{"id":34583,"date":"2026-04-17T14:54:21","date_gmt":"2026-04-17T12:54:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34583"},"modified":"2026-04-17T14:54:22","modified_gmt":"2026-04-17T12:54:22","slug":"strichcode-vol-458-green-witch-village","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zuckerkick.com\/?p=34583","title":{"rendered":"\/\/ strichcode vol. (4)58 &#8211; &#8222;green witch village&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>mit den Werken Willkommen in Pandemonia und Green Witch Village. <\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"704\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Pandemonia-704x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34585\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Pandemonia-704x1024.jpg 704w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Pandemonia-206x300.jpg 206w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Pandemonia-768x1118.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Pandemonia-1055x1536.jpg 1055w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Pandemonia-1407x2048.jpg 1407w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Pandemonia-scaled.jpg 1759w\" sizes=\"auto, (max-width: 704px) 100vw, 704px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\/\/ Die beiden Comics <em>Willkommen in Pandemonia<\/em> und <em>Green Witch Village<\/em> wirken auf den ersten Blick wie zwei v\u00f6llig unterschiedliche Projekte \u2013 hier eine grelle, satirische H\u00f6llenvision rund um Influencer-Kultur, dort eine verspielte Zeitreise mit feministischer Note und Retro-Setting. Und doch verbindet sie mehr, als man zun\u00e4chst vermuten w\u00fcrde: Beide erz\u00e4hlen von Figuren, die in eine ihnen fremde Welt geworfen werden \u2013 und diese Welt nicht einfach hinnehmen, sondern aktiv herausfordern. <em>Willkommen in Pandemonia<\/em>, geschrieben von <strong>Diego Agrimbau<\/strong> und gezeichnet von <strong>Gabriel Ipp\u00f3liti<\/strong>, ist eine bissige, oft gnadenlose Satire auf Selbstoptimierung, Influencer-Kultur und digitale Absurdit\u00e4ten der Gegenwart. Die Grundidee ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Ein selbsternannter Erfolgscoach landet nach seinem Tod in der H\u00f6lle \u2013 doch statt Reue oder Einsicht bringt er genau die Mechanismen mit, die ihn zu Lebzeiten erfolgreich gemacht haben. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Er denkt in Strategien, in Markenbildung, in L\u00f6sungen. Und genau das macht ihn zu einem St\u00f6rfaktor in einem System, das eigentlich auf Strafe und Ordnung ausgelegt ist. Das eigentlich Komische \u2013 und zugleich Unheimliche \u2013 liegt darin, wie m\u00fchelos sich diese Figur auch in der H\u00f6lle behauptet. Die Bestrafungen sind modernisiert, angepasst an die S\u00fcnden der digitalen Gegenwart, und doch bleibt alles Teil eines Systems, das \u00fcberraschend kompatibel mit aktuellen Denkweisen wirkt. Agrimbau treibt diese Idee konsequent weiter: Was passiert, wenn selbst die Verdammnis noch optimiert werden kann? Wenn sogar Schuld und Strafe zu etwas werden, das sich managen l\u00e4sst? Der Comic lebt dabei stark von seiner visuellen \u00dcberzeichnung \u2013 Ipp\u00f3litis Stil ist expressiv, \u00fcberladen, voller grotesker Details, die den Wahnsinn dieser Welt spiegeln. Hinter dem Humor steckt eine ziemlich pr\u00e4zise Diagnose unserer Gegenwart: eine Kultur, die selbst im Scheitern noch auf Selbstverwertung setzt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"748\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Green-Witch-Village-748x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-34584\" style=\"width:463px\" srcset=\"https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Green-Witch-Village-748x1024.jpg 748w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Green-Witch-Village-219x300.jpg 219w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Green-Witch-Village-768x1051.jpg 768w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Green-Witch-Village-1122x1536.jpg 1122w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Green-Witch-Village-1497x2048.jpg 1497w, https:\/\/www.zuckerkick.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Green-Witch-Village-scaled.jpg 1871w\" sizes=\"auto, (max-width: 748px) 100vw, 748px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ganz anders, aber nicht weniger subversiv, funktioniert <em>Green Witch Village<\/em> von <strong>Lewis Trondheim<\/strong> und <strong>Franck Biancarelli<\/strong>. Hier beginnt alles mit einem klassischen erz\u00e4hlerischen Kniff: Eine Frau aus der Gegenwart erwacht pl\u00f6tzlich im New York der sp\u00e4ten 1950er-Jahre. Doch statt sich einfach in dieses Setting einzuf\u00fcgen, bringt sie ihr heutiges Bewusstsein mit \u2013 und genau daraus entsteht die Spannung des Comics. Tabatha, die Protagonistin, ist keine passive Zeitreisende. Sie erkennt sofort die strukturellen Ungleichheiten, die Misogynie und die Machtverh\u00e4ltnisse dieser Epoche \u2013 insbesondere in der Werbebranche, in der sie arbeitet. W\u00e4hrend viele Geschichten, die in der Vergangenheit spielen, dazu neigen, diese zu romantisieren, macht <em>Green Witch Village<\/em> das Gegenteil: Es konfrontiert die Vergangenheit mit einem kritischen Blick aus der Gegenwart. Tabatha wird so zu einer Figur, die nicht nur durch die Zeit reist, sondern auch durch gesellschaftliche Erwartungen \u2013 und sich ihnen widersetzt. Dabei bleibt der Comic spielerisch. Die Idee der \u201egr\u00fcnen Hexe\u201c bringt eine zus\u00e4tzliche, fast m\u00e4rchenhafte Ebene ins Spiel, die sich mit politischen und historischen Themen verbindet. Und dass sich nebenbei auch noch eine Bedrohung globalen Ausma\u00dfes \u2013 eine Atombombe \u2013 in die Handlung einschreibt, verst\u00e4rkt das Gef\u00fchl, dass hier pers\u00f6nliche und gesellschaftliche Konflikte untrennbar miteinander verwoben sind. Im direkten Vergleich wird deutlich, wie unterschiedlich beide Werke mit \u00e4hnlichen Grundfragen umgehen. <em>Willkommen in Pandemonia<\/em> blickt auf die Gegenwart und treibt sie ins Absurde, indem es ihre Logik konsequent weiterdenkt. <em>Green Witch Village<\/em> hingegen schaut zur\u00fcck und nutzt die Vergangenheit als Spiegel, um heutige Perspektiven zu sch\u00e4rfen. Beide arbeiten mit \u00dcberzeichnung, mit Humor und mit bewusst konstruierten Welten \u2013 aber ihre Zielrichtung ist eine andere: Der eine Comic entlarvt, der andere konfrontiert. Was sie verbindet, ist die Figur im Zentrum: Menschen, die sich nicht einf\u00fcgen. Der Coach in der H\u00f6lle, der selbst dort noch nach Kontrolle strebt. Die Frau in den 1950ern, die sich weigert, die Regeln ihrer Umgebung zu akzeptieren. Beide Geschichten erz\u00e4hlen davon, wie Systeme funktionieren \u2013 und was passiert, wenn jemand beginnt, sie zu unterlaufen. So gelesen erg\u00e4nzen sich die beiden Comics \u00fcberraschend gut. <em>Willkommen in Pandemonia<\/em> ist laut, bissig und provokant, ein Spiegel unserer Gegenwart in verzerrter Form. <em>Green Witch Village<\/em> ist erz\u00e4hlerischer, zug\u00e4nglicher, aber nicht weniger politisch \u2013 ein Spiel mit Zeit, Rollenbildern und Widerstand. Zusammen zeigen sie, wie vielseitig das Medium Comic sein kann: als Satire, als Zeitreise, als Gesellschaftsanalyse \u2013 und vor allem als Raum, in dem sich Wirklichkeit neu denken l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit den Werken Willkommen in Pandemonia und Green Witch Village. \/\/ Die beiden Comics Willkommen in Pandemonia und Green Witch Village wirken auf den ersten Blick wie zwei v\u00f6llig unterschiedliche Projekte \u2013 hier eine grelle, satirische H\u00f6llenvision rund um Influencer-Kultur, dort eine verspielte Zeitreise mit feministischer Note und Retro-Setting. 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