{"id":33507,"date":"2025-09-14T18:19:52","date_gmt":"2025-09-14T16:19:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33507"},"modified":"2025-09-14T18:19:53","modified_gmt":"2025-09-14T16:19:53","slug":"aufgelesen-vol-627-die-sprache-meines-bruders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33507","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)27 &#8211; &#8222;die sprache meines bruders&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominierten Werk &#8222;Die Sprache meines Bruders&#8220; von Gesa Olkusz.  <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gesa-Olkusz-622x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33515\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gesa-Olkusz-622x1024.jpg 622w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gesa-Olkusz-182x300.jpg 182w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gesa-Olkusz-768x1264.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gesa-Olkusz-933x1536.jpg 933w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gesa-Olkusz-1244x2048.jpg 1244w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gesa-Olkusz-scaled.jpg 1555w\" sizes=\"(max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Gesa Olkusz<\/strong> erz\u00e4hlt in <em>Die Sprache meines Bruders<\/em> eine Geschichte, die auf den ersten Blick schlicht wirkt, die sich aber schon nach wenigen Seiten als von tiefer poetischer Kraft erweist. Zwei Br\u00fcder, Parker und Kasimir, die mit ihrer Mutter aus Polen in die USA ausgewandert sind, stehen im Mittelpunkt \u2013 und mit ihnen die Sprachlosigkeit, die Einsamkeit und das enge, fast erdr\u00fcckende Band zwischen ihnen. W\u00e4hrend Parker nachts als Chauffeur unterwegs ist, zieht Kasimir sich ganz in die Innenr\u00e4ume zur\u00fcck, unf\u00e4hig oder unwillig, hinauszugehen. Ihre Mutter, deren Hoffnung auf ein besseres Leben in Amerika in Resignation und Lebensm\u00fcdigkeit zerbrochen ist, hat den beiden Br\u00fcdern eine Welt hinterlassen, die nur aus Pflichten, Routinen und Schweigen besteht. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es ist eine wortlose N\u00e4he, die fast schon wie eine eigene Sprache funktioniert, eine, die Au\u00dfenstehende nicht verstehen k\u00f6nnen \u2013 bis Luzia auftaucht, eine Vagabundin voller Vitalit\u00e4t, die in ihrer Ungebundenheit genau das verk\u00f6rpert, was den Br\u00fcdern fehlt. Sie bringt Leichtigkeit und eine Spur von Abenteuer in die enge Symbiose, bricht sie zugleich aber auch auf. Als Luzia verschwindet und nach Panama geht, wird die Z\u00e4sur endg\u00fcltig: Kasimir, der das Haus bisher nie verlassen hat, begibt sich auf die Suche. Dieser Moment ist wie eine stille Explosion, ein Aufbrechen von Grenzen, das lange angedeutet war. Olkusz gelingt es, diese Konstellation in einer Sprache zu fassen, die glasklar und dabei hoch poetisch ist. Es gibt keine \u00fcberfl\u00fcssigen Verzierungen, keine lauten Gesten \u2013 und gerade darin liegt die Intensit\u00e4t. Die Br\u00fcder wirken wie Figuren, die aus einer mythischen Erz\u00e4hlung in die Gegenwart gefallen sind, und Luzia wie ein Katalysator, der die erstarrte Ordnung durcheinanderbringt. Ich empfand den Roman beim Lesen als sehr filmisch, fast bildhaft: Nachtszenen auf den Stra\u00dfen, enge Zimmer, ein pl\u00f6tzlicher Aufbruch in eine ferne Welt. Mich hat <em>Die Sprache meines Bruders<\/em> besonders wegen seines leisen Tones ber\u00fchrt. Es ist eine Geschichte von Migration, Fremdheit und Sprachlosigkeit \u2013 aber eben auch von der M\u00f6glichkeit, dass selbst die verschlossensten R\u00e4ume aufbrechen k\u00f6nnen. Dass Olkusz neben Philosophie auch Interkulturelle Kommunikation studiert hat, sp\u00fcrt man zwischen den Zeilen: Ihr Blick auf das Schweigen, auf die feinen Nuancen des Nichtgesagten, ist von einer gro\u00dfen Genauigkeit und Empathie. Das Buch wirkt wie ein zarter, aber nachhaltiger Widerhall, der sich in einem festsetzt, gerade weil es nicht laut ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominierten Werk &#8222;Die Sprache meines Bruders&#8220; von Gesa Olkusz. \/\/ Gesa Olkusz erz\u00e4hlt in Die Sprache meines Bruders eine Geschichte, die auf den ersten Blick schlicht wirkt, die sich aber schon nach wenigen Seiten als von tiefer poetischer Kraft erweist. 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