{"id":34424,"date":"2026-03-13T22:05:06","date_gmt":"2026-03-13T21:05:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34424"},"modified":"2026-03-13T22:05:08","modified_gmt":"2026-03-13T21:05:08","slug":"werktag-vol-190-99-1-2-missverstandene-songs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34424","title":{"rendered":"\/\/ werktag vol. (1)90 &#8211; &#8222;99 1\/2 missverstandene songs&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Verh\u00f6rt Verkannt Vereinnahmt&#8220; von Michael Behrendt. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Michael-Behrendt-648x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34427\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Michael-Behrendt-648x1024.jpg 648w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Michael-Behrendt-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Michael-Behrendt-768x1214.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Michael-Behrendt-972x1536.jpg 972w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Michael-Behrendt-1296x2048.jpg 1296w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Michael-Behrendt-scaled.jpg 1620w\" sizes=\"(max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Ich liebe B\u00fccher, die Popmusik nicht nur feiern, sondern hinterfragen \u2013 und genau das macht <strong>Michael Behrendt<\/strong> in <em>Verh\u00f6rt, verkannt, vereinnahmt. 99 \u00bd missverstandene Songs<\/em> auf ausgesprochen unterhaltsame Weise. Schon der Titel macht klar, wohin die Reise geht: Es geht um all die Songs, die wir seit Jahren mitsingen, zitieren oder bei Fu\u00dfballspielen gr\u00f6len \u2013 und vielleicht nie wirklich verstanden haben. Was mir beim Lesen sofort gefallen hat, ist der Tonfall. Behrendt schreibt nicht belehrend, sondern neugierig, manchmal augenzwinkernd, manchmal auch mit einem gewissen Staunen dar\u00fcber, wie sehr sich Bedeutung verschieben kann. Ob es um verh\u00f6rte Songzeilen geht, die pl\u00f6tzlich ein v\u00f6llig absurdes Eigenleben entwickeln, oder um Lieder, die politisch oder kulturell vereinnahmt wurden \u2013 das Buch zeigt, wie wandelbar Popmusik ist. Und wie leicht wir ihr Bedeutungen unterschieben, die urspr\u00fcnglich gar nicht da waren. Besonders spannend finde ich den Dreiklang aus \u201everh\u00f6rt\u201c, \u201everkannt\u201c und \u201evereinnahmt\u201c. Es geht also nicht nur um lustige Missverst\u00e4ndnisse \u2013 wie ber\u00fchmte Textzeilen, die falsch mitgesungen werden \u2013, sondern auch um ernstere F\u00e4lle: Songs, die aus ihrem Kontext gerissen, f\u00fcr politische Zwecke benutzt oder als harmlose Hymnen missverstanden wurden, obwohl sie eigentlich etwas ganz anderes erz\u00e4hlen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gerade diese Mischung macht das Buch f\u00fcr mich mehr als nur eine Sammlung am\u00fcsanter Anekdoten. Man merkt Behrendt seine journalistische Erfahrung deutlich an. Er recherchiert gr\u00fcndlich, ordnet ein, liefert Hintergr\u00fcnde und bleibt trotzdem lesbar. Dass er seit Jahrzehnten als Reporter arbeitet und auch aus Krisen- und Kriegsgebieten berichtet hat, verleiht seinem Blick auf Themen wie Vereinnahmung und gesellschaftliche Deutung eine gewisse Sch\u00e4rfe. Er wei\u00df offenbar sehr genau, wie Narrative entstehen \u2013 und wie sie sich verselbstst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Genau das \u00fcbertr\u00e4gt er hier auf die Welt der Pop- und Rockmusik. Was ich beim Lesen immer wieder gedacht habe: Dieses Buch ver\u00e4ndert tats\u00e4chlich, wie man Songs h\u00f6rt. Nach einigen Kapiteln ertappe ich mich dabei, vertraute Klassiker mit anderen Ohren zu h\u00f6ren und mich zu fragen, ob ich sie vielleicht auch jahrelang falsch eingeordnet habe. Das ist f\u00fcr mich das gr\u00f6\u00dfte Kompliment, das man einem solchen Buch machen kann: Es bleibt nicht auf der Seite stehen, sondern wirkt in den Alltag hinein. Die \u00fcberarbeitete und erg\u00e4nzte Ausgabe wirkt zudem sehr rund. Die Auswahl der Songs ist abwechslungsreich, mal international, mal deutschsprachig, mal politisch brisant, mal einfach nur skurril. Und selbst wenn man nicht jeden Song kennt, funktioniert das Konzept, weil es letztlich um ein gr\u00f6\u00dferes Thema geht: Wie wir h\u00f6ren. Wie wir interpretieren. Und wie sehr wir Musik mit unseren eigenen Vorstellungen aufladen. F\u00fcr mich ist <em>Verh\u00f6rt, verkannt, vereinnahmt<\/em> deshalb eine ebenso unterhaltsame wie kluge Lekt\u00fcre. Es ist das perfekte Buch f\u00fcr alle, die Popmusik lieben \u2013 und bereit sind, ihre eigenen H\u00f6rgewohnheiten ein kleines bisschen infrage zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Verh\u00f6rt Verkannt Vereinnahmt&#8220; von Michael Behrendt. \/\/ Ich liebe B\u00fccher, die Popmusik nicht nur feiern, sondern hinterfragen \u2013 und genau das macht Michael Behrendt in Verh\u00f6rt, verkannt, vereinnahmt. 99 \u00bd missverstandene Songs auf ausgesprochen unterhaltsame Weise. 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