{"id":34374,"date":"2026-02-13T13:13:34","date_gmt":"2026-02-13T12:13:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34374"},"modified":"2026-02-13T13:13:35","modified_gmt":"2026-02-13T12:13:35","slug":"aufgelesen-vol-656-schleifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34374","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)56 &#8211; &#8222;schleifen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Schleifen&#8220; von Elias Hirschl. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Elias-Hirschl-627x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34376\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Elias-Hirschl-627x1024.jpg 627w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Elias-Hirschl-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Elias-Hirschl-768x1254.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Elias-Hirschl-941x1536.jpg 941w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Elias-Hirschl-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Elias-Hirschl-scaled.jpg 1568w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Elias Hirschl<\/strong> ist einer dieser seltenen Autoren, bei denen man schon nach wenigen Seiten wei\u00df: Hier denkt jemand anders, und er traut sich, diesen Gedanken bis zum Ende zu folgen. <em>Schleifen<\/em> ist ein Roman, der genau daraus seine Energie bezieht \u2013 aus einer Lust am Denken, am Sprachspiel, am \u00dcberschreiten dessen, was ein Roman \u201ed\u00fcrfen\u201c soll. Nach <em>Content<\/em> wirkt dieses Buch noch konzentrierter, noch ambitionierter, aber zugleich erstaunlich zug\u00e4nglich. Im Mittelpunkt steht Franziska Denk, ein Kind mit einer ebenso absurden wie tief beunruhigenden Krankheit: Alles, wovon sie h\u00f6rt oder liest, manifestiert sich k\u00f6rperlich an ihr. Symptome sind ansteckend, Worte gef\u00e4hrlich. Schon dieser Ausgangspunkt macht klar, wie radikal Hirschl Sprache ernst nimmt. Worte sind hier keine neutralen Werkzeuge, sondern Wirkkr\u00e4fte, fast physische Entit\u00e4ten. Dass Franziska ausgerechnet im Umfeld des Wiener Kreises aufw\u00e4chst \u2013 jenem historischen Epizentrum der Sprachlogik, Philosophie und Wissenschaft \u2013 ist kein Zufall, sondern eine elegante Verankerung des Romans im intellektuellen Untergrund des 20. Jahrhunderts. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Begegnung mit dem Mathematiker Otto Mandl verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Zwischen den beiden entsteht eine Beziehung, die weniger romantisch als existenziell ist: eine Seelenverwandtschaft, die sich \u00fcber Sprache, Formeln, tote Sprachen und obsessive Pr\u00e4zision definiert. Die Idee, sich mithilfe alter, \u201etoter\u201c W\u00f6rter gegen die Gewalt der Gegenwartssprache zu immunisieren, ist nicht nur brillant, sondern auch erstaunlich ber\u00fchrend. Sprache wird hier Schutzraum und Bedrohung zugleich. Was <em>Schleifen<\/em> so besonders macht, ist sein Ton. Hirschl schreibt klug, verspielt, manchmal bewusst \u00fcberdreht, aber nie selbstverliebt. Er erlaubt sich Abschweifungen, Gedankenspr\u00fcnge, Schleifen eben \u2013 und genau darin entsteht der Reiz des Romans. Immer wieder kippt etwas, das zun\u00e4chst wie eine abstrakte Idee wirkt, pl\u00f6tzlich in emotionale Wahrheit. Man lacht, denkt, stolpert \u2013 und merkt erst sp\u00e4ter, wie sehr einen das Gelesene besch\u00e4ftigt. Der Roman ist durchzogen von der Frage, wie sehr Sprache unser Denken, unser F\u00fchlen, unser Kranksein und Gesundwerden bestimmt. Hirschl f\u00fchrt diese Frage nicht didaktisch vor, sondern erz\u00e4hlerisch, spielerisch, mit Lust am Paradox. Das Unglaubliche wird wahr, das Unwahrscheinliche plausibel, und das Erfundenste f\u00fchlt sich pl\u00f6tzlich erschreckend real an. Genau hier liegt seine gro\u00dfe St\u00e4rke: Er vertraut darauf, dass Literatur nicht erkl\u00e4ren muss, sondern erfahrbar macht. Trotz seiner intellektuellen Dichte ist <em>Schleifen<\/em> kein verkopftes Buch. Es macht Spa\u00df, im besten Sinn. Man sp\u00fcrt die Freude des Autors am Erz\u00e4hlen, am \u00dcbertreiben, am Gedankenspiel. Gleichzeitig bleibt immer ein leiser Ernst: die Ahnung, dass Sprache nicht nur Spiel ist, sondern Macht, Struktur, Grenze. <em>Schleifen<\/em> ist ein gro\u00dfer Ideenroman, ja \u2013 aber vor allem ist es ein zutiefst menschliches Buch \u00fcber N\u00e4he, Besessenheit und den Wunsch, die Welt durch Worte kontrollierbar zu machen. Elias Hirschl zeigt hier eindrucksvoll, warum er zu den eigenst\u00e4ndigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur z\u00e4hlt. Ein Roman, der sich nicht glatt lesen l\u00e4sst \u2013 aber lange nachhallt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Schleifen&#8220; von Elias Hirschl. \/\/ Elias Hirschl ist einer dieser seltenen Autoren, bei denen man schon nach wenigen Seiten wei\u00df: Hier denkt jemand anders, und er traut sich, diesen Gedanken bis zum Ende zu folgen. 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