{"id":34385,"date":"2026-02-27T14:07:48","date_gmt":"2026-02-27T13:07:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34385"},"modified":"2026-02-27T14:07:50","modified_gmt":"2026-02-27T13:07:50","slug":"presswerke-vol-288-dreamer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34385","title":{"rendered":"\/\/ presswerke vol. (2)88 &#8211; &#8222;dreamer+&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit der neuen Vinyl-LP von Sassy 009.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sassy-009-1019x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34392\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sassy-009-1019x1024.jpg 1019w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sassy-009-298x300.jpg 298w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sassy-009-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sassy-009-768x772.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sassy-009-1528x1536.jpg 1528w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Sassy-009.jpg 1900w\" sizes=\"(max-width: 1019px) 100vw, 1019px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Dreamer+ ist weniger ein Album als ein bewusst gebauter Innenraum \u2013 ein Werk, das sich nicht nebenbei erschlie\u00dft, sondern Aufmerksamkeit verlangt. Hinter dem Projekt <strong>Sassy 009<\/strong> steht Sunniva Lindg\u00e5rd, eine K\u00fcnstlerin, die sich seit Jahren konsequent der Idee verweigert, Pop m\u00fcsse leicht konsumierbar sein. In ihrer Musik ging es immer um \u00dcberg\u00e4nge, um Zust\u00e4nde zwischen N\u00e4he und Entfremdung, Kontrolle und Aufl\u00f6sung. Mit diesem Album treibt sie diese Suche auf die Spitze. Entstanden \u00fcber einen Zeitraum von fast vier Jahren, tr\u00e4gt Dreamer+ deutlich die Spuren einer langen, tastenden Entwicklung. Es ist kein spontanes Statement, sondern ein Werk, das Schicht f\u00fcr Schicht gewachsen ist \u2013 mit Phasen des Zweifelns, Neuansetzens und bewussten Verwerfens. Lindg\u00e5rd \u00fcbernimmt hier sichtbar die vollst\u00e4ndige k\u00fcnstlerische Kontrolle: Klang, Erz\u00e4hlung, \u00c4sthetik und Haltung greifen ineinander. Das Album wirkt dadurch geschlossen und gerade deshalb so eindringlich. Musikalisch bewegt sich Dreamer+ durch ein bewusst unscharfes Terrain. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Verzerrte Vocals stehen neben grungiger Rohheit, Shoegaze-Fl\u00e4chen treffen auf beatlastige, an die Neunziger erinnernde Elektronik, w\u00e4hrend Hyperpop-Elemente wie fl\u00fcchtige Lichtreflexe durch die St\u00fccke ziehen. Nichts davon dominiert dauerhaft. Die Sounds erscheinen und verschwinden, kippen ineinander, verlieren sich. Diese Instabilit\u00e4t ist kein Mangel, sondern Konzept: Das Album klingt, als w\u00fcrde es sich st\u00e4ndig neu erfinden und gleichzeitig selbst untergraben. Trotz prominenter Gastbeitr\u00e4ge \u2013 Blood Orange, BEA1991 und Yun\u00e8 Pinku \u2013 bleibt das Werk klar Lindg\u00e5rds Werk. Die Features wirken nicht wie Unterbrechungen, sondern wie Spiegelungen derselben inneren Landschaft. Sie erweitern das Album, ohne ihm die Richtung zu nehmen. Immer wieder steht die Stimme im Zentrum: verfremdet, vervielf\u00e4ltigt, manchmal fast aufgel\u00f6st. Inhaltlich ist Dreamer+ als M\u00e4rchen angelegt, aber eines ohne tr\u00f6stende Moral. Die Geschichte von Gestaltwandlern, dunklen Kr\u00e4ften und einer verlassenen Stadt ist weniger Fantasy als psychologischer Rundumschlag. Die Protagonistin wird zur eigenen Hauptfigur, hineingeworfen in eine traum\u00e4hnliche Welt, in der Liebe, Schuld und Begehren untrennbar miteinander verwoben sind. Besonders die Beziehung zu Jakov \u2013 absurd eng mit seinem Sterben verbunden \u2013 bildet einen dunklen Kern des Albums. Es gibt kein Entkommen, keine klare Trennung zwischen Bindung und Verlust. Tr\u00e4ume erscheinen nicht als Flucht, sondern als faszinierender Raum, in dem Verantwortung und Wunsch kollidieren. Das Tr\u00e4umen selbst wird dabei ambivalent: Es sorgt f\u00fcr Erkenntnis, aber auch zunehmend f\u00fcr Verstrickung. Dreamer+ fragt nicht, wie man sich rettet, sondern was man bereit ist zu verlieren, um \u00fcberhaupt f\u00fchlen zu k\u00f6nnen. Am Ende steht Dreamer+ als ein Werk, das sich dem schnellen Zugriff entzieht. Es ist d\u00fcster, kontrolliert, emotional aufgeladen und gleichzeitig seltsam entr\u00fcckt. Sunniva Lindg\u00e5rd gelingt hier etwas Seltenes: ein Popalbum, das nicht gefallen will, sondern bestehen \u2013 und wir sind begeistert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit der neuen Vinyl-LP von Sassy 009. \/\/ Dreamer+ ist weniger ein Album als ein bewusst gebauter Innenraum \u2013 ein Werk, das sich nicht nebenbei erschlie\u00dft, sondern Aufmerksamkeit verlangt. Hinter dem Projekt Sassy 009 steht Sunniva Lindg\u00e5rd, eine K\u00fcnstlerin, die sich seit Jahren konsequent der Idee verweigert, Pop m\u00fcsse leicht konsumierbar sein. 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