{"id":34009,"date":"2025-12-11T22:13:17","date_gmt":"2025-12-11T21:13:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34009"},"modified":"2025-12-11T22:13:19","modified_gmt":"2025-12-11T21:13:19","slug":"aufgelesen-vol-646-wir-koennen-doch-freunde-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34009","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)46 &#8211; &#8222;wir k\u00f6nnen doch freunde bleiben&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den Werken &#8222;Wir k\u00f6nnen doch Freunde bleiben &#8211; Trennungsgeschichten aus der H\u00f6lle&#8220; von Katja Lewina und &#8222;Medulla&#8220; von Verena G\u00fcntner.  <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Katja-Lewina-653x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34015\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Katja-Lewina-653x1024.jpg 653w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Katja-Lewina-191x300.jpg 191w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Katja-Lewina-768x1205.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Katja-Lewina-979x1536.jpg 979w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Katja-Lewina-1306x2048.jpg 1306w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Katja-Lewina-scaled.jpg 1632w\" sizes=\"(max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Zwischen <strong>Verena G\u00fcntners<\/strong> <em>Medulla<\/em> und <strong>Katja Lewina<\/strong>s <em>Wir k\u00f6nnen doch Freunde bleiben<\/em> entsteht ein spannender Resonanzraum: zwei B\u00fccher mit einem Blick f\u00fcr emotionale Feinmechanik \u2013 und doch k\u00f6nnten sie thematisch kaum unterschiedlicher ansetzen. Gleichzeitig erz\u00e4hlen sie, nebeneinander gelesen, von derselben gro\u00dfen Frage, die das intime Gel\u00e4nde unserer Beziehungen seit jeher bestimmt: Was geschieht mit uns, wenn N\u00e4he kippt? Was bleibt \u00fcbrig, wenn wir uns ver\u00e4ndern? Und wie sieht ein neues Leben aus, wenn das alte pl\u00f6tzlich zu eng wird? <em>Medulla<\/em> beginnt im dr\u00fcckenden Berliner Sommer, einem Sommer, der die K\u00f6rper der Figuren aufl\u00e4dt, als w\u00fcrden sie unter einer inneren Spannung stehen. Drei Paare geraten in eine Art langsame Driftbewegung, die man kaum bemerkt, bis der Riss auf einmal offen daliegt. Besonders eindrucksvoll sind dabei die drei schwangeren Frauen \u2013 Siv, Leyla, Esther \u2013, deren K\u00f6rper und Biografien gleicherma\u00dfen im \u00dcbergang stecken. Ihre Schwangerschaften werden nicht als zarte Vorfreude erz\u00e4hlt, sondern als Energie, die Dinge verschiebt: Beziehungen, Selbstbilder, Lebensentw\u00fcrfe. G\u00fcntner schreibt sinnlich, mit einer Intensit\u00e4t, die zugleich warm und irritierend ist, und \u00f6ffnet R\u00e4ume, in denen sich Zartheit und Widerstand ber\u00fchren. Die Frage, was ein Neuanfang kosten darf, zieht sich wie ein dunkler Faden durch diese Geschichten, und doch wirkt der Roman hell, vorw\u00e4rtsgewandt, fast trotzig. Er erz\u00e4hlt von Aufbruch, aber auch vom Schock der Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Katja Lewina setzt an einem anderen Punkt an: nicht am Beginn eines neuen Lebens, sondern am Moment, in dem ein bestehendes Leben auseinanderbricht. In <em>Wir k\u00f6nnen doch Freunde bleiben<\/em> sammelt sie Trennungsgeschichten, die so ehrlich, absurd, bitter und manchmal komisch sind, dass man beim Lesen unweigerlich zwischen Entsetzen und Lachen pendelt. Lewina ist bekannt f\u00fcr ihren scharfen Blick auf intime Beziehungsrealit\u00e4ten, und hier seziert sie die vielen Varianten des Abschieds mit gro\u00dfer Empathie und einem wachen Gesp\u00fcr f\u00fcr menschliche Schw\u00e4chen. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Verena-Guentner-662x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34014\" width=\"463\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Verena-Guentner-662x1024.jpg 662w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Verena-Guentner-194x300.jpg 194w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Verena-Guentner-768x1189.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Verena-Guentner-992x1536.jpg 992w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Verena-Guentner-1323x2048.jpg 1323w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Verena-Guentner-scaled.jpg 1654w\" sizes=\"(max-width: 662px) 100vw, 662px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Geschichten \u2013 von Annette, Rayk, Maximilian und vielen anderen \u2013 wirken wie Momentaufnahmen aus einem unsichtbaren Museum emotionaler Katastrophen. Lewina zeigt, wie Menschen stolpern, taumeln, manipulieren, fl\u00fcchten oder sich endlich befreien. Doch trotz des Chaos gibt es immer einen Punkt, an dem Klarheit einsetzt: Der Trennungsschmerz f\u00fchrt unweigerlich zur\u00fcck zu uns selbst. Liest man beide B\u00fccher zusammen, entsteht ein unerwarteter Dialog. <em>Medulla<\/em> zeigt die inneren Bewegungen, die Beziehungen in Frage stellen, w\u00e4hrend <em>Wir k\u00f6nnen doch Freunde bleiben<\/em> erz\u00e4hlt, was vom Menschen \u00fcbrig bleibt, wenn all diese Fragen nicht mehr hypothetisch sind. G\u00fcntner schreibt \u00fcber das Aufbegehren gegen Lebensentw\u00fcrfe, die nicht mehr passen; Lewina dar\u00fcber, wie wir aus den Tr\u00fcmmern solcher Entw\u00fcrfe wieder aufstehen. Die eine beschreibt das Knistern des Moments, in dem ein Weg sich teilt; die andere das bitters\u00fc\u00dfe Nachgl\u00fchen, wenn man ihn tats\u00e4chlich gegangen ist. Beide B\u00fccher legen frei, wie br\u00fcchig und zugleich wie kostbar unsere zwischenmenschlichen Bindungen sind. Sie erg\u00e4nzen sich wie zwei Teile desselben Zyklus: das Losgehen und das Loslassen, das Entflammen und das Verl\u00f6schen, das Ringen um Freiheit und das Aushalten ihrer Folgen. Wer <em>Medulla<\/em> liest, sp\u00fcrt die Sehnsucht nach Ver\u00e4nderung; wer danach Lewinas Geschichten liest, versteht genauer, warum diese Ver\u00e4nderungen so ungeheuerlich und gleichzeitig so notwendig sind. Diese Paarung zeigt, wie Literatur das Innenleben von Beziehungen vermessen kann, ohne sich mit einfachen Antworten zufriedenzugeben \u2013 und genau deshalb hallen beide B\u00fccher lange nach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den Werken &#8222;Wir k\u00f6nnen doch Freunde bleiben &#8211; Trennungsgeschichten aus der H\u00f6lle&#8220; von Katja Lewina und &#8222;Medulla&#8220; von Verena G\u00fcntner. \/\/ Zwischen Verena G\u00fcntners Medulla und Katja Lewinas Wir k\u00f6nnen doch Freunde bleiben entsteht ein spannender Resonanzraum: zwei B\u00fccher mit einem Blick f\u00fcr emotionale Feinmechanik \u2013 und doch k\u00f6nnten sie thematisch kaum unterschiedlicher ansetzen. 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