{"id":33944,"date":"2025-12-19T12:31:45","date_gmt":"2025-12-19T11:31:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33944"},"modified":"2025-12-19T12:31:47","modified_gmt":"2025-12-19T11:31:47","slug":"aufgelesen-vol-648-das-seltsame-haus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=33944","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)48 &#8211; &#8222;das seltsame haus&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;HEN NA IE &#8211; Das seltsame Haus&#8220; von Uketsu.  <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Uketsu-645x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33948\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Uketsu-645x1024.jpg 645w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Uketsu-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Uketsu-768x1219.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Uketsu-968x1536.jpg 968w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Uketsu-1291x2048.jpg 1291w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Uketsu-scaled.jpg 1613w\" sizes=\"(max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Es gibt Krimis, die versuchen, uns durch immer neue Wendungen zu \u00fcberraschen \u2013 und dann gibt es B\u00fccher wie <em>HEN NA IE<\/em>, die einen schon auf der ersten Seite aus dem Gleichgewicht bringen, weil sie etwas viel Subtileres tun: Sie kriechen langsam unter die Haut. <strong>Uketsu<\/strong> hat mit diesem Roman etwas geschaffen, das sich anf\u00fchlt wie ein Fl\u00fcstern im Nacken, ein diffuses Unbehagen, das man nicht ganz greifen kann \u2013 und gerade deshalb nicht loswird. Was mich besonders fasziniert hat, ist die Ausgangssituation: Ein harmloser Grundriss, ein Haus, das man vielleicht beim Durchbl\u00e4ttern eines Immobilienkatalogs \u00fcbersehen w\u00fcrde. Und dann dieser eine Raum, den es nicht geben sollte. Dieser winzige Fehler, der das ganze Geb\u00e4ude pl\u00f6tzlich in ein neues Licht r\u00fcckt. Es ist ein brillanter erz\u00e4hlerischer Trick \u2013 klein, unscheinbar, aber so verst\u00f6rend, dass man den Blick nicht mehr davon l\u00f6sen kann. Von da an entwickelt der Roman einen Sog, der immer st\u00e4rker wird, je mehr man erf\u00e4hrt. So, als w\u00fcrde man selbst Schritt f\u00fcr Schritt in dieses Haus hineingehen, obwohl einem jeder Instinkt sagt, man solle drau\u00dfen bleiben. Die Geschichte wird aus der Sicht eines jungen Autors erz\u00e4hlt, der sich eigentlich mit Okkultismus besch\u00e4ftigt \u2013 ein Mensch also, der mit d\u00fcsteren Legenden und unheimlichen Details vertraut ist. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und trotzdem wirkt er an vielen Stellen genauso \u00fcberfordert und verunsichert wie wir. Sein Versuch, die seltsamen Hinweise zu ordnen \u2013 die Ger\u00fcchte, die Spuren, die widerspr\u00fcchlichen Zeugnisse \u2013, macht das Buch zu einem echten Mitdenk-Thriller. Man ertappt sich immer wieder dabei, selbst Hypothesen aufzustellen, nur um sie ein paar Seiten sp\u00e4ter wieder zu verwerfen. Uketsu spielt mit dieser Unruhe, mit kleinen Andeutungen und verst\u00f6renden Andeutungen, die oft gerade so viel enth\u00fcllen, dass man sich den Rest selbst ausmalen muss. Besonders gelungen ist die Art, wie das Haus selbst langsam zu einer Figur wird. Nicht im \u00fcbernat\u00fcrlichen Sinne, aber durch die Geschichten, die sich an seinen W\u00e4nden festgesetzt haben. Die Ger\u00fcchte \u00fcber ein eingesperrtes Kind. Die Frage, ob hier tats\u00e4chlich Morde geschehen sind. Der r\u00e4tselhafte Tod eines Mannes, der sich nicht erkl\u00e4ren l\u00e4sst. All das verbindet sich zu einem Gef\u00fchl, das man fast als \u201eklares Unbehagen\u201c bezeichnen k\u00f6nnte. Nicht laut, nicht effekthascherisch \u2013 eher wie das Knarren einer T\u00fcr in einem leeren Raum, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Was das Buch zus\u00e4tzlich so fesselnd macht, sind die eingestreuten Skizzen und Dokumente. Sie geben dem Ganzen etwas Unmittelbares, beinahe Intimes \u2013 als w\u00fcrde man in den Unterlagen eines echten Falls bl\u00e4ttern. Sie strukturieren die Geschichte nicht nur, sondern machen sie greifbarer, fast k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar. Genau dadurch entsteht dieses Gef\u00fchl, dass man Teil der Recherche wird, dass man selbst auf etwas gesto\u00dfen ist, das man vielleicht lieber nicht erkannt h\u00e4tte. Pers\u00f6nlich hat mich der Roman deshalb so erwischt, weil er nicht auf Schockeffekte setzt. Er arbeitet leise. Mit Atmosph\u00e4re. Mit der Angst vor dem, was man nicht sieht. Und je l\u00e4nger man liest, desto st\u00e4rker w\u00e4chst diese Ahnung, dass manche Geheimnisse nicht zum Spielen gemacht sind \u2013 und dass manche T\u00fcren besser geschlossen bleiben. <em>Das seltsame Haus<\/em> ist ein psychologischer Krimi, der sich anf\u00fchlt wie eine Spurensuche durch fremde Schatten. Perfekt f\u00fcr Leserinnen und Leser, die Lust auf ein Buch haben, das nicht einfach unterh\u00e4lt, sondern mit jeder Seite ein wenig am Nervenkost\u00fcm s\u00e4gt. Ein Roman, der nachhallt \u2013 und der das Bild eines harmlosen Grundrisses nie wieder ganz unschuldig wirken l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;HEN NA IE &#8211; Das seltsame Haus&#8220; von Uketsu. \/\/ Es gibt Krimis, die versuchen, uns durch immer neue Wendungen zu \u00fcberraschen \u2013 und dann gibt es B\u00fccher wie HEN NA IE, die einen schon auf der ersten Seite aus dem Gleichgewicht bringen, weil sie etwas viel Subtileres tun: Sie kriechen langsam [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-33944","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33944","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33944"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33944\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34137,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33944\/revisions\/34137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33944"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33944"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33944"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}