{"id":34352,"date":"2026-02-06T13:55:21","date_gmt":"2026-02-06T12:55:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34352"},"modified":"2026-02-06T16:33:08","modified_gmt":"2026-02-06T15:33:08","slug":"aufgelesen-vol-655-im-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34352","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)55 &#8211; &#8222;im paradies&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Im Paradies&#8220; von Dorota Maslowska. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Im-Paradies-625x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34356\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Im-Paradies-625x1024.jpg 625w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Im-Paradies-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Im-Paradies-768x1259.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Im-Paradies-937x1536.jpg 937w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Im-Paradies-1249x2048.jpg 1249w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Im-Paradies-scaled.jpg 1561w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Dorota Mas\u0142owska<\/strong> geh\u00f6rt seit vielen Jahren zu jenen Autorinnen, die Gegenwart nicht abbilden, sondern zerlegen. Mit <em>Im Paradies<\/em> legt sie ein schmales, aber hochverdichtetes Buch vor, das wie ein Brennglas funktioniert: grell, komisch, verst\u00f6rend \u2013 und am Ende \u00fcberraschend z\u00e4rtlich. Auf knapp 160 Seiten entsteht ein literarisches Panorama einer Welt, die sich gleichzeitig permanent ver\u00e4ndert und innerlich erstarrt ist. Mas\u0142owskas Figuren leben nicht einfach nebeneinander, sie existieren in parallelen Realit\u00e4ten. Ein selbstverliebter Banker auf n\u00e4chtlicher Jagd, ein Werbefilmer im rauschhaften Dauerbetrieb, ein Junge beim Angeln, eine Frau in einem sch\u00e4bigen Hotelzimmer, die sich radikal entbl\u00f6\u00dft \u2013 k\u00f6rperlich wie seelisch. Sie alle sind einsam, aber nicht still. Sie reden, denken, fantasieren unaufh\u00f6rlich, w\u00e4hrend um sie herum eine Welt aus Phrasen, Werbung, Statussymbolen und Projektionen flimmert. Das \u201eParadies\u201c, das der Titel verspricht, ist kein Ort des Heils, sondern ein tr\u00fcgerischer Zustand permanenter Selbstt\u00e4uschung. Besonders eindrucksvoll ist Mas\u0142owskas Sprache. Sie ist scharf, rhythmisch, manchmal fast brutal komisch, dann wieder von einer unerwarteten Sanftheit. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Klischees werden nicht einfach entlarvt, sondern so lange \u00fcberdreht, bis sie in sich zusammenfallen. Mas\u0142owska zeigt, wie sehr unsere Wahrnehmung von vorgefertigten Bildern gepr\u00e4gt ist \u2013 von M\u00e4nnlichkeit, Erfolg, Gl\u00fcck, Begehren \u2013 und wie leer diese Bilder geworden sind. Gleichzeitig urteilt sie nicht. Ihre Figuren sind l\u00e4cherlich und verletzlich zugleich, Opfer und T\u00e4ter in einem System, das sie selbst mitproduzieren. Ein zentrales Motiv des Buches ist die Unm\u00f6glichkeit koh\u00e4renter Erfahrung. Niemand lebt hier noch \u201ein einer Welt\u201c, sondern in Fragmenten: Medienbilder, Selbstentw\u00fcrfe, Erinnerungsfetzen. Besonders ber\u00fchrend ist die magische Verbindung zwischen dem angelnden Jungen und der Schwimmerin in Seenot \u2013 ein leiser, beinahe m\u00e4rchenhafter Moment, der zeigt, dass N\u00e4he vielleicht doch noch m\u00f6glich ist, wenn auch nur fl\u00fcchtig. Solche Passagen geben dem Buch seine emotionale Tiefe und verhindern, dass es zur reinen Satire wird. <em>Im Paradies<\/em> ist kein bequemes Buch. Es verlangt Aufmerksamkeit, Offenheit f\u00fcr Br\u00fcche und f\u00fcr eine Sprache, die nicht gl\u00e4ttet, sondern reibt. Doch genau darin liegt seine Kraft. Mas\u0142owska h\u00e4lt der Gegenwart keinen moralischen Spiegel vor, sondern eine verzerrte, funkelnde Fl\u00e4che, in der man sich selbst wiedererkennt \u2013 widerwillig, lachend, erschrocken. Dieses Buch zeigt einmal mehr, warum Dorota Mas\u0142owska eine der pr\u00e4zisesten Chronistinnen unserer Zeit ist. Sie schreibt \u00fcber Einsamkeit, Konsum, Rollenbilder und Identit\u00e4tsverlust, ohne jemals banal zu werden. <em>Im Paradies<\/em> ist ein literarischer Kurzschluss zwischen Komik und Ernst, zwischen Analyse und Empathie \u2013 und ein Text, der lange nachhallt, obwohl er so schmal ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Im Paradies&#8220; von Dorota Maslowska. \/\/ Dorota Mas\u0142owska geh\u00f6rt seit vielen Jahren zu jenen Autorinnen, die Gegenwart nicht abbilden, sondern zerlegen. Mit Im Paradies legt sie ein schmales, aber hochverdichtetes Buch vor, das wie ein Brennglas funktioniert: grell, komisch, verst\u00f6rend \u2013 und am Ende \u00fcberraschend z\u00e4rtlich. Auf knapp 160 Seiten entsteht ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-34352","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category--unter-der-haut"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34352","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34352"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34352\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34395,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34352\/revisions\/34395"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34352"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34352"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34352"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}