{"id":34560,"date":"2026-04-01T10:43:58","date_gmt":"2026-04-01T08:43:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34560"},"modified":"2026-04-01T10:43:59","modified_gmt":"2026-04-01T08:43:59","slug":"aufgelesen-vol-667-rausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34560","title":{"rendered":"\/\/ aufgelesen vol. (6)67 &#8211; &#8222;rausch&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit dem Werk &#8222;Rausch&#8220; von Nuran David Calis. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"627\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rausch-627x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34570\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rausch-627x1024.jpg 627w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rausch-184x300.jpg 184w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rausch-768x1254.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rausch-941x1536.jpg 941w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rausch-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Rausch-scaled.jpg 1568w\" sizes=\"auto, (max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ <strong>Nuran David Calis<\/strong>\u2019 <em>Rausch<\/em> hat sich f\u00fcr mich beim Lesen ziemlich intensiv angef\u00fchlt \u2013 nicht wie ein klassischer Roman, der einen ruhig durch eine Geschichte f\u00fchrt, sondern eher wie etwas, das immer wieder anzieht, \u00fcberfordert, weiterdr\u00e4ngt. Schon der Titel passt da ziemlich gut: Es geht um Zust\u00e4nde, um \u00dcberw\u00e4ltigung, um ein Leben zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Im Mittelpunkt steht Ufuk, der in den 90ern in Bielefeld als Kind armenisch-t\u00fcrkischer Asylbewerber aufw\u00e4chst. Diese Passagen haben mich besonders getroffen, weil sie sehr direkt zeigen, wie sich Ausgrenzung und Gewalt anf\u00fchlen k\u00f6nnen \u2013 nicht abstrakt, sondern im Alltag, in der Schule, auf der Stra\u00dfe, im ganz normalen Aufwachsen. Da ist st\u00e4ndig diese latente Bedrohung, dieses Gef\u00fchl, nicht dazuzugeh\u00f6ren, egal wie sehr man versucht, sich anzupassen. Spannend wird es dann, wenn der Roman den Sprung ins Erwachsenenleben macht. Ufuk ist inzwischen Regisseur und arbeitet an einer Inszenierung der Odyssee \u2013 und genau hier verschr\u00e4nken sich f\u00fcr mich die Ebenen besonders stark. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Diese klassische Reisegeschichte wird pl\u00f6tzlich zu einer sehr pers\u00f6nlichen, fast schon schmerzhaften Selbstbefragung. Was hei\u00dft eigentlich \u201eHeimat\u201c, wenn man nie wirklich eine hatte? Und kann Kunst dabei helfen, sich selbst zu verstehen \u2013 oder rei\u00dft sie alte Wunden eher wieder auf? Was ich besonders interessant fand, ist die Beziehung zu Johanna. Sie kommt aus einem ganz anderen Milieu, wohlhabend, abgesichert \u2013 und obwohl zwischen den beiden echte N\u00e4he da ist, schwingt immer eine gewisse Fremdheit mit. Diese Unterschiede sind nicht einfach nur Hintergrund, sondern brechen immer wieder auf, manchmal subtil, manchmal ziemlich direkt. Gerade da zeigt der Roman gut, wie sehr soziale Herkunft und gesellschaftliche Realit\u00e4t auch in intime Beziehungen hineinwirken. \u00dcberhaupt hat mich beeindruckt, wie sehr sich in <em>Rausch<\/em> das Politische ins Pers\u00f6nliche frisst. Das passiert nicht plakativ, sondern eher schleichend. Gespr\u00e4che kippen, Situationen ver\u00e4ndern sich, Spannungen bauen sich auf \u2013 und pl\u00f6tzlich merkt man, dass man l\u00e4ngst nicht mehr nur bei einer individuellen Geschichte ist, sondern mitten in gr\u00f6\u00dferen gesellschaftlichen Fragen steckt. Stilistisch ist das Ganze teilweise ziemlich dicht und fordernd. Es gibt Momente, die sich fast \u00fcberschlagen, andere, die sich bewusst Zeit lassen. Ich hatte beim Lesen \u00f6fter das Gef\u00fchl, dass der Text selbst diesen \u201eRauschzustand\u201c widerspiegelt \u2013 mal klar, mal in Fragmenten, mal sehr emotional, dann wieder distanzierter. Das macht es nicht immer einfach, dieses Werk zu lesen, aber daf\u00fcr auch sehr eindringlich. Unterm Strich ist <em>Rausch<\/em> f\u00fcr mich ein Roman, der lange nachwirkt. Vor allem, weil er Identit\u00e4t nicht als etwas Festes zeigt, sondern als etwas, das st\u00e4ndig in Bewegung ist \u2013 gepr\u00e4gt von Herkunft, Erfahrungen, Erwartungen und auch von den Blicken anderer. Es ist kein bequemes Buch, aber genau das macht es so stark.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit dem Werk &#8222;Rausch&#8220; von Nuran David Calis. \/\/ Nuran David Calis\u2019 Rausch hat sich f\u00fcr mich beim Lesen ziemlich intensiv angef\u00fchlt \u2013 nicht wie ein klassischer Roman, der einen ruhig durch eine Geschichte f\u00fchrt, sondern eher wie etwas, das immer wieder anzieht, \u00fcberfordert, weiterdr\u00e4ngt. 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