B\u00fccher verweigern sich der simplen Belehrung. Sie zwingen ihre Leser, selbst zu deuten, zu vergleichen, Schl\u00fcsse zu ziehen. Ich habe beim Lesen das Gef\u00fchl gehabt, zwei Seiten einer Medaille vor mir zu haben: <em>Buch der Gesichter<\/em> zeigt, wie die Gewalt der Vergangenheit sich in Biografien und Erinnerung einschreibt. <em>Das Geschenk<\/em> zeigt, wie politische Verantwortung in der Gegenwart verdr\u00e4ngt und verschoben wird, bis sie \u2013 in Gestalt von Elefanten \u2013 nicht mehr zu ignorieren ist. W\u00e4hrend Dini\u0107 in die Tiefenschichten des 20. Jahrhunderts hinabsteigt, springt Schoeters mitten hinein in die Gegenwart und entlarvt deren Widerspr\u00fcche. Zusammen gelesen, ergeben diese beiden B\u00fccher fast schon einen Dialog \u00fcber Europa \u2013 \u00fcber Schuld, Verantwortung, \u00dcberheblichkeit und die Frage, was wir bereit sind zu sehen und zu tragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den Werken &#8222;Buch der Gesichter&#8220; und &#8222;Das Geschenk&#8220;. \/\/ Es ist selten, dass zwei B\u00fccher aus demselben Verlag so unterschiedlich daherkommen und doch auf einer tieferen Ebene eng miteinander verbunden scheinen. 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