{"id":34353,"date":"2026-02-20T23:52:08","date_gmt":"2026-02-20T22:52:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34353"},"modified":"2026-02-20T23:52:10","modified_gmt":"2026-02-20T22:52:10","slug":"aufgelesen-vol-657-half-his-age","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34353","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)57 &#8211; &#8222;half his age&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Half His Age&#8220; von Jeanette McCurdy. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Half-His-Ageae-666x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34361\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Half-His-Ageae-666x1024.jpg 666w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Half-His-Ageae-195x300.jpg 195w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Half-His-Ageae-768x1181.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Half-His-Ageae-999x1536.jpg 999w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Half-His-Ageae-1332x2048.jpg 1332w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Half-His-Ageae-scaled.jpg 1665w\" sizes=\"(max-width: 666px) 100vw, 666px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Jennette McCurdy<\/strong> legt mit <em>Half His Age<\/em> einen Roman vor, der weh tut, provoziert, zum Lachen zwingt \u2013 und einen dabei immer wieder ertappt. Wer nach ihrem Memoir <em>I\u2019m Glad My Mom Died<\/em> glaubt, bereits zu wissen, wie kompromisslos sie schreiben kann, wird hier eines Besseren belehrt: Dieser Text ist noch roher, literarischer, riskanter. Und genau darin liegt seine St\u00e4rke. Im Zentrum steht Waldo, eine junge Frau voller widerspr\u00fcchlicher Sehns\u00fcchte, scharf beobachtend, verletzlich und zugleich gnadenlos ehrlich \u2013 vor allem sich selbst gegen\u00fcber. Ihre Obsession mit Mr. Korgy, dem deutlich \u00e4lteren Dozenten f\u00fcr kreatives Schreiben, ist nicht romantisch verkl\u00e4rt, sondern schmerzhaft seziert. McCurdy interessiert sich nicht f\u00fcr die vertraute Skandalmechanik einer \u201eunangemessenen Beziehung\u201c, sondern f\u00fcr das Innenleben einer Frau, die begehrt, obwohl \u2013 oder gerade weil \u2013 sie wei\u00df, dass dieses Begehren sie klein machen k\u00f6nnte. Was diesen Roman so eindringlich macht, ist seine Weigerung, einfache moralische Antworten zu liefern. Waldo ist keine Sympathietr\u00e4gerin im klassischen Sinn. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sie ist needy, w\u00fctend, ironisch, \u00fcbergriffig, selbstzerst\u00f6rerisch, brillant. McCurdy erlaubt ihr all diese Facetten und entzieht sich damit bewusst jeder didaktischen Lesart. Stattdessen zeigt sie, wie Macht, Klassenunterschiede, kulturelles Kapital und emotionale Vernachl\u00e4ssigung ineinandergreifen \u2013 und wie sehr \u201egesehen werden\u201c ein existenzielles Bed\u00fcrfnis sein kann. Stilistisch ist <em>Half His Age<\/em> schnell, messerscharf und durchzogen von einem Humor, der nie entlastet, sondern eher schneidet. Die Dialoge wirken fast beil\u00e4ufig und treffen dennoch pr\u00e4zise. Besonders stark sind die Passagen, in denen McCurdy das Internet, Konsum und Selbstoptimierung als permanente Hintergrundkulisse einer Generation beschreibt, die gelernt hat, sich selbst als Produkt zu begreifen \u2013 auch im Begehren. Waldo analysiert sich unabl\u00e4ssig, ohne sich dadurch retten zu k\u00f6nnen. Genau das macht sie so glaubw\u00fcrdig. Bemerkenswert ist auch, wie subtil der Roman Fragen nach Verantwortung verhandelt. Mr. Korgy wird weder d\u00e4monisiert noch entschuldigt. Vielmehr entsteht ein Spannungsfeld, in dem sich Leserinnen und Leser permanent neu positionieren m\u00fcssen. Wer nutzt hier wen? Wo beginnt Macht, wo endet Selbstbestimmung? Und warum sehnen wir uns so oft nach Menschen, die uns strukturell nicht guttun k\u00f6nnen? <em>Half His Age<\/em> ist kein Wohlf\u00fchlroman, keine moralische Parabel und kein leicht konsumierbarer Zeitgeisttext. Es ist ein Buch, das sich festsetzt, das Unbehagen erzeugt und lange nachwirkt. McCurdy beweist hier endg\u00fcltig, dass sie weit mehr ist als eine ehemalige Kinderstar-Autorin mit einer spektakul\u00e4ren Lebensgeschichte. Sie ist eine ernstzunehmende literarische Stimme \u2013 klug, mutig und bereit, dorthin zu gehen, wo es unangenehm wird. Ein Roman \u00fcber Begehren und Einsamkeit, der nicht tr\u00f6stet, sondern aufdeckt. Und genau deshalb so stark ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Half His Age&#8220; von Jeanette McCurdy. \/\/ Jennette McCurdy legt mit Half His Age einen Roman vor, der weh tut, provoziert, zum Lachen zwingt \u2013 und einen dabei immer wieder ertappt. 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