{"id":34534,"date":"2026-03-22T16:46:14","date_gmt":"2026-03-22T15:46:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34534"},"modified":"2026-03-22T16:46:16","modified_gmt":"2026-03-22T15:46:16","slug":"strichcode-vol-455-precious-metal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34534","title":{"rendered":"\/\/ strichcode vol. (4)55 &#8211; &#8222;precious metal&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Precious Metal&#8220; von Darcy van Poelgeist, Ian Bertram und Matt Hollingsworth. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Precious-Metal-748x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34535\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Precious-Metal-748x1024.jpg 748w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Precious-Metal-219x300.jpg 219w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Precious-Metal-768x1052.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Precious-Metal-1122x1536.jpg 1122w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Precious-Metal-1496x2048.jpg 1496w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Precious-Metal-scaled.jpg 1870w\" sizes=\"(max-width: 748px) 100vw, 748px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Mit <em>Precious Metal<\/em> kehren Autor <strong>Darcy Van Poelgeest <\/strong>und Zeichner <strong>Ian Bertram<\/strong> in die d\u00fcstere Zukunftswelt zur\u00fcck, die sie einige Jahre zuvor mit <em>Little Bird<\/em> geschaffen haben. Der Band ist als Prequel angelegt und spielt mehrere Jahrzehnte vor den Ereignissen der urspr\u00fcnglichen Geschichte. Gleichzeitig funktioniert er als eigenst\u00e4ndiger Comic, der neue Figuren einf\u00fchrt und die Hintergr\u00fcnde dieses ungew\u00f6hnlichen Science-Fiction-Universums weiter ausleuchtet. Um die Bedeutung von <em>Precious Metal<\/em> zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf <em>Little Bird<\/em>. Die urspr\u00fcngliche Serie spielt in einer dystopischen Zukunft Nordamerikas. Gro\u00dfe Teile des Kontinents stehen unter der Kontrolle eines autorit\u00e4ren amerikanischen Imperiums, das religi\u00f6se Ideologie und politische Macht miteinander verbindet. In dieser Welt sind Andersartigkeit und Abweichung gef\u00e4hrlich \u2013 insbesondere f\u00fcr Menschen, deren K\u00f6rper genetisch oder technologisch ver\u00e4ndert wurden. Die Geschichte folgt der jungen K\u00e4mpferin Little Bird, die gegen dieses System rebelliert und gleichzeitig versucht herauszufinden, welche Rolle sie selbst in dieser Welt spielt. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Schon damals fiel die Serie nicht nur durch ihre ungew\u00f6hnliche Handlung auf, sondern vor allem durch ihre visuelle Radikalit\u00e4t. Ian Bertrams Zeichnungen wirken detailreich, grotesk und gleichzeitig fast poetisch. Figuren erscheinen \u00fcberdehnt, K\u00f6rper verschmelzen mit Maschinen oder organischen Strukturen, Landschaften wirken fremd und vertraut zugleich. Diese eigenwillige Bildsprache, kombiniert mit der intensiven Farbgestaltung von Matt Hollingsworth, machte <em>Little Bird<\/em> zu einem der visuell auff\u00e4lligsten Comics seiner Zeit. <em>Precious Metal<\/em> setzt nun rund 35 Jahre vor diesen Ereignissen ein. Im Zentrum der Geschichte steht Max Weaver, ein sogenannter Mod-Tracker. Seine Aufgabe besteht darin, modifizierte Menschen aufzusp\u00fcren \u2013 Individuen, deren K\u00f6rper durch Technologie oder genetische Eingriffe ver\u00e4ndert wurden. In der Welt des Comics gelten solche Menschen als Bedrohung oder zumindest als St\u00f6rung der gesellschaftlichen Ordnung. Weaver jagt sie im Auftrag anderer, doch l\u00e4ngst hat er den Glauben an diese Arbeit verloren. Die Welt, in der er lebt, erscheint ihm leer und zynisch, und seine eigene Rolle darin ist ihm zunehmend fremd geworden. Die Handlung nimmt ihren Anfang mit einem scheinbar gew\u00f6hnlichen Auftrag: Weaver soll ein modifiziertes Kind finden. Doch die Situation entwickelt sich anders als erwartet. Das Kind entzieht sich nicht nur seiner Kontrolle, sondern scheint auch mit Weavers eigener Vergangenheit verbunden zu sein. Gleichzeitig wird es von einer geheimnisvollen religi\u00f6sen Gruppierung verfolgt, die in ihm etwas sieht, das weit \u00fcber seine blo\u00dfe Existenz hinausgeht. Damit entfaltet sich eine Geschichte, die mehrere Ebenen miteinander verbindet. Auf der Oberfl\u00e4che ist es eine d\u00fcstere Verfolgungs- und Reisegeschichte. Weaver und das Kind bewegen sich durch eine zerst\u00f6rte Welt, in der Gewalt, religi\u00f6ser Fanatismus und technologische Eingriffe in den menschlichen K\u00f6rper zum Alltag geh\u00f6ren. Doch unter dieser Handlung liegt eine zweite Ebene: eine Suche nach Erinnerung und Identit\u00e4t. Weaver beginnt zu begreifen, dass seine eigenen Erinnerungen unvollst\u00e4ndig sind \u2013 und dass das Kind der Schl\u00fcssel zu etwas sein k\u00f6nnte, das er l\u00e4ngst verloren glaubte. Wie schon in <em>Little Bird<\/em> lebt der Comic stark von seiner Atmosph\u00e4re. Die Welt wirkt fremdartig, oft verst\u00f6rend, und doch nie v\u00f6llig unrealistisch. Technologie erscheint nicht als glatte Zukunftsvision, sondern als etwas Organisches, manchmal sogar Unheimliches. K\u00f6rper werden ver\u00e4ndert, erweitert oder deformiert, religi\u00f6se Symbole verschmelzen mit Maschinen und politischen Strukturen. Dadurch entsteht eine Zukunft, die gleichzeitig archaisch und futuristisch wirkt. Ein entscheidender Bestandteil dieser Wirkung ist erneut die visuelle Gestaltung. Ian Bertram nutzt die Comicseite nicht nur als Abfolge von Bildern, sondern als experimentellen Raum. Panelstrukturen werden aufgebrochen, Figuren verzerren sich \u00fcber mehrere Bildfl\u00e4chen hinweg, Perspektiven verschieben sich st\u00e4ndig. Diese Gestaltung zwingt die Leserinnen und Leser oft dazu, langsamer zu lesen und genauer hinzusehen. Die Farben von Matt Hollingsworth verst\u00e4rken diese Wirkung mit intensiven, manchmal fast traumartigen Farbfl\u00e4chen. Inhaltlich greift <em>Precious Metal<\/em> viele Themen auf, die schon in <em>Little Bird<\/em> angelegt waren: Machtstrukturen, religi\u00f6se Ideologie, die Kontrolle \u00fcber K\u00f6rper und Identit\u00e4t sowie die Frage, wie viel Menschlichkeit in einer von Gewalt gepr\u00e4gten Welt \u00fcbrig bleibt. Gleichzeitig r\u00fcckt der Comic st\u00e4rker individuelle Schicksale in den Mittelpunkt. Die Beziehung zwischen Weaver und dem geheimnisvollen Kind entwickelt sich langsam zu einer zentralen emotionalen Achse der Geschichte. Als Prequel erweitert der Band somit nicht nur die Hintergrundgeschichte der Welt von <em>Little Bird<\/em>, sondern zeigt auch, wie diese dystopische Gesellschaft \u00fcberhaupt entstehen konnte. Viele der sp\u00e4teren Konflikte werden hier vorbereitet: die Verfolgung von modifizierten Menschen, die Macht religi\u00f6ser Bewegungen und die extreme gesellschaftliche Spaltung. Am Ende entsteht ein Comic, der sowohl als Erg\u00e4nzung zu <em>Little Bird<\/em> als auch als eigenst\u00e4ndige Geschichte funktioniert. <em>Precious Metal<\/em> verbindet d\u00fcstere Science-Fiction mit einer sehr pers\u00f6nlichen Erz\u00e4hlung \u00fcber Erinnerung, Verantwortung und die Suche nach einem Platz in einer besch\u00e4digten Welt. Gleichzeitig bleibt die visuelle Gestaltung ein zentrales Erlebnis \u2013 intensiv, experimentell und unverwechselbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Precious Metal&#8220; von Darcy van Poelgeist, Ian Bertram und Matt Hollingsworth. \/\/ Mit Precious Metal kehren Autor Darcy Van Poelgeest und Zeichner Ian Bertram in die d\u00fcstere Zukunftswelt zur\u00fcck, die sie einige Jahre zuvor mit Little Bird geschaffen haben. 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