{"id":34322,"date":"2026-01-16T13:41:49","date_gmt":"2026-01-16T12:41:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34322"},"modified":"2026-01-16T13:41:51","modified_gmt":"2026-01-16T12:41:51","slug":"werktag-vol-186-geister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34322","title":{"rendered":"\/\/ werktag vol. (1)86 &#8211; &#8222;geister&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Yokai &#8211; Geister&#8220; von Philippe Charlier.  <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-1-1024x723.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34325\" width=\"463\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-1-1024x723.jpg 1024w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-1-768x542.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-1-1536x1085.jpg 1536w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-1.jpg 1900w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Dieses Buch habe ich zuerst in die Hand genommen, lange bevor ich die erste Seite gelesen habe. \u201eY\u014dkai \u2013 Geister\u201c ist eines jener Werke, bei denen die \u00e4u\u00dfere Gestaltung kein blo\u00dfes Beiwerk ist, sondern bereits Teil der Erz\u00e4hlung. Der Seiden\u00fcberzug, der schwarze Farbschnitt, das Verschlussb\u00e4ndchen \u2013 all das vermittelt das Gef\u00fchl, etwas fast Zeremonielles zu \u00f6ffnen. Und genau dieses Gef\u00fchl tr\u00e4gt sich beim Lesen fort. <strong>Philippe Charlier<\/strong> gelingt hier etwas Seltenes: Er verbindet kunsthistorische Sch\u00f6nheit mit erz\u00e4hlerischer Tiefe und einer leisen, respektvollen Faszination f\u00fcr das Unheimliche. Die Welt der Y\u014dkai ist komplex, widerspr\u00fcchlich und schwer in westliche Kategorien zu pressen. Sie sind weder einfach \u201eGeister\u201c noch reine Monster, sondern Wesen zwischen den Welten, oft aus menschlichen Emotionen geboren: aus Wut, Trauer, Eifersucht oder Einsamkeit. Charlier n\u00e4hert sich ihnen mit einer bemerkenswerten Ernsthaftigkeit, ohne ihnen den Zauber zu nehmen. Man sp\u00fcrt seine doppelte Perspektive als Wissenschaftler und Erz\u00e4hler. Er analysiert, ordnet ein, erkl\u00e4rt \u2013 aber immer so, dass die Geschichten atmen d\u00fcrfen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die 150 Holzschnitte sind \u00fcberw\u00e4ltigend. Werke von Hokusai, Hiroshige oder Utamaro entfalten hier eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Viele dieser Bilder wirken auf den ersten Blick ruhig oder sogar elegant, doch je l\u00e4nger man hinsieht, desto st\u00e4rker entfaltet sich ihr Unbehagen. Verzerrte K\u00f6rper, leere Blicke, flie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge zwischen Mensch, Tier und Geist \u2013 diese Darstellungen bleiben im Ged\u00e4chtnis. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, einzelne Seiten lange zu betrachten, fast meditativ, als w\u00fcrde man selbst in diese Zwischenwelt eintreten. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-2-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34326\" width=\"463\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-2-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-2-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-2-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Yokai-Geister-2.jpg 1900w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Was mich besonders beeindruckt hat, ist Charlies Art zu erz\u00e4hlen. Er schreibt nicht trocken oder akademisch, sondern mit einem sp\u00fcrbaren Respekt vor den Mythen und ihrer kulturellen Bedeutung. Die einzelnen Kapitel lesen sich wie kleine, dunkle Legenden, die zugleich unterhalten und erkl\u00e4ren. Besonders eindringlich sind jene Passagen, in denen er beschreibt, wie Y\u014dkai nicht nur Schrecken verbreiten, sondern auch moralische Spiegel sind \u2013 Mahnungen, Projektionen gesellschaftlicher \u00c4ngste oder Ausdruck unterdr\u00fcckter Emotionen. Die Schilderung einer Geisterbeschw\u00f6rung geh\u00f6rt f\u00fcr mich zu den st\u00e4rksten Momenten des Buches, weil sie zeigt, wie tief diese Wesen im Alltags- und Glaubensleben verankert waren. Gleichzeitig schafft Charlier immer wieder Br\u00fccken zur Gegenwart. Er macht deutlich, wie sehr Y\u014dkai bis heute Manga, Anime und Horrorfilme pr\u00e4gen. Diese Verbindung wirkt nie aufgesetzt, sondern organisch, fast selbstverst\u00e4ndlich. Man beginnt zu verstehen, warum diese Figuren so langlebig sind: weil sie etwas Zeitloses verk\u00f6rpern \u2013 das Unbehagen am Unerkl\u00e4rlichen, die Angst vor Kontrollverlust, aber auch eine gewisse spielerische Lust am Schrecken. F\u00fcr mich ist \u201eY\u014dkai \u2013 Geister\u201c ein Buch, das man nicht einfach liest, sondern erlebt. Es eignet sich zum Schm\u00f6kern, zum langsamen Entdecken, zum Wiederholen. Es ist gleicherma\u00dfen Kunstband, Sagenbuch und kulturhistorische Reise. <strong>Philippe Charlier<\/strong> gelingt es, eine fremde Welt zug\u00e4nglich zu machen, ohne sie zu entzaubern. Am Ende bleibt das Gef\u00fchl, etwas Ber\u00fchrendes und zugleich Unheimliches kennengelernt zu haben \u2013 und der leise Wunsch, dieses Buch immer wieder zur Hand zu nehmen, wenn man sich dem Geheimnisvollen ein St\u00fcck n\u00e4her f\u00fchlen m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Yokai &#8211; Geister&#8220; von Philippe Charlier. \/\/ Dieses Buch habe ich zuerst in die Hand genommen, lange bevor ich die erste Seite gelesen habe. \u201eY\u014dkai \u2013 Geister\u201c ist eines jener Werke, bei denen die \u00e4u\u00dfere Gestaltung kein blo\u00dfes Beiwerk ist, sondern bereits Teil der Erz\u00e4hlung. 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